Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Zwergenaufstand im Schrebergarten

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glaubenslust – Der Tag


Zwergenaufstand im Schrebergarten

Es gibt Dinge, die sind typisch deutsch. Bratwurst mit Senf zum Beispiel. Ein Schrebergarten mit Keramikzwergen. Oder kleinkarierte Komissköpfe. Ähnlich wie die Zwerge sind sie unbeweglich und wenig flexibel. Das neueste Beispiel: die peinliche Debatte um das Brandenburger Tor und Barack Obama.

Der US-Senator und designierte Präsidentschaftskandidat wollte am 24. Juli vor dem bekanntesten Tor Deutschlands eine Rede halten. Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich ob dieses Plans „befremdet“, Kanzleramtsminister Thomas de Maizière warnte vor einem „amerikanischen Wahlkampf“ auf deutschem Boden. Am Ende hatte Obama die Nase voll und sah von einem Auftritt am Pariser Platz ab. Man kann ihn nur zu gut verstehen.

Verkehrte Welt: Angela Merkel darf, Barack Obama nicht

Wenn zum Beispiel CSU-Chef Erwin Huber keift, dass das Tor Symbol der deutschen Einheit sei und Obama nichts dafür getan habe, so hat er natürlich faktisch gesehen recht. Nur: Dann hätte Angela Merkel auch nicht in der Knesset reden dürfen. Hubers Argument war und ist einfach Humbug. Auch das Argument „Wahlkampf“ überzeugt nicht. Schließlich hält niemand Obamas Konkurrenten John McCain ab, ebenfalls nach Berlin zu kommen. Im Gegenteil, das Kanzleramt hat bereits eine freundliche Einladung ausgesprochen. Aber muss man nicht zumindest befürchten, dass eine Erlaubnis für Obama einen Präzedenzfall schaffen und so eine wahre Schwemme von Anfragen anderer Staatsgäste auslösen würde? Muss man nicht. Wenn man China brüskieren und den Dalai Lama am Tor sprechen lassen kann, sollte man auch in der Lage sein, selbstbewusst und individuell über das historische Denkmal zu verfügen. Aber ohnehin ist diese Warnung vor allem eines: typisch deutsch. Man spürt den Regen schon, ehe überhaupt Wolken heraufgezogen sind.

Und versucht mit vorauseilendem Gehorsam, niemanden auf die Füße zu treten.
Aber genau das hat die Posse getan. Die Tatsache, dass Barack Obama nun von seinem ursprünglichen Plan absieht, ist eine große Peinlichkeit. Ja mehr noch: Es handelt sich um eine verpasste Chance. Nicht nur für Obama, der nun für eine Rede über seine Vorstellungen der neuen Transatlantischen Beziehungen nicht den symbolträchtigen Ort nutzen kann. Es ist auch eine verpasste Chance für Deutschland. Für jeden einzelnen Bürger. Eine emotionale Ansprache vor geschichtsträchtiger Kulisse hätte dem mehr oder weniger latent verbreiteten Antiamerikanismus offen entgegenwirken können.

Verpasster Brückenschlag zu einer legendären Rede der Vergangenheit

Die Deutschen wären daran erinnert worden, dass vor etwas mehr als zwanzig Jahren schon einmal ein Amerikaner für Gänsehaut-Momente sorgte und die deutsche Volksseele berührte. Als US-Präsident Ronald Reagan am 12. Juni 1987 jene legendären Sätze sprach: „Mr. Gorbatschow öffnen Sie dieses Tor! Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer ein!“ war das auch ein deutliches Zeichen der festen Solidarität der Amerikaner mit den Deutschen. Eine Solidarität, die wir heute in Zeiten der Globalisierung und des Terrorkampfes dringend brauchen könnten. Politik lebt nun einmal nicht nur von rationalen Gesetzen, sondern auch von emotionalen Gesten. Sie motivieren, schweißen zusammen und schwören auf ein gemeinsames Ziel ein.
Insofern war die Kleinkind-Haltung einiger Politikgrößen eine leichtfertig verschenkte Möglichkeit, ein historisches Datum für eine neue fruchtbare Zusammenarbeit zu setzen. Sie haben keine besondere Größe bewiesen. Sondern bleiben lieber historische Zwerge in ihrem kleinen deutschen Schrebergarten.

Simon Biallowons




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Die Kommentare der Liborius-User:


von david-ho-zehnter@gmx.de

am Mittwoch, 16. Juli 2008

Ein Kommentar mit mutigem und klarem Profil.
Herzlichen Dank.

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