Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Missbrauch in der Kirche

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Der Tag

 

Die Glaubwürdigkeit der Christen steht auf dem Spiel

Bei vielen Menschen kocht derzeit die Wut hoch: Zahlreiche Fälle von sexuellem Missbrauch erschüttern die katholische Kirche in Deutschland. Viele fragen sich: Wie konnte so etwas systematisch unter den Teppich gekehrt werden?  

Ins Rollen kam der Skandal durch einen Brief vom vergangenen Donnerstag. Geschrieben hat ihn Pater Klaus Mertes, Jesuit und Rektor des Canisius-Kollegs in Berlin. In dem Schreiben an 600 ehemalige Schüler der betroffenen Jahrgänge spricht er von „systematischen und jahrelangen Übergriffen“ und bittet die Opfer um „Entschuldigung für das, was ihnen angetan wurde“. Zugleich ruft der Schulleiter noch unbekannte Opfer dazu auf sich zu melden. Seitdem ist von drei Jesuiten die Rede, die an verschiedenen Orten mehr als zwanzig Schutzbefohlene missbraucht haben sollen. Dazu kommen weitere Fälle, wie der des ehemaligen Offizials (Kirchenjuristen) des Bistums Essen, der sofort von allen Ämtern suspendiert wurde.

Die Suche nach den Schuldigen

Viele innerhalb wie außerhalb der Kirche fragen sich: Wie war das möglich? Gerade in einer Institution, die für Heiligkeit und Integrität stehen sollte? Gab es keine Kontrollen? Wer ist verantwortlich dafür, dass das so lange unter den Teppich gekehrt werden konnte? Wer kirchenkritisch eingestellt ist, sieht in dem Skandal einen weiteren Beweis dafür, dass grundsätzlich etwas in der katholischen Kirche nicht stimmt. Dass der Zölibat verkehrt ist, dass Machtmissbräuche durch Kirchenmänner an der Tagesordnung sind, und vor allem dass sich so lange nichts ändern wird, wie diese Institution existiert… Kirchenverbundene empfinden Scham für „ihre“ Kirche und fragen sich, wie solches Leid wieder gut gemacht werden kann. 

Strukturelle Sünde

Es sind Fragen, die offenbar auch Pater Mertes umtreiben, wenn er in dem Brief schreibt: „Welche Strukturen begünstigen es… auch in der katholischen Kirche, dass Missbräuche geschehen und de facto auch gedeckt werden können? Hier stoßen wir auf Probleme wie fehlende Beschwerdestrukturen, mangelnden Vertrauensschutz, übergriffige Pädagogik, übergriffige Seelsorge, Unfähigkeit zur Selbstkritik, Tabuisierungen und Obsessionen in der kirchlichen Sexualpädagogik, unangemessenen Umgang mit Macht, Abhängigkeitsbeziehungen.“

Diese Worte sind bemerkenswert! Sie zeigen einen überfälligen Paradigmenwechsel an. Was jahrelang in der katholischen Kirche herrschende Mentalität war – und in manchen Köpfen immer noch ist –, dafür darf es heute keinen Platz mehr geben. Es ist die Mentalität eines „Kartells des Schweigens“ (P. Bernd Hagenkord SJ, Radio Vatikan); die Meinung, vor allem den Ruf der Institution schützen zu müssen, auch auf Kosten der Opfer …

Keinen Raum für's Vertuschen

Ja, es hat grundsätzlich etwas nicht gestimmt in der katholischen Kirche. Aber auch für Christen ist es nie zu spät für eine Umkehr. Dies zeigt das konsequente Vorgehen von Papst Benedikt XVI., der 2008 bei seiner USA-Reise Missbrauchsopfern persönlich gegenübertrat und jüngst einen eigenen Hirtenbrief für die besonders betroffene Kirche in Irland angekündigt hat. Auch die seit einigen Jahren gültigen Richtlinien der deutschen Bischöfe und Orden sind vorbildlich und lassen keinen Raum mehr für Vertuschen und Herunterspielen.

Das entschiedene Vorgehen von Pater Mertes ist vorbildlich. Ohne Rücksicht auf das Ansehen seiner Institution unternimmt er alles, um den Opfern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Das wird im Innern der Kirche Beispielfunktion haben und anderen Kirchenführern Mut machen, nicht in Angststarre zu verfallen, wenn sie mit dem Problem sexuellen Missbrauchs konfrontiert werden, sondern offensiv Aufklärung zu betreiben – ausschließlich das Wohl der Opfer im Blick.

