"Katholische Kirche in Deutschland - Zahlen und Fakten 2010/11" , so heißt eine Arbeitshilfe der Deutschen Bischofskonferenz, die soeben erschienen ist.
Zahlen, Graphiken, Tabellen und Schaubilder sowie Statements von Mitarbeitern aus unterschiedlichen Bereichen sollen anschaulich machen, was katholische Kirche ausmacht. „Hinter den Zahlen und Schaubildern stehen Menschen, Gemeinden, Verbände, die aus ihrem Glauben heraus unsere Gesellschaft gestalten“, schreibt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, in seinem Vorwort.
Kritischer Blick auf große Zahlen
24,6 Millionen Katholiken, 436.228 Messdiener, 908 Schulen, 120 Verbände, 378 Theologieprofessoren, 43 Museen, 9.400 Tageseinrichtungen sowie 70 Bischöfe: Zahlen, die sich auf den ersten Blick gut lesen lassen, die aber auch eine kritische Draufsicht vertragen.
Während es im Jahr 1970 noch 27,2 Millionen Katholiken in Deutschland gab, gehören heute nur noch 24,1 Millionen Menschen der katholischen Kirche an. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands lag der Spitzenwert im Jahre 1990 sogar bei 28,2 Millionen. Mit der Wiedervereinigung hat aber vor allem auch der Anteil der Katholiken in unserer Gesellschaft reduziert. Sind es im Jahr 2010 nur noch weniger als ein Drittel, so betrug der Anteil der Katholiken vor dem Jahr 1990 noch 42,7 Prozent. Im Jahr 2010 traten 181.193 Katholiken aus der Kirche aus. Nüchterne Zahlen, die man aber vor Ort auch am Rückgang der katholischen Milieus allzu lebendig erleben kann. Den Protestanten geht es mit 24,6 Millionen Mitgliedern nicht wirklich besser. Inzwischen sind 38 Prozent der Deutschen konfessionslos, oder sie gehören dem Islam ( 4 Millionen) oder der jüdischen Gemeinde an (100.00).
Nur 17 Prozent „gläubige Kirchennahe“
Meint man jetzt, dass in Zeiten zurückgehender Mitgliederzahlen vielleicht die Bindung der Verbliebenen gestiegen besonders hoch ist, der irrt auch. Nach einer Umfrage des Allensbach-Instituts aus dem Jahre 2009 bezeichnen sich nur 17 Prozent der Katholiken als »Gläubige Kirchennahe«. Das ist gerade einmal jeder Fünfte. 37 Prozent empfinden sich als »Kritische Kirchenverbundene, was immer das ein mag. Am Erschreckendsten ist sicherlich der dritte Wert wonach knapp die Hälfte der Katholiken sich als „distanziert, unsicher oder nicht religiös“ bezeichnet.
Fast zwangsläufig geht dann auch die Zahl derer zurück, die katholische Herde zu hüten bereit sind. Ende des Jahres 2010 konnten für die deutschen (Erz-)Diözesen 120 Neuaufnahmen verzeichnet werden. Im Vergleich zum Jahr 2009 sind das 41 Männer weniger, ein Minus von 25,5 Prozent. Die Zahl der Neupriester sank von 99 im Jahr 2009 auf 80 im Jahr 2010. Auch die Gesamtzahl der Seminaristen sank von 842 (2009) auf 798 (2010). Ähnliches gilt wohl auch für die Priesterausbildung bei den zur Deutschen Ordensobernkonferenz (DOK) gehörenden Gemeinschaften.
Zwar ist die katholische Eheschließung eines der sieben Sakramente. Doch auch hier sind die Zahlen rückläufig. Sie sanken von über 110.000 Ende der 1980er Jahre auf 48.524 im Jahr 2010. Wobei der Rückgang zuletzt nicht mehr so rasant war. (2008: 48.841, 2009: 48.765).
Aufbruchstimmung erforderlich
Die Zahlen des Berichts machen auf der einen Seite zwar deutlich, dass es noch eine große Vielfalt an katholischen Aktivitäten in Deutschland gibt. Eine Aufbruchstimmung ist dennoch nur schwer wahrnehmbar. So steht zu befürchten, dass der Zahn der Zeit weiterhin an der Kirche nagen wird. Der Besuch des Papstes in Deutschland ist eine gute Gelegenheit für die Katholiken noch einmal Luft zu schnappen und sich selbstbewusst auf den Weg zu machen.