Autor: baker
Erstellt: 7. November 2009 - 22:02
Betreff: Kruzifix-Urteil
"Mit heiligem Zorn reagieren Katholiken auf ein Straßburger Urteil, das Kruzifixe aus Italiens Klassenräumen verbannt. Durch Bayerns CSU gellt ein Aufschrei. Katholiken sehen sich diskriminiert, betonen die Bedeutung des Kreuzes für ihre Religion - und zeigen so, wie richtig die Richter liegen."
Quelle: http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,659297,00.html
Wow.
Ich bin echt überrascht. Dieses Urteil mobilisiert Menschen. Soviel wurde schon lange nicht mehr über unsere christliche Kultur diskutiert.
Quelle: http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,659297,00.html
Wow.
Ich bin echt überrascht. Dieses Urteil mobilisiert Menschen. Soviel wurde schon lange nicht mehr über unsere christliche Kultur diskutiert.
Autor: FarmersWife
Erstellt: 7. November 2009 - 22:08
Betreff: re: Kruzifix-Urteil
Die Diskussion geht ja auch vollkommen (wie so oft) am Kern der Sache vorbei.
Im Grunde ist das Hauptthema die Idee der "Leitkultur", d. h. darf eine soziale, religiöse oder sonstige Weltanschauung eine Richtung vorgeben, weil sie die Mehrheit hinter sich hat - oder gilt nur das politisch-rechtliche Regelwerk? Muss die Mehrheit für Minderheiten zurückstehen oder müssen sich Minderheiten an der Mehrheit orientieren?
Im Grunde ist das Hauptthema die Idee der "Leitkultur", d. h. darf eine soziale, religiöse oder sonstige Weltanschauung eine Richtung vorgeben, weil sie die Mehrheit hinter sich hat - oder gilt nur das politisch-rechtliche Regelwerk? Muss die Mehrheit für Minderheiten zurückstehen oder müssen sich Minderheiten an der Mehrheit orientieren?
Autor: annette
Erstellt: 7. November 2009 - 22:13
Betreff: re: Kruzifix-Urteil
Autor: dietzel
Erstellt: 7. November 2009 - 22:15
Betreff: re: Kruzifix-Urteil
Es ist doch gut, wenn sich die Menschen mit dem Symbol unseres Glaubens auseinandersetzen.
Warum hat diese Symbol einen besonderen Stellenwert?
Warum gerade in der Erziehung, Bildung und Ausbildung?
Stehen wir noch zu diesem Symbol?
Ist es ein religiöses Symbol oder ein kulturelles?
Was macht den Unterschied aus?
...
Warum hat diese Symbol einen besonderen Stellenwert?
Warum gerade in der Erziehung, Bildung und Ausbildung?
Stehen wir noch zu diesem Symbol?
Ist es ein religiöses Symbol oder ein kulturelles?
Was macht den Unterschied aus?
...
Autor: Jessi
Erstellt: 7. November 2009 - 22:23
Betreff: re: Kruzifix-Urteil
"Während der Vatikan selbst zunächst noch keine Position bezog, sagte Monsignore Vincenza Paglia von der italienischen Bischofskonferenz, das Kruzifix habe auch kulturelle und erzieherische Funktion."
http://www.zeit.de/gesellschaft/2009-11/urteil-kreuze-eugh
Antwort eines Lesers:
"Einem Marter-, Folter-, Hinrichtungsinstrument, dem Kreuz, eine "kulturelle und erzieherische Funktion" zuzuweisen, bringt das Menschenbild des Sprechers und jenes der Institution, die er vertritt, ans Licht. Und das ist gut so."
Antwort eines anderen Lesers darauf :
"Ob nicht der auferstandene Christus ein besseres Symbol wäre, könnte man durchaus fragen."
Es kommen richtig intelligente Diskussionen auf.
http://www.zeit.de/gesellschaft/2009-11/urteil-kreuze-eugh
Antwort eines Lesers:
"Einem Marter-, Folter-, Hinrichtungsinstrument, dem Kreuz, eine "kulturelle und erzieherische Funktion" zuzuweisen, bringt das Menschenbild des Sprechers und jenes der Institution, die er vertritt, ans Licht. Und das ist gut so."
Antwort eines anderen Lesers darauf :
"Ob nicht der auferstandene Christus ein besseres Symbol wäre, könnte man durchaus fragen."
Es kommen richtig intelligente Diskussionen auf.
Autor: Luna
Erstellt: 9. November 2009 - 20:31
Betreff: re: Kruzifix-Urteil
@Jessi: Ich kann mich aus meiner Grundschulzeit an ein Kind erinnern, das echt Angst hatte, als es das erste Mal ein Kruzifix an der Wand sah (eins mit Christus dran, nicht das rein stilisierte Kreuz). Ist ja im Grunde auch beängstigend.
Beängstigend finde ich auch die Selbstverständlichkeit mit der manche Leute das Kreuz in Klassenzimmern (Gerichts- und sonstigen Amtsräumen) fordern, gleichzeitig aber gegen eine Lehrerin mit Kopftuch wettern. Sorry, aber das ist einfach inkonsequent! Ja, das Kreuz ist (ein) Symbol meines Glaubens. Aber woher wird da das Recht genommen, es einfach für alle Leute gelten zu lassen? Bayerns CSU und der Vatikan sind - wieder mal - nicht in der Realität des Jahres 2009 angekommen. Fakt ist, dass es ganz ganz viele Menschen in Deutschland/Europa/der Welt gibt, die mit diesem Symbol nichts anfangen können, nicht nur Menschen anderen Glaubens.
Und das Kreuz als Symbol unserer Kultur, Gesellschaft und unserer Werte als Gesellschaft anzusehen, geht einfach zu weit. Dafür ist das Kreuz einfach schon zu oft als Symbol missbraucht worden - in der Vergangenheit und auch in der Gegenwart.