Es geht um die Glaubwürdigkeit

Es geht letztlich um die Glaubwürdigkeit von Christen. Wenn die Kirche sie nicht ganz verspielen will, dann braucht es Leute wie Pater Mertes, die aufrichtig sind. Dass er es ehrlich meint, das zeigen die Schlussworte des oben genannten Briefs an die Ehemaligen des Canisius-Kollegs: „Seitens des Kollegs möchte ich dazu beitragen, dass das Schweigen gebrochen wird, damit die betroffenen Einzelnen und die betroffenen Jahrgänge miteinander sprechen können. In tiefer Erschütterung und Scham wiederhole ich zugleich meine Entschuldigung gegenüber allen Opfern von Missbräuchen durch Jesuiten am Canisius-Kolleg."

Ein Kommentar von Dominikanerpater Max Cappabianca, Rom/Vatikan




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Die Kommentare der Liborius-User:


von Herbert S.

am Dienstag, 9. März 2010

Ich denke, dass weniger die Glaubwürdigkeit der Christen auf dem Spiel steht, sondern vielmehr die Glaubwürdigkeit in das WORT GOTTES selbst als die absolute WAHRHEIT. Wenn es "nur" um die Glaubwürdigkeit der Christen geht, so offenbart sich nichts anderes als jener Platz, welchen wir dem WORT GOTTES zuweisen. Das WORT GOTTES braucht unseren Glauben nicht: wir aber das WORT GOTTES. Durch solche und andere Missbräuche des WORTES GOTTES geben wir "nur" ein falsches Zeugnis und schlagen somit das WORT GOTTES wieder, bzw. immer noch ans Kreuz und liefern es erneut jeder Art von Willkür aus. GOTT steht auf dem Spiel und dessen WORT. Wir sollten diese WAHRHEIT nicht unter den Teppich kehren und somit auch auf dem Teppich der WAHRHEIT bleiben.

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von Docmey

am Sonntag, 7. März 2010

die leute, die wollen, daß ihre kinder eine kath. erziehung bekommen sind auch nicht vollkommen unschuldig. ich schlage vor, die leute ziehen sich komplett aus der amtskirche zurück und machen eigene kath. gemeinden in privater trägerschaft auf. man muss diese priester, pater, jesuiten o./u. bischöfe vollständig isolieren, erst dann wachen sie auf!!!!

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von ursula

am Dienstag, 9. Februar 2010

Das Schlimmste an diesen Vorfällen ist, daß die Kirche nach wie vor das Vertuschen praktiziert; denn was sie nicht weiss, macht sie nicht heiss. Es ist alles erlaubt, solange es nicht öffentlich wird. Das haben immer wieder Vorfälle dieser Art gezeigt; dann ist das
gespielte Entsetzen aufeinmal riesengroß.
Fazit: "einfach wiederlich"

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von Anna Maria

am Montag, 8. Februar 2010

Spannend ist, dass sich hier offenbar nur Männer zu Wort melden. Ich gehe absolut konform mit "hendrik" und "stephan". Die Sexuallehre der kath.Kirche hat sich nicht weiterentwickelt. Zielt immer noch auf "Unterdrückung" ab. Die Selbstreflexion der Kirche grundsätzlich und der in der Kirche arbeitenden Menschen liegt schwer im Argen. Das Vertuschen und nicht Hinschauen-wollen auf die Probleme schwächt die Kirche enorm. Die ganze Diskussion auf das Zölibat zu reduzieren finde ich auch zu einseitig und löst die Probleme nicht. Es ist sehr schwer diese Kirche zu verteidigen, obwohl ich es auch immer noch mache, weil es mir dabei grundsätzlich um den Glauben an Jesus geht.
Ich wünsche mir, dass besonders in der Priesterausbildung ein Augenmerk auf Selbstreflexion im ganzheitlichen Sinn gelegt wird. Leider muss ich feststellen, dass das immer noch nicht der Fall ist. Hier hat die Kirche enormen Nachholbedarf!!

