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Alle Kategorien > Kirche und Gesellschaft > Amtskirche und Kirchenbasis > Umgang mit sexuellem Missbrauch
Autor: Bohemian
Erstellt: 4. Februar 2010 - 11:29
Betreff: Umgang mit sexuellem Missbrauch
Immer wenn ein Fall von sexuellem Missbrauch in der Kirche aufgedeckt wird, sind die Reaktionen gleich und damit auch vorhersehbar.

Die Kirchengegner schreien auf, dass der Zölibat und eigentlich die gesamte Institution Kirche schuld daran sind, dass soetwas passiert. Es gibt eine pauschalen Rundumschlag zum Thema unglaubwürdige Religion.

Die Mitglieder der Kirche versinken vor Scham in der Schockstarre.

Dass auch ein anderer Umgang möglich ist, zeigt Pater Klaus Mertes, der Rektor des Canisius-Kollegs.
http://www.liborius.de/aktuell/aktuell/missbrauch-in-der-kirche.html

Nach mehreren Gesprächen auch mit Menschen, die der Kirche nicht unbedingt sehr nahe stehen, wurde der offene Umgang mit der Krise sehr positiv bewertet.
Autor: Conny6341
Erstellt: 4. Februar 2010 - 11:34
Betreff: re: Umgang mit sexuellem Missbrauch
Der Umgang sollte Schule machen und tut es anscheinend auch.
Jesuitenprovinzial Stefan Dartmann hat am Dienstagabend bekanntgegeben, dass gegen einen weiteren Pater Missbrauchsvorwürfe vorliegen.

Das führt zwar dazu, dass derzeit noch stärker der Eindruck entsteht, dies sei ein kirchliches oder sogar ein rein katholisches Problem. Aber das ist erstmal auch völlig egal. Es geht nicht um den Schutz der kirchlichen Institutionen oder der Kirche selbst, sondern um den Schutz der Opfer.
Autor: basti
Erstellt: 4. Februar 2010 - 11:36
Betreff: re: Umgang mit sexuellem Missbrauch
Ob sich strukturell so schnell etwas ändern kann, ist sowieso fraglich.
Aber die öffentliche Behandlung des Tabuthemas nimmt wenigstens den Verwurf der Verschleierung.

Ich bin gespannt, was die Vollversammlung der Bischöfe dazu bringt.
Autor: picklock
Erstellt: 6. Februar 2010 - 12:24
Betreff: re: Umgang mit sexuellem Missbrauch
"Seit 1995 mindestens 94 Kleriker und Laien unter Missbrauchsverdacht."
(Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,676278,00.html)

Auch wenn die Zahlen, die jetzt öffentlich werden, ein schlimmes Bild auf die Kirche werfen, wahrscheinlich ist es nur ein Abbild der Gesellschaft. Wenn man an Schulen, Sportvereinen etc. anfragen würde, kämen wahrscheinlich ähnliche Zahlen dabei heraus.

Das macht das Ganze nicht normaler oder erträglicher, aber es gibt der Diskussion eine andere Richtung. Kirchen-Bashing ist zwar schön und gut, aber eigentlich sollte es um den Schutz von Minderjährigen im Abhängigkeitsverhältnis zu Lehrer, Priester, Trainer o. ä. gehen.
Autor: Sigrid
Erstellt: 8. Februar 2010 - 7:09
Betreff: re: Umgang mit sexuellem Missbrauch
Die Strategie, Opfer aufzufordern, sich zu melden, wird natürlich dazu führen, dass sich die Zahl der Opfer die nächsten Tage und Wochen noch erhöht.

Daraus der Kirche jetzt einen Strick zu drehen, ist der falsche Ansatz und führt eventuell dazu, dass beim nächsten Fall wieder versucht wird, alles unter den Teppich zu kehren. Unabhängig von der mehr als erschütternden Faktenlage sollte man die Aufklärungsarbeit als das sehen, was sie ist: Der Versuch, den Opfern zu helfen und die Täter zu belangen.
Autor: Phoebe81
Erstellt: 10. Februar 2010 - 10:22
Betreff: re: Umgang mit sexuellem Missbrauch
Den Zölibat für jeglichen Missbrauch verantwortlich zu machen, wie von vielen Zeitgenossen in Kommentaren zu entsprechenden Artikeln zelbriert, halte ich für falsch.

