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Alle Kategorien > Gemeindeleben > Leben in der Pfarrei > Gemeindeleben oder -trott?
Autor: Marie
Erstellt: 16. November 2009 - 22:22
Betreff: Gemeindeleben oder -trott?
Ich habe den Eindruck, bei uns läuft das Gemeindeleben seinen eingeschliffenen Gang.
Jahr für Jahr dieselbe Leier.
Immer weniger Leute machen immer die selben Dinge für immer weniger Leute.

Geht euch das auch so?
Autor: ursel
Erstellt: 16. November 2009 - 22:26
Betreff: re: Gemeindeleben oder -trott?
Was sich auf jeden Fall feststellen lässt: Das Durchschnittsalter steigt.
Manche Gruppierungen sind nur dem Namen nach anders, bestehen aber aus den identischen Mitgliedern, z. B. der Frauenbund und der Seniorenkreis. Das führt für die Verantwortlichen auch zu viel Arbeit, und ob das dann auch noch jedes Mal wirklich Spaß macht, kann ich mir nicht vorstellen.
Autor: Lena
Erstellt: 18. November 2009 - 21:48
Betreff: re: Gemeindeleben oder -trott?
Jugendarbeit verläuft in Wellen.
Mal ist für fünf Jahre ganz viel geboten, es gibt mehrere Gruppen, viele Ministranten, viele Aktionen, Sommerfahrt und mehr. Dann wachsen die Gruppenleiter aus dem Alter raus, und es bröckelt alles auseinander. Dann braucht es wieder drei bis fünf Jahre, bis sich wieder neue engagierte Jugendliche finden, die die Arbeit wieder aufnehmen, und alles beginnt wieder von neuem.

Diesen anstrengenden, aber auch "reinigenden" Prozess gibt es meines Erachtens bei anderen Gruppierungen nur selten. Das führt zu diesem gefühlten "Trott".
Autor: ursel
Erstellt: 20. November 2009 - 21:53
Betreff: re: Gemeindeleben oder -trott?
@Lena: Es gibt schon durch Zuzüge und junge Familien, die über Kindergarten und Schule wieder zur Kirche finden, "frisches Blut" in der Pfarrei. Aber es ist bei weitem nicht so viel Bewegung zu spüren wie bei der Jugend.

Das kann man jetzt natürlich positiv oder negativ sehen ... ;-)
Autor: Lena
Erstellt: 22. November 2009 - 21:20
Betreff: re: Gemeindeleben oder -trott?
@ursel: Es ist manchmal auch frustrierend, dass durch die (ganz natürliche) Fluktuation in der Jugendarbeit immer wieder alles in Frage gestellt wird und das Rad immer wieder neu erfunden wird.

Aber bei vielen anderen Gruppierungen (inklusive Pfarrgemeinderat) wird oft gar nichts mehr in Frage gestellt und viele Aktionen sind purer Aktionismus. Das hat dann schon eher Hamsterrad-Charakter.

Ich freue mich über jedes neue Gesicht, weil es bedeutet, dass es vielleicht ein paar neue Impulse gibt.
Autor: Marie
Erstellt: 24. November 2009 - 23:39
Betreff: re: Gemeindeleben oder -trott?
@Lena: "... viele Aktionen sind purer Aktionismus." - Genau das ist auch mein Eindruck.

Da werden Vortragsreihen initiiert, zu denen früher 50 bis 100 Leute kamen. Heute ist es ein Häufchen Aufrechter von manchmal nur fünf Zuhörern. Aber statt dass man etwas an der Veranstaltungsart, der Zielgruppe oder auch nur irgendwas anderes ändert, ärgert man sich bloss regelmäßig darüber, dass nur sowenig Leute da sind, wo doch "das Thema so interessant und wichtig ist".
Autor: pfarrer günter christoph haase
Erstellt: 26. November 2009 - 21:15
Betreff: re: Gemeindeleben oder -trott?
Liebe Marie, einen herzlichen Gruß aus dem Eicsfeld. jemand sagte einmal: "Gemeinde ist das, was wir daraus machen!" Dieser Satz gefällt mir. In unseren drei Gemeinden gibt es auf der einen Seite eine gesunde Routine, aber auf der anderen Seite auch immmer wieder Neues und Wunderbares. man muß nur um den Hl. Geist bitten und nicht blockieren, wenn er dann auch bei uns landen will. Ich freue mich jedenfalls auch über viele junge Neueinsteiger, die ihre Mitverantwortung sehen und nach ihren Möglichkeiten wahrnehmen. Eine gesegnete Adventszeit wünschend, G.Chr. Haase,Pfr.
www.kath-ghf.de
Autor: Marie
Erstellt: 28. November 2009 - 21:24
Betreff: re: Gemeindeleben oder -trott?
@pfarrer günter christoph haase: "Gemeinde ist das, was wir daraus machen!"
Das ist natürlich richtig. Und wir diskutieren hier ja sowieso wieder im eigenen (engen) Kreis.
Wenn wir uns darüber beschweren, dass vieles der gleiche Trott ist, bräuchten wir es ja selbst nur in die Hand zu nehmen und ändern. Das ist aber gar nicht so sehr der Punkt. Denn das tue zumindest ich in meiner Pfarrei.

