Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Russisch-Orthodoxe und Käßmann

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Der Tag


Gerüchten zufolge wollte die Russisch-Orthodoxe Kirche den Dialog mit den Protestanten abbrechen. Kommentar von Ostkirchenfachmann Pater Max Cappabianca OP (Vatikan)

Was wir aus ökumenischen
Affären lernen können

Foto: P. Max Cappabianca
P. Max Cappabianca: "Wahrer Dialog ist nur möglich, wenn man sich seiner eigenen Identität bewusst ist"

Ein Sturm im Wasserglas oder doch eine Begebenheit, die tiefer blicken lässt? In Deutschland jedenfalls war das Kopfschütteln groß über Medienberichte, nach denen die russisch-orthodoxe Kirche wegen der Wahl von Margot Käßmann an die Spitze der EKD, einer geschiedenen Frau, den Kontakt zur evangelischen Kirche abbrechen wolle

Sollte es wirklich so kommen, dann wäre das Ende wirklich tragisch: Just da man am 30. November in Berlin 50 Jahre protestantisch-orthodoxe Ökumene feiern wollte, endet diese auch wieder, da der Außenamtschef der russisch-orthodoxen Kirche, Erzbischof Hilarion, seine Teilnahme abgesagt hat und deswegen die Feier nicht stattfinden kann. Hochrangige russisch-orthodoxe Geistliche sollen nach russischen Medienberichten erklärt haben, mit einer geschiedenen Frau an der Spitze der EKD wolle man den Dialog nicht mehr fortsetzen, da die russisch-orthodoxe Kirche keine Führungsrollen von Frauen erlaube. 

Eine Zeitungsente?  

Der ständige Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, Erzbischof Longin, erklärte nach Angaben der KNA hingegen wenige Tage später, die Absage sei vor allem aus Termingründen erfolgt. Hilarion habe auch dem katholischen Erzbischof Zollitsch einen Termin am 28. November absagen müssen. Im Übrigen sei die Wahl Käßmanns, zu der er ihr gratuliert habe, eine innere Angelegenheit der evangelischen Kirche. Also vielleicht doch nur alles eine Zeitungsente?

Manche vermuten in der harten russischen Linie eine Anbiederung an Rom

Wie dem auch sei: Eine derart undiplomatische Kritik erschien den meisten als ungehörig, werden doch Frauen in Leitungsämtern von den meisten protestantischen Kirchen erlaubt. Gleichwohl haben offenbar viele der russisch-orthodoxen Kirche einen solchen Affront zugetraut. Diese sei in ihren Vorstellungen mittelalterlich und noch nicht in der Gegenwart angekommen… Manche vermuteten gar, die harte Linie der Russen in Sachen Frauenpriestertum sei eine Anbiederung an die römisch-katholische Kirche, die ähnlich starr auf ihren Ansichten beharre. Man wolle die Annäherung mit Rom vorantreiben auf Kosten der Protestanten.

Foto: monika laurenz | lvh / academic.ru
Eklat oder nicht? Der Außenamtschef der russisch-orthodoxen Kirche, Erzbischof Hilarion, sagte seine Teilnahme an der ökumenischen Feier mit Käßmann ab

In Wahrheit geht es nicht um die Diskriminierung von Frauen

Tatsache ist, dass in den orthodoxen Kirchen der Unmut über die in den letzten Jahren als beliebig wahrgenommenen Protestanten wächst. In theologischen Fragen sind die Unterschiede groß und betreffen nicht nur die Frage nach Frauen im Priester- und Bischofsamt. Zwar wird das russische „Njet“ in unseren Breitengraden nicht mehr verstanden und, ähnlich wie beim Vatikan, nur noch als Geisteshaltung von Ewiggestrigen wahrgenommen, inner- wie außerhalb der Kirchen. Dass dahinter aber mehr stecken könnte, dass das Nein zum Frauenpriestertum auf einer tieferen theologischen und spirituellen Einsicht beruht und im besten Sinne des Wortes „heilige“ Tradition darstellt, das wird hierzulande nicht gerne gehört.

In Wahrheit geht es nicht um die Diskriminierung von Frauen, sondern um das Amtsverständnis. Bischöfe sind keine Vereinsvorsitzenden, von denen Frauen um der Gleichheit willen nicht ausgeschlossen werden dürften. Nicht umsonst ist die Bischofsweihe bei Orthodoxen wie Katholiken, anders als bei den Protestanten, ein Sakrament. Die Orthodoxen sind hier vielleicht ein „Stachel im Fleisch“, der zu mehr Wahrhaftigkeit im Dialog zwingt; vielleicht auch für Katholiken, die sich oft selber ihrer Überzeugungen nicht mehr sicher sind.  

Klare Profile vs. „Schönwetter-Ökumene“

Was wird - im besten Fall – von dieser Affäre bleiben? Die Einsicht, dass Ökumene nicht nur aus Festakten und Schönwetter-Deklarationen besteht. Wahrer Dialog ist nur möglich, wenn man sich seiner eigenen Identität bewusst ist. Gut, dass auch Protestanten wieder mehr Profil zeigen und den Holzweg der Beliebigkeit verlassen. Eine „Ökumene der Profile“, wie sie ihr Vorgänger bei der EKD Bischof Wolfgang Huber eingefordert hat, muss nicht das Schlechteste sein.




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Die Kommentare der Liborius-User:


von G.Götzinger

am Sonntag, 22. November 2009

Das verstaubte Amtverständnis,das keine Frauen
(Menschen 2.Klasse) zum Priesterberuf zulässt ist ein
Hohn und weder vom spirituellen,geschweige denn
theologisch ehrlich begründbar. Arme röm.kath.Kirche
die die Zeichen der Zeit hinter Worthülsen verschläft.

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