Trotzdem ist es auffällig, wieviele Missbrauchfälle jetzt weltweit hochgespült werden.
Autor: Gerd
Erstellt: 12. Februar 2010 - 12:05
Betreff: re: Umgang mit sexuellem Missbrauch
@Phoebe81: "Trotzdem ist es auffällig, wieviele Missbrauchfälle jetzt weltweit hochgespült werden."
"Viele" sind es eben nicht.
Wie Marion Krüger-Hundrup in ihrem Kommentar (http://www.liborius.de/aktuell/aktuell/kommentar-zum-spiegel.html) anführt, sind 94 Fälle, die bis jetzt öffentlich geworden sind, von 210.000 polizeilich erfassten Fällen von Kindesmissbrauch ein sehr geringer Prozentsatz.

Niemand möchte diese Fälle wegdiskutieren oder schönreden, aber wahrscheinlich könnte man, wenn man eine entsprechende Auswertung machen würde, genauso herausfinden, dass ein großer Teil der Delikte von Redakteuren oder Reportern begangen worden sind.
Autor: rotkäppchen
Erstellt: 14. Februar 2010 - 10:29
Betreff: re: Umgang mit sexuellem Missbrauch
@Gerd: " ... sind 94 Fälle, die bis jetzt öffentlich geworden sind, von 210.000 polizeilich erfassten Fällen von Kindesmissbrauch ein sehr geringer Prozentsatz."

Das ist richtig. Aber gleichzeitig sind es auch 94 Fälle zuviel.
Es hilft nicht, auf andere zu zeigen und zu sagen, in anderen Berufsgruppen, wie bei Lehrern, Erziehern oder Trainern, wäre die Gefahr genauso groß oder noch größer.

Dis Diskussion greift zu kurz, wenn es eine einseitige Verurteilung der Institution Kirche ist.
Aber die Fälle an sich sind Anklage genug. Und jedes einzelene Opfer verdient es, dass wir uns darüber Gedanken machen, wie wir einen Kindesmissbrauch in Zukunft verhindern können.
Autor: Phoebe81
Erstellt: 17. Februar 2010 - 13:04
Betreff: re: Umgang mit sexuellem Missbrauch
Mixa hat wieder zugeschlagen:
"Die sogenannte sexuelle Revolution, in deren Verlauf von besonders progressiven Moralkritikern auch die Legalisierung von sexuellen Kontakten zwischen Erwachsenen und Minderjährigen gefordert wurde, ist daran sicher nicht unschuldig." (http://www.sueddeutsche.de/,tt5m1/politik/155/503378/text/)

Es ist verblüffend, wie man es immer wieder schaffen kann, eine üble Situation mit einer Aussage noch übler zu machen.
Autor: Raimund Albrecht
Erstellt: 17. Februar 2010 - 13:07
Betreff: re: Umgang mit sexuellem Missbrauch
@Phoebe81: Und die Wellen schlagen hoch.
Das ist doch schon nicht mehr gedankenlos, was der Mann sagt. :-(
Brauchen unsere Kirchenoberen alle noch eine Presse-Training?

Gott sei Dank distanzieren sich kirchliche Organisationen recht deutlich von Mixas Aussagen.
http://www.sueddeutsche.de/politik/212/503435/text/
Autor: luna
Erstellt: 19. Februar 2010 - 23:06
Betreff: re: Umgang mit sexuellem Missbrauch
Es gibt von vielen auch und gerade kirchennahen Seiten gute und ernstzunehmende Aussagen zu den Missbrauchsfällen (siehe z. B. auch http://www.liborius.de/aktuell/aktuell/standpunkte-maerz/missbrauch.html).

Umso merkwürdiger ist es, wenn Bischöfe und andere Kirchenmänner in dieser Situation jegliches Feingefühl vermissen lassen.
Autor: tweety
Erstellt: 21. Februar 2010 - 20:51
Betreff: re: Umgang mit sexuellem Missbrauch
Mixa ist nicht überall.
Es geht auch anders.
Der Hamburger Erzbischof Werner Thissen bezeichnete den Missbrauchsskandal als "Strukturproblem" der Kirche. Der 71-Jährige räumte in der "Frankfurter Rundschau" einen "in unseren Reihen sexuellen Missbrauch in einem erschreckenden Maße" ein. Die Kirche könne jetzt mit aktiver Aufklärung eine Vorreiterrolle einnehmen. Das liege im "eigenen Interesse, denn eine Kirche mit morschem Gebälk hat keinen Bestand", sagte Thissen.

