Im Vorfeld des Gipfels gegen Rechtsextremismus, zu dem Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich und Bundesfamilienministerin Kristina Schröder eingeladen hatten, plädieren die Bischöfe für „eine neue Entschlossenheit von Staat und Gesellschaft im Kampf gegen rassistische und rechtsextremistische Tendenzen in Deutschland“. Der Extremismusgipfel müsse ein starkes Zeichen des Zusammenstehens des Staates und der demokratischen Kräfte gegen alle Formen der Menschenverachtung setzen. „Wer Menschen anderer Herkunft, Hautfarbe oder Religion ausgrenzt, wer sie diskriminiert oder gar physisch attackiert, der muss mit Reaktionen der staatlichen Gewalt und dem Widerstand der freiheitlichen Gesellschaft rechnen“, fordern die Bischöfe.
Bodensatz des Hasses
„Es gibt nach wie vor einen Bodensatz des fanatischen Hasses auf alles Fremde auch in den zivilen europäischen Gesellschaften“, stellen die Bischöfe mit Betroffenheit fest. Der Massenmord des norwegischen Rechtsextremisten und die Aufdeckung der neonazistischen Zelle aus Zwickau, die in den zurückliegenden Jahren mindestens zehn Menschen ermordet habe, hätten uns dies drastisch vor Augen geführt. Die Bischofskonferenz will allerdings nicht bei der Erkenntnis der Fakten stehen bleiben. „Es reicht nicht, die extrem gewalttätigen Auswüchse des Rechtsextremismus zu verurteilen“, macht sie deutlich. „Wir müssen uns vielmehr alle bereits den kleinen Demonstrationen der Menschenfeindlichkeit, denen wir im gesellschaftlichen Alltag begegnen, mit Zivilcourage entgegenstellen.“ So lasse sich dem Aufkeimen oder Vordringen rechtsextremistischer Gesinnungen entgegenzuwirken.
Unvereinbar mit dem Glauben
„Fremdenhass, Rassismus, Antisemitismus und jede Form des Rechtsextremismus sind mit dem christlichen Glauben absolut unvereinbar“, betonen die Bischöfe. Sie zollen vielen Organisationen und Gruppen in der Kirche Respekt, die sich schon seit langen Jahren aktiv gegen rechtsextremistische Tendenzen in unserer Gesellschaft einsetzen. Der Bund der katholischen Jugend (BDKJ) mit seinen Mitgliedsorganisationen gehöre dazu. Solche Beiträge seien unersetzlich für die Prävention.
Interkulturelle Begegnungen
Ein weiterer wichtiger Dienst an einem guten und friedlichen Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Zugehörigkeit sei die „Interkulturelle Woche“. Sie wird von den christlichen Kirchen in Zusammenarbeit mit Kommunen und gesellschaftlichen Organisationen jährlich durchgeführt. „So ermutigen wir diejenigen, die bereits seit Langem gegen Ausgrenzung und Unmenschlichkeit tätig sind, in ihrem Engagement nicht nachzulassen. Alle Kirchengemeinden und die katholischen Verbände bitten wir, sich mutig und tatkräftig für eine friedliche Gesellschaft zu engagieren, in der die Verachtung von Menschen keinen Platz hat.“