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von Christine

am Montag, 8. Februar 2010

Es erschüttert mich, dass immer weider solche Vorfälle passieren.
Als nicht Betroffene frage ich mich, wie konkret kann man das merken, wenn in der z. B. nächsten Umgebung Derartiges abläuft? wohin sich wenden, um kompetetente fachliche Auskünfte, Hilfe zu erhalten, gleich ob in kirchlichen oder weltlichen Kreisen. Dafür müsste es. Strukturen geben.
Mich interessiert auch die Frage, wird solch ein Verhalten wie Pädophilie und dergleichen anerzogen, gelernt, erworben ?wie sind die Kennzeichen?

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von Christine

am Montag, 8. Februar 2010

Es erschüttert mich, dass immer weider solche Vorfälle passieren.
Als nicht Betroffene frage ich mich, wie konkret kann man das merken, wenn in der z. B. nächsten Umgebung Derartiges abläuft? wohin sich wenden, um kompetetente fachliche Auskünfte, Hilfe zu erhalten, gleich ob in kirchlichen oder weltlichen Kreisen. Dafür müsste es. Strukturen geben.
Mich interessiert auch die Frage, wird solch ein Verhalten wie Pädophilie und dergleichen anerzogen, gelernt, erworben ?wie sind die Kennzeichen?

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von Mmaxwald

am Montag, 8. Februar 2010

Sexuelle Übergriffe von Priestern/Ordensleuten auf Menschen, die in ihrer Abhängigkeit stehen, sind aufzudecken und zu verurteilen. Sie auf die Zölibatsdebatte zu reduzieren ist fehlsichtig. Sexueller Missbrauch wird vielfach auch von Menschen ausgeübt, die andeweitig genug Möglichkeiten haben, die genitale Seite ihrer Sexualität zu leben. Zölibatäres Leben ist befruchend und befreiend, wenn es sich nicht um die Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualtität drückt. Dass das Zölibat immer wieder diskutiert wird, hängt wohl damit zusammen, dass Sexualität in Priester- und Ordenskreisen nach wie vor für viele ein Tabu ist.

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von Ulrich Dombrowsky

am Samstag, 6. Februar 2010

Ein wenig mehr Sachlichkeit täte sicher in dieser Angelegenheit not. Wer die alten Ordensregeln beispielsweise des Benedikt von Nursia gelesen hätte (seit über 1400 Jahren gültig) der wäre erstaunt, dass Sanktionen für schuldige Mönche darin enthalten sind.
Wir meinen heute, die Kirche müsse aus eigener Kraft das Paradies auf Erden errichten. Alle Systeme, die das versuchten, arteten in Barbarei aus.
Leider bleibt es bei der Erkenntnis, dass alle Menschen Sünder sind, die erlösungsbedürftig bleiben, Verheiratete wie Unverheiratete. Daher ist es geboten, auf der Grundlage bestehenden Rechts, allen Verfehlungen nachzugehen und sie entsprechend zu ahnden.
Es gibt zu jeder Zeit auch strukturelle Sünde. Wir merken es aber meist erst in der Generation danach (Stichwort "Umweltsünden"). Unsere heutige Gesellschaft vernichtet beispielsweise die Guthaben unserer Enkel und Urenkel durch die Überschuldung des Staates - aber wirklich sparsamer leben will auch keiner.
Es ist daher aufzuarbeiten, was aufzuarbeiten ist und ansonsten mit der jeder Generation aufgegebenen Wachsamkeit alle Bereiche des Lebens zu gestalten.

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von andreas reichl

am Samstag, 6. Februar 2010

Meines Erachtens ist für jeden Menschen die Fähigkeit zu ehelichem und zölibatärem Leben nötig. D.h., auch der ehelich lebende Mensch muss zölibatäres Leben führen können, ansonsten fehlt ihm einiges an der Beziehungsfähigkeit und somit Ehefähigkeit.
Das Problem des Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen sehe ich grundsätzlich an der gravierend mangelnden Fähigkeit zur Selbst- und Nächstenliebe. Es fehlt diese Kultur der aufmerksamen Begegnung, und deshalb versuchen diese Menschen (aus neurotischen, psychotischen oder anderen Gründen) ihre Defizite an Kindern auszuüben. Die Gesellschaft, in der dies geschieht ist mindestens so betroffen, bei allem Schutzbedürfnis der Geschädigten.
Sehen wir uns unsere eigene Beziehungsfähigkeit an, und schauen wir hin, nicht immer wieder weg, auch im je eigenen Umfeld.

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von k.meckbach

am Samstag, 6. Februar 2010

schafft endlich das menschenverachtende Zölibat ab!

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