Quelle: http://www.n-tv.de/panorama/Kirche-Weitere-Missbrauchsfaelle-article739302.html
Autor: Philosophus
Erstellt: 23. Februar 2010 - 8:45
Betreff: re: Umgang mit sexuellem Missbrauch
Und auch Erzbischof Robert Zollitsch hat sich im Namen der katholischen Kirche in Deutschland bei allen Opfern für die Missbrauchsfälle in der Kirche entschuldigt.

Aber es geht ja schon weiter: Diesmal in Ettal an einer katholischen "Eliteschule" (http://www.sueddeutsche.de/,tt2m1/bayern/797/504014/text/).
Autor: Sutrebuh
Erstellt: 25. Februar 2010 - 6:38
Betreff: re: Umgang mit sexuellem Missbrauch
Bei allem bisher Gesagtem sind es zwei Dinge, die mich bewegen: 1. bei Aufdecken der Missbrauchsfälle wurde eben nicht konsequent gehandelt. Die Lehrer wurden eben nicht in einen anderen Bereich versetzt, wo sie z.B. keinen täglichen Kontakt mit Minderjährigen haben konnten. Sie wurden anders wohin versetzt, von Berlin nach Hamburg oder umgekehrt. Und 2. zeigt sich bei dieser Gelegenheit eine erschreckende Kirchenfeindlichkeit gerade auch von prominenten Politikern. Ich erinnere an die Papstkritik von Merkel und jetzt von der FDP Politikerin Schnarrenberger.
Autor: Bohemian
Erstellt: 25. Februar 2010 - 9:54
Betreff: re: Umgang mit sexuellem Missbrauch
@Sutrebuh: "... Kirchenfeindlichkeit gerade auch von prominenten Politikern ... jetzt von der FDP Politikerin Schnarrenberger."

Ich denke, da rudern jetzt gerade einige zurück bzw. werden von Kollegen etwas gebremst:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,680154,00.html
Autor: daredevil
Erstellt: 28. Februar 2010 - 17:18
Betreff: re: Umgang mit sexuellem Missbrauch
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Zollitsch hat in einem Interview ein paar richtige Dinge wieder einmal sehr unglücklich formuliert:
"Sexueller Missbrauch von Kindern ist kein spezifisches Problem der katholischen Kirche. Es hat weder etwas mit dem Zölibat zu tun noch mit Homosexualität noch mit der katholischen Sexuallehre. Deshalb brauchen wir auch keinen Runden Tisch speziell für die katholische Kirche". Sollte die Ministerin einen Runden Tisch für alle gesellschaftlich relevanten Gruppen einrichten, werde die Kirche natürlich dabei sein.

Der Spiegel titel jetzt natürlich mit "Erzbischof Zollitsch lehnt Runden Tisch ab".
Wann bekommen Kirchenleute eine PR-Schulung?
Autor: bibiblocksberg
Erstellt: 1. März 2010 - 18:59
Betreff: re: Umgang mit sexuellem Missbrauch
Das ist natürlich Unsinn, dass Zollitsch den Runden Tisch ablehnt
http://www.liborius.de/aktuell/aktuell/missbrauch-faq.html
Es ist furchtbar, dass die Kirche auf diese Weise wieder in solch eine Krise gerät. Zahllose Leute werden austreten, obwohl Missbrauch kein spezifisch katholisches Problem ist und obwohl es gerade Zeiten wie diese sind, in denen die Kirche uns alle braucht - auch als Kritiker "von innen".
Autor: Erzkathole
Erstellt: 5. März 2010 - 18:27
Betreff: re: Umgang mit sexuellem Missbrauch
Für einen Neuanfang ist eine Reinigung des Gedächtnisses absolut notwendig. Darum - alles muss auf den Tisch. Keine Beschönigungen, keine Relativierungen nach dem Motto "anderswo ist es doch viel schlimmer" - Nein. Das Einzige was zählt ist das Eingestehen von Schuld (ist ja ein urkatholischer Zugang). Das Eingeständnis, dass klerikale Allmachtsphantasien zu diesen schrecklichen Dingen geführt haben. Vor allem ist auch gut, dass neben den sexuellen Missbrauchsfällen auch verstärkt die äußerst zahlreichen Fälle von körperlicher Gewalt langsam auf den Tisch kommen. Es ist gut, wenn auch die Bischöfe zusehends einsehen, dass ein offenes, kooperatives Vorgehen der einzig mögliche Weg ist. Mir hat sehr gefallen, wie Kardinal Schönborn heute gesagt hat: Wir waren in der Vergangenheit oft mehr mit den Opfern als mit den Tätern.
Im AT wird das Wirken der Feinde Israels von den Propheten oft als Strafgericht Gottes gegen sein Volk interpretiert. Ich seh das hier ähnlich: Die ganzen Enthüllungen - auch wenn sie von Kirchengegnern kommen - will ich durchaus als Strafgericht Gottes gegen seine Kirche interpretieren (ist ja interessant, dass das alles ausgerechnet im Priesterjahr ausbricht). Nicht um sie zu zerstören, sondern um sie zu reinigen und neu auf Sein Geheimnis auszurichten.
Autor: marcdarcy
Erstellt: 6. März 2010 - 11:26
Betreff: re: Umgang mit sexuellem Missbrauch
Ich zweifele ehrlich gesagt ganz stark daran, ob die kirche dadurch gereinigt wird. ich habe eher die befürchtung, dass es jetzt noch jahre mit enthüllungen und schrecklichen eingeständnissen weitergeht. ist das nur die spitze des eisbergs?
Autor: Erzkatholik
Erstellt: 6. März 2010 - 15:15
Betreff: re: re: Umgang mit sexuellem Missbrauch
Ein wirklich sehr interessanter Kommentar in der Frankfurter Rundschau:

