Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Zdarsa

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"Denn er ist unser Friede"

Konrad Zdarsa ist der neue Bischof von Augsburg. Eine überraschende, aber auch eine wirklich gute Wahl

 

Konrad Zdarsa (Foto: Sportfotodienst)
Er tritt kein leichtes Erbe in Ausgburg an: Bischof Konrad Zdarsa

Am Donnerstag, den 8. Juli haben sicherlich sehr viele Augsburger Katholiken aufgeatmet. Schon mittags läuteten die Glocken in der Stadt und am Abend gleich noch einmal. Groß war die Freude und noch größer die Dankbarkeit, dass Papst Benedikt XVI. so schnell entschieden und einen neuen Bischof für das Lech-Bistum ernannt hat. Der Neue heißt Konrad Zdarsa und war bislang Bischof in Görlitz, dem östlichsten Bistum Deutschlands mit einem Katholiken-anteil von unter vier Prozent. Nicht nur deshalb ist diese Ernennung wirklich eine Überraschung. Eine wirklich positive Überraschung.

Positiv deshalb, weil die ungewöhnlich rasche Entscheidung der gespaltenen Diözese eher als gedacht die Möglichkeit des  längst fälligen Neuanfangs gibt. Positiv vor allem aber, weil mit Konrad Zdarsa eine Persönlichkeit ernannt wurde, die diesen Neuanfang auch einleiten und begleiten kann. Er kommt von außen und ist daher noch unbelastet von den unendlichen Querelen. Bei einem Kandidaten aus dem Bistum hätte die Gefahr bestanden, dass er die Anhänger des Pro- oder des Contra-Mixa-Lagers von vorneherein gegen sich und damit kaum eine echte Chance gehabt hätte. Das ist nun nicht der Fall.

Ein vertrauter Bekannter Benedikts XVI.

Wenngleich viele Katholiken in Augsburg und in ganz Deutschland noch nie etwas von ihm gehört haben dürften: Benedikt XVI. kennt Konrad Zdarsa seit Jahrzehnten. Die beiden haben ein Jahr lang zusammen im Deutschen Kolleg in Rom gelebt. Zdarsa studierte zudem beim damaligen Kardinal Ratzinger, der selbst gerade erst in die Ewige Stadt gezogen war – der Papst weiß also sehr genau, wen er da in die derzeit problematischste deutsche Diözese schickt. Nicht ohne Grund sagte der Münchner Erzbischof Reinhard Marx: „Ohne Zweifel ist diese Aufgabe besonders nach den Vorkommnissen und Diskussionen der letzten Monate eine große Herausforderung“ und stimmte dem Vorsitzenden der deutschen  Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, zu, der sagte: „Konrad Zdarsa wird ein Seelsorger sein, zu dem die Gläubigen Vertrauen haben.“

Tatsächlich gilt der 66-Jährige als erfahrener Seelsorger. Mehr als zwanzig Jahre wirkte er als Pfarrer und erwarb sich den Ruf, gut auf Leute zugehen und sie verstehen zu können. Dabei ist es sicherlich von Vorteil, dass  der 66-Jährige vor seiner Weihe einen Job in der alltäglichen  Berufswelt erlernt hat, den des  Drehers. Geboren wurde er am  7. Juni 1944 in Hainichen, einem Ort in Sachsen. Sein Vater stammte aus der Steiermark, seine Mutter aus Bayern. Als siebtes Kind seiner Eltern wuchs Zdarsa in der ehemaligen DDR auf, durfte aber als österreichischer Staatsbürger – aufgrund der Herkunft seines Vaters – auch ins Ausland reisen. Deshalb lernte der junge Konrad Zdarsa sowohl die Schwierigkeiten des Lebens in einer Diktatur kennen, ohne nur auf diese eine Welt beschränkt gewesen zu sein. All das führte dazu, dass Zdarsa eben kein weltfremder Theoretiker  ist, sondern viele Nöte und Ängste der Menschen aus seiner eigenen Erfahrung kennt.

Klare Positionen, sensibel in der Argumentation, aber nicht auf der Suche nach Rampenlicht

Und noch etwas wird den neuen Augsburger Bischof vom alten abgrenzen: Konrad Zdarsa ist keiner, der sich in den Vordergrund drängt. Nicht immer ist das gut, manchmal muss ein Bischof durchaus Position beziehen und für bestimmte Dinge auch öffentlich eintreten. Aber nicht so inflationär und rigide, wie das  Ex-Bischof Walter Mixa gemacht hat. Zdarsa könnte, auch wenn er zum Beispiel in der Debatte um die Piusbrüder durchaus sehr entschieden seinen alten Bekannten Papst Benedikt XVI. verteidigte, sich in sensiblen Diskussionen etwas zurückhaltender und differenzierter äußern.

Bleibt schlussendlich nur die Frage, ob der gebürtige Sachse liberaler als sein Vorgänger Walter Mixa ist. Eine Frage, die zu beantworten schwer fällt. Sicher ist nur, dass Konrad Zdarsa eher konservativ denkt und handelt. Wie konservativ, das wird sich allerdings noch zeigen müssen. Aber bis dahin müssen sich die rund 1,3 Millionen Katholiken in Augsburg noch gedulden, Zdarsa wird erst am 23. Oktober offiziell als Bischof eingesetzt. Und erst dann kann sich der neue Augsburger Hirte daran machen, seinen Bischofsspruch zu verwirklichen: „Denn Er ist unser Friede.“

Florian Jünger (15.7.2010)




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