Schwierig wird es, wenn von anderen sehr viel Zeit und Arbeit in Dinge investiert wird, die so leider nicht mehr funktionieren. Wenn ich solche Veranstaltungen nicht besuche, ist es ein kleiner Dolchstoß für das Vorbereitungsteam, wenn ich sie besuche, komme ich mir vor wie ein Arzt auf einem Begräbnis.
Autor: ursel
Erstellt: 3. Dezember 2009 - 23:24
Betreff: re: Gemeindeleben oder -trott?
@Marie: Ich kann das sehr gut verstehen.
Einerseits möchte man die Vorbereitungsgruppe nicht vor den Kopf stoßen, aber andererseits auch nicht ermutigen einfach so "wie immer" weiterzumachen. Innerhalb der Pfarrei sollte aber eine Atmosphäre sein, wo man soetwas auch ansprechen kann und nicht mit "den Füßen" abstimmen muss.
Autor: Marie
Erstellt: 5. Dezember 2009 - 21:14
Betreff: re: Gemeindeleben oder -trott?
@ursel: Gerade weil ich die Leute nicht vor den Kopf stoßen will, lässt sich das so schwer ansprechen.
Also bin ich dann halt "krank" oder habe einen anderen "wichtigen Termin" ... :-(
Autor: ursel
Erstellt: 7. Dezember 2009 - 22:06
Betreff: re: Gemeindeleben oder -trott?
@Marie: Geht mir ja auch so.
Trotzdem sollte man das ansprechen, sonst ist die Enttäuschung bei den Vorbereitern hinterher umso größer. "Es wollten doch soviele kommen, haben dann aber kurzfristig absagen müssen."
Und wenn es blöd läuft, machen sie weiter wie bisher: "Das war Pech, aber beim nächsten Mal kommen die ja ganz bestimmt."
Autor: annette
Erstellt: 9. Dezember 2009 - 23:02
Betreff: re: Gemeindeleben oder -trott?
Vieles in der Pfarrei läuft seinen Gang.
Gerade mit der Zusammenlegung von Pfarreien (Fusionen oder Pfarrverband) kommt aber wieder Bewegung in die Sache. Man muss sich wieder neu orientieren, bekommt neue Impulse, lernt neue Gesichter kennen. Ich glaube, das wird eine spannende Geschichte.
Autor: Michael
Erstellt: 15. Dezember 2009 - 21:56
Betreff: re: Gemeindeleben oder -trott?
Ich erlebe die aktuelle Entwicklung auch als zwar in der Ursache traurig aber hoffnungsvoll.
Durch die Zusammenlegungen entstehen neue Konstellationen, neue Herangehensweisen an das alte "das machen wir schon immer so". Ich glaube, da bricht etwas auf.
Autor: record
Erstellt: 19. Dezember 2009 - 23:53
Betreff: re: Gemeindeleben oder -trott?
@Michael: Ich glaube auch, dass es einer Gemeinde gut tut, wenn es auch von außen neue Impulse gibt. In dieser Hinsicht sind die aktuellen Zusammenlegungen jeweils das Ende eines Gemeindelebens, in dem auch gleichzeitig der Beginn eines neuen Gemeindelebens steckt.
Autor: Regine
Erstellt: 21. Dezember 2009 - 22:58
Betreff: re: Gemeindeleben oder -trott?
Manchmal tut es gut, wenn man - aus welchen Gründen auch immer - eine zeitlang nicht am Gemeindeleben teilnehmen kann. Entweder es ist den Leuten wichtig, was man organisiert und gestaltet hat, dann findet sich jemand, der es aufrecht erhält oder neu ausfüllt. Oder es ist den Leuten nicht so wichtig, dann ist es absolut in Ordnung, wenn es das nicht mehr gibt.
Es war eine heilsame Erfahrung, mal eine Weile "auszufallen". Für die Gemeinde und für mich.
Es geht auch ohne mich. :-)
Autor: betty
Erstellt: 28. Januar 2010 - 23:03
Betreff: re: Gemeindeleben oder -trott?
Solange es einem selbst Spaß macht, ist es auch okay, wenn es jedes Jahr der selbe Trott ist.
Problematisch wird es, wenn man es nur noch aus Pflichtgefühl für andere macht und dabei gar nicht merkt, dass es weder einem selbst noch irgendjemanden sonst noch was bringt.
Autor: kathi
Erstellt: 2. März 2010 - 9:45
Betreff: re: Gemeindeleben oder -trott?
Seit Urzeiten gab es in unserer Pfarrei dieselben Aktionen und dieselben Leute, die das geleitet haben. Freude haben sie dabei schon lange nicht mehr empfunden, es war das "Pflichtgefühl für andere".
Vor zwei Jahren hatten wir sowohl bei uns, in der katholischen Kirche, als auch in der evangelischen Kirche im Dorf einen Pfarrerwechsel. Innerhalb von wenigen Wochen haben sich die beiden zusammengetan und ALLES neu strukturiert – vom ökumenischen Gemeindebrief bis zu ökumenischen Gottesdiensten und ökumenischen Fahrten. Natürlich gab es anfangs Nörgler, die "ihren" alten Trott wieder haben und nicht einmal im Monat ökumenisch zur Kirche gehen wollten.
Aber ich kann heute sagen, dass der frische Wind dem Gemeindeleben sehr, sehr gut getan hat.
Autor: marcdarcy
Erstellt: 9. März 2010 - 14:55
Betreff: re: Gemeindeleben oder -trott?
@kathi: Kann ich bestätigen. Manchmal helfen nur neue Gesichter. Aber man muss als Gemeindemitglied schon mithelfen, damit sich das "Neue" entwickeln kann.
Autor: markusss
Erstellt: 16. April 2010 - 12:50
Betreff: re: Gemeindeleben oder -trott?
Das kommt ganz auf die Pfarrei an. Ich bin immer wieder in unterschiedlichen Kirchen - und oft hat das einfach so einen biederen Touch. Aber wenn man eine gefunden hat, in der man sich wohl fühlt, wo der Priester auch Humor hat: Dann kann das wie eine zweite Heimat sein
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