http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/meinung/2388231_Kommentar-Der-Schutzraum-ist-ein-Kaefig.html

Er führt die Diskussion entscheidend weiter, indem nicht der konfessionelle Aspekt ins Zentrum gerückt wird, sondern die Frage, was generell Internatsschulen so anfällig für Missbrauch macht.

Weil das Schlimme an der Sache ist in Wirklichkeit nicht, dass die Kirche in ein schlechtes Licht gerät, sondern dass Menschen zu Opfern werden, ganz gleich ob im katholischen Bereich oder wo anders.
Autor: Erzkatholik
Erstellt: 6. März 2010 - 15:55
Betreff: re: re: Umgang mit sexuellem Missbrauch
Ein wirklich sehr interessanter Kommentar in der Frankfurter Rundschau:

http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/meinung/2388231_Kommentar-Der-Schutzraum-ist-ein-Kaefig.html

Er führt die Diskussion entscheidend weiter, indem nicht der konfessionelle Aspekt ins Zentrum gerückt wird, sondern die Frage, was generell Internatsschulen so anfällig für Missbrauch macht.

Weil das Schlimme an der Sache ist in Wirklichkeit nicht, dass die Kirche in ein schlechtes Licht gerät, sondern dass Menschen zu Opfern werden, ganz gleich ob im katholischen Bereich oder wo anders.
Autor: Herbert S.
Erstellt: 8. März 2010 - 14:49
Betreff: re: Umgang mit sexuellem Missbrauch
Ich bin der Meinung, dass jene Früchte, welche die röm.-katholische Kirche jetzt ernten muss, nur ein sichtbares Zeichen dafür ist, wie sehr sich diese von deren eigentlichen Wurzeln getrennt hat und eigene Wege gegangen ist, bzw. heute noch geht: sie steht nicht mehr im Geiste JESU und wird auch nicht wieder in diesen HEILIGEN GEIST hineinkommen, wenn gerade deren Verantwortlichen nicht tun, was JESUS sagt. Solche Auswüchse und Missstände führen zwangsläufig zu Mißbrauch des dem Menschen von GOTT wieder geschenktem EWIGEN LEBEN, darin der sexuelle Mißbrauch nur ein Mißbrauch von vielen ist und der eigentliche, grundsätzliche Mißbrauch darin wurzelt, dass das WORT GOTTES (und in, mit und durch dieses selbst!!!) für eigene Zwecke missbraucht und ausgeschlachtet wird. Das WORT GOTTES hat sich dem Zeitgeist zu beugen und nicht die Zeit dem WORT GOTTES, vor DEM sich doch alles und jeder beugen soll in allen Zeiten und Generationen.
Es wäre angebracht, sich weniger um die Früchte zu kümmern, als sich vielmehr auf die Wurzel wieder zu besinnen und uns von dieser (wieder einmal mehr) reinigen und erneuern zu lassen.
Das gilt für jeden Menschen: im ganz Besonderen aber die auf den NAMEN JESU hin getauften Menschen und nicht zuletzt vorrangig jenen Menschen, die sich in SEINE NACHFOLGE berufen und erwählt meinen. Dann aber - so ein Johannes - sollen diese auch so leben wie ER gelebt u n d gewirkt hat. ABER bereits hier fehlt es gerade in diesen Reihen am nötigen Glauben. UMKEHR beginnt im Kopf und somit auch im Kopf der Kirche insgesamt: angefangen bei jenen, die von sich sagen an SEINER statt auf Erden zu stehen, bis hin zu jedem, der meint IHM nachzufolgen.....
Das wäre nicht nur ein Neuanfang für Ettal, sondern der apostolischen Kirche insgesamt, die erst ab diesen Zeitpunkt wahrhaft apostolisch wäre. Eigentlich hat "Kirche" noch garnicht angefangen, so dass wir uns nicht wundern müssen, wenn sich nun Chaos an Stelle des REICHES GOTTES offenbart.
Im übrigen sollten sich nun jeder Glaubende nicht um das scheren was die Presse sagt und meint, sondern was JESUS sagt: das EWIGE WORT, welches unveränderbar das WORT wiederolt, das es auch im Fleisch und Blut zu uns gesprochen hat. Ich persönlich erwarte dies von der Kirche und hoffe, dass meine Hoffnung nicht missbraucht wird und sterben muss....
Autor: Hochhutz
Erstellt: 12. März 2010 - 18:51
Betreff: re: re: Umgang mit sexuellem Missbrauch
es geht hier und jetzt darum, die Straftäter zur Rechenschaft zu ziehen.
Die Methode: andere machen das doch auch hilft hier nicht weiter.

