Am 29. Juni begeht die Kirche das Hochfest Peter und Paul. Einen Tag zuvor könnte es einen anderen Grund zu feiern geben, wenn nämlich Papst Benedikt XVI. neue Kardinäle ernennt. Das deutsche Episkopat kann sich allerdings beruhigt auf das Apostelfest vorbereiten: Vermutlich wird keiner der Bischöfe diesmal einen Kardinalshut erhalten.
Für die Kardinalskür gibt es keine verbindlichen Vorschriften, seit dem Amtsantritt Benedikts XVI.wohl aber anerkannte Gepflogen heiten. Während Johannes Paul II. die Obergrenze der 120 wahlberechtigten Kardinäle meistens übertraf, hat sich der deutsche Papst bislang an dieses Limit gehalten. Von den 183 Würdenträgern im Kardinalskollegium sind derzeit 111 und bis zum Jahresende sogar nur 101 zur Wahl eines Papstes berechtigt, da sie die Altersgrenze von 80 Jahren noch nicht erreicht haben. Deshalb werden wohl 19 neue Kardinäle ernannt werden – neun vermutlich in der Kurie, zehn aus dem weltweiten Bischofskreis.
Marx muss noch warten
Für die deutsche Kirche kommen im Prinzip nur zwei Kandidaten in Frage: Robert Zollitsch und Reinhard Marx. Zollitsch ist Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und somit nominell erster Bischof in Deutschland. Das allerdings bedeutet nicht, dass er automatisch Kardinal wird. Sein Vorgänger Karl Lehmann musste, wenn auch aus anderen Gründen, ganze 14 Jahre auf seine Ernennung warten. Erschwerend kommt hinzu, dass Freiburg zwar ein Erzbistum, aber eben kein traditioneller Kardinalssitz ist.
Für die deutsche Kirche Reinhard Marx dagegen leitet einen klassischen Kardinalssitz. München und Freising ist neben Köln Deutschlands wichtigstes Bistum, Papst Benedikt war hier selbst Bischof. Die Formalia würden passen – dennoch wird sich Marx noch gedulden müssen.
Man kann zwar nur spekulieren, ob der Skandal um Bischof Mixa eine Rolle spielt oder der Papst Robert Zollitsch nicht brüskieren will. Wichtiger dürfte sein, dass es weltweit mehrere Erzbistümer gibt, deren Hirten länger als Marx komim Amt sind und daher einen größeren „Anspruch“ auf eine Kardinalsernennung haben. So scheint es nicht abwegig, dass Benedikt XVI. im Vorfeld seines Britannien-Besuches dem Erzbischof von Westminster, Vincent Gerard Nichols, den Kardinalshut verleiht und damit ein schönes Zeichen setzt. Als absolute Favoriten gelten allerdings Kurienmitglieder, zum Beispiel Gianfranco Ravasi vom Päpstlichen Kulturrat oder Angelo Amato, der die Heiligen-Kongregation leitet.
Florian Jünger