Die gesamtgesellschaftliche Situation für das Fehlverhalten von Kirchenmännern verantwortlich zu machen ist unsinnig, denn gerade sie sind es ja, die in Sachen Sexualmoral Handlungsanweisungen erteilen.

Auch die salbungsvollen Worte der Entschuldigung sind unglaubwürdig, wenn nicht eine handfeste finanzielle Entschädigung erfolgt.
Autor: Karl-Heinz
Erstellt: 12. März 2010 - 19:07
Betreff: re: Umgang mit sexuellem Missbrauch
Leider wird die Debatte in den letzten Tagen etwas wirr. Wenn sich jetzt jeder meldet, weil er 1970 eine Ohrfeige erhalten hat, wird das nicht sinnvoll sein. Man bedenke, daß seinerzeit diese Körperstrafe durchaus erlaubt und üblich war. Damit ist die Grenze zum sexuellen Mißbrauch leider unscharf. Will sagen: Körperstrafen sind ein damals übliches Erziehungsmittel gewesen, sie sind aber auch eine sexuelle Spielart. Insofern sollte man genauer schauen.

Ich bin Betroffener, der als Internatsschüler von einem Täter systematisch in den 60er Jahren körperlich bestraft worden ist. Dabei kam es zu keinen sexuellen Handlungen. Aber es war mir klar, daß es dem Täter Lust machte, zuzusehen, wie ich mich quälte. Nur ist es schwer, damit aufzutreten. Jetzt sowieso, denn der Täter ist vermutlich sehr alt oder tot und in meinem täglichen Leben spielen diese Erinnerungen kaum eine Rolle mehr. Ich kann die Geschehnisse von damals schildern. Aber kann man daraus die Intention des Täters sicher feststellen? Selbst meine Frau, die mir glaubt, meint, das alles kann man auch als zeitüblich harte Bestrafung werten, die ihre Narben hinterlassen hat. Jedenfalls hatte ich mit ihr darüber mit etwas zeitlichem Abstand geredet und das tat mir gut.

Der Täter ließ mich für schlechte Noten oder andere, ja, "Vergehen" in seinem Studierzimmer auf Erbsen knien. Dabei hagelte es Ohrfeigen zum Verhör. Die Hauptstrafe gab es auf einer Bank gebunden mit einem Lederriemen aufs nackte Gesäß. Danach verhängte er noch längeres Erbsenknien in der Ecke seines Zimmers mit entblößtem Gesäß, daß man die Striemen sehen konnte. Dieses abschließende Erbsenknien dauerte sehr lange, in dieser Zeit empfing er Besuch - andere Internatsschüler , Kollegen. Er ließ gar nach 17 Uhr seine Tür zum Gang aufstehen, um Aufsicht zu führen. So war ich zusätzlich beschämt, aber meine Bestrafung war damit auch das Selbstverständlichste der Welt. Es war scheinbar damals kein Unrecht. Der Täter war wohl nach den Geschichten der anderen Schüler kein Einzelfall.

Die Debatte heute tut so, als seien die Themen Gewaltekzesse und sexuelle Übergriffe an Schutzbefohlenen nicht bekannt gewesen. Absurd. Jeder Schüler und Lehrer wusste, was in den Einrichtungen passierte. Jeder, der damals nachmittags den Internatsteil betreten hatte, hätte mich sehen können. Persönlich nützen werde ich diese neue, etwas bigotte Aufregung jedenfalls nicht. Finanzielle Ansprüche werde ich nicht stellen.
Autor: Herbert S.
Erstellt: 13. März 2010 - 11:19
Betreff: re: re: Umgang mit sexuellem Missbrauch
Karl-Heinz schrieb:
Leider wird die Debatte in den letzten Tagen etwas wirr. Wenn sich jetzt jeder meldet, weil er 1970 eine Ohrfeige erhalten hat, wird das nicht sinnvoll sein. Man bedenke, daß seinerzeit diese Körperstrafe durchaus erlaubt und üblich war. Damit ist die Grenze zum sexuellen Mißbrauch leider unscharf. Will sagen: Körperstrafen sind ein damals übliches Erziehungsmittel gewesen, sie sind aber auch eine sexuelle Spielart. Insofern sollte man genauer schauen.

Ich bin Betroffener, der als Internatsschüler von einem Täter systematisch in den 60er Jahren körperlich bestraft worden ist. Dabei kam es zu keinen sexuellen Handlungen. Aber es war mir klar, daß es dem Täter Lust machte, zuzusehen, wie ich mich quälte. Nur ist es schwer, damit aufzutreten. Jetzt sowieso, denn der Täter ist vermutlich sehr alt oder tot und in meinem täglichen Leben spielen diese Erinnerungen kaum eine Rolle mehr. Ich kann die Geschehnisse von damals schildern. Aber kann man daraus die Intention des Täters sicher feststellen? Selbst meine Frau, die mir glaubt, meint, das alles kann man auch als zeitüblich harte Bestrafung werten, die ihre Narben hinterlassen hat. Jedenfalls hatte ich mit ihr darüber mit etwas zeitlichem Abstand geredet und das tat mir gut.

Der Täter ließ mich für schlechte Noten oder andere, ja, "Vergehen" in seinem Studierzimmer auf Erbsen knien. Dabei hagelte es Ohrfeigen zum Verhör. Die Hauptstrafe gab es auf einer Bank gebunden mit einem Lederriemen aufs nackte Gesäß. Danach verhängte er noch längeres Erbsenknien in der Ecke seines Zimmers mit entblößtem Gesäß, daß man die Striemen sehen konnte. Dieses abschließende Erbsenknien dauerte sehr lange, in dieser Zeit empfing er Besuch - andere Internatsschüler , Kollegen. Er ließ gar nach 17 Uhr seine Tür zum Gang aufstehen, um Aufsicht zu führen. So war ich zusätzlich beschämt, aber meine Bestrafung war damit auch das Selbstverständlichste der Welt. Es war scheinbar damals kein Unrecht. Der Täter war wohl nach den Geschichten der anderen Schüler kein Einzelfall.

Die Debatte heute tut so, als seien die Themen Gewaltekzesse und sexuelle Übergriffe an Schutzbefohlenen nicht bekannt gewesen. Absurd. Jeder Schüler und Lehrer wusste, was in den Einrichtungen passierte. Jeder, der damals nachmittags den Internatsteil betreten hatte, hätte mich sehen können. Persönlich nützen werde ich diese neue, etwas bigotte Aufregung jedenfalls nicht. Finanzielle Ansprüche werde ich nicht stellen.


Ich hoffe und wünsche mir, dass es hier zur Vergebung kommt, bzw. bereits gekommen ist, wie auch zu einer inneren und ganz persönlichen Versöhnung: auch wenn es Überwindung kostet.
Ich denke, dass diese Vorfälle zeigen, zu welchen Veranlagungen der Mensch insgesamt neigen kann und auch neigt, wie wir es täglich erfahren und dies nicht nur in unseren Internaten, Kasernen und sogar in unserer Nachbarschaft usw. geschieht und so langsam ans Tageslicht kommt. Das ist das eigentlich erschreckende an dieser Situation, welches sogar noch getopt werden kann, wenn wir uns vor Augen halten, in welchem Alter mit solchen Entwürdigungen angefangen wird. Ich meine, dass der Mensch an sich versagt hat, so dass es soweit gekommen ist. Wir ernten heute nur die Früchte dieses Versagens.
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