Beängstigend finde ich auch die Selbstverständlichkeit mit der manche Leute das Kreuz in Klassenzimmern (Gerichts- und sonstigen Amtsräumen) fordern, gleichzeitig aber gegen eine Lehrerin mit Kopftuch wettern. Sorry, aber das ist einfach inkonsequent! Ja, das Kreuz ist (ein) Symbol meines Glaubens. Aber woher wird da das Recht genommen, es einfach für alle Leute gelten zu lassen? Bayerns CSU und der Vatikan sind - wieder mal - nicht in der Realität des Jahres 2009 angekommen. Fakt ist, dass es ganz ganz viele Menschen in Deutschland/Europa/der Welt gibt, die mit diesem Symbol nichts anfangen können, nicht nur Menschen anderen Glaubens.
Und das Kreuz als Symbol unserer Kultur, Gesellschaft und unserer Werte als Gesellschaft anzusehen, geht einfach zu weit. Dafür ist das Kreuz einfach schon zu oft als Symbol missbraucht worden - in der Vergangenheit und auch in der Gegenwart.
Autor: ice99
Erstellt: 13. November 2009 - 22:01
Betreff: re: Kruzifix-Urteil
Ein gut befreundeter Pfarrer spricht seit längerem vom Kreuz als einem "durch die Auferstehung umgedeuteten Pluszeichen für unser Leben".
Damit kann ich sehr viel mehr anfangen als mit einem Hinrichtungssymbol.
Dieses "Pluszeichen" kann für mich auch als ein "kulturelles" Symbol stehen, als ein hoffnungsfrohes Zeichen für alle (!) Menschen. Zwar aus der christlichen Tradition kommend, aber nicht nur ein Symbol für Christen. So würde ein Schuh draus.
Damit kann ich sehr viel mehr anfangen als mit einem Hinrichtungssymbol.
Dieses "Pluszeichen" kann für mich auch als ein "kulturelles" Symbol stehen, als ein hoffnungsfrohes Zeichen für alle (!) Menschen. Zwar aus der christlichen Tradition kommend, aber nicht nur ein Symbol für Christen. So würde ein Schuh draus.
Autor: marcdarcy
Erstellt: 9. März 2010 - 14:34
Betreff: re: Kruzifix-Urteil
Autor: Herbert S.
Erstellt: 9. März 2010 - 21:39
Betreff: re: Kruzifix-Urteil
Der Christ regt sich auf über ein Kruzifix-Urteil, ist aber selbst nicht bereit den Weg des Kreuzes zu gehen: Ungerechtigkeiten, so wie JESUS über sich ergehen zu lassen, Schläge einzustecken und für jenen, der schlägt zu beten und zu bitten...... alles zu (er-)tragen um SEINETWILLEN, weil auch ER es getan hat und uns somit vorangegangen ist.....
Ist somit der Gekreuzigte nicht schon längst in den Köpfen auch des Christen verschwunden und das Verschwinden aus den Klassenzimmern und Amtsstuben nur ein Zeichen dafür, dass SEIN Weg für uns von uns allen nicht gewollt ist und aus unserem Leben verbannt wird? Was regt sich der Christenmensch also über ein Symbol auf, das eben genau das symbolisiert (durch das Verbannen), was schon längst auch im Leben eines Christen geschehen ist, darin auch dieser vor dem (eigenen) Kreuze flieht und nach seiner eigenen Gerechtigkeit sucht?.......
Ist somit der Gekreuzigte nicht schon längst in den Köpfen auch des Christen verschwunden und das Verschwinden aus den Klassenzimmern und Amtsstuben nur ein Zeichen dafür, dass SEIN Weg für uns von uns allen nicht gewollt ist und aus unserem Leben verbannt wird? Was regt sich der Christenmensch also über ein Symbol auf, das eben genau das symbolisiert (durch das Verbannen), was schon längst auch im Leben eines Christen geschehen ist, darin auch dieser vor dem (eigenen) Kreuze flieht und nach seiner eigenen Gerechtigkeit sucht?.......
Autor: Lucky Luke
Erstellt: 25. März 2010 - 13:37
Betreff: re: re: Kruzifix-Urteil
Herbert S. schrieb:
Der Christ regt sich auf über ein Kruzifix-Urteil, ist aber selbst nicht bereit den Weg des Kreuzes zu gehen: Ungerechtigkeiten, so wie JESUS über sich ergehen zu lassen, Schläge einzustecken und für jenen, der schlägt zu beten und zu bitten...... alles zu (er-)tragen um SEINETWILLEN, weil auch ER es getan hat und uns somit vorangegangen ist.....
Ist somit der Gekreuzigte nicht schon längst in den Köpfen auch des Christen verschwunden und das Verschwinden aus den Klassenzimmern und Amtsstuben nur ein Zeichen dafür, dass SEIN Weg für uns von uns allen nicht gewollt ist und aus unserem Leben verbannt wird? Was regt sich der Christenmensch also über ein Symbol auf, das eben genau das symbolisiert (durch das Verbannen), was schon längst auch im Leben eines Christen geschehen ist, darin auch dieser vor dem (eigenen) Kreuze flieht und nach seiner eigenen Gerechtigkeit sucht?.......
Ist somit der Gekreuzigte nicht schon längst in den Köpfen auch des Christen verschwunden und das Verschwinden aus den Klassenzimmern und Amtsstuben nur ein Zeichen dafür, dass SEIN Weg für uns von uns allen nicht gewollt ist und aus unserem Leben verbannt wird? Was regt sich der Christenmensch also über ein Symbol auf, das eben genau das symbolisiert (durch das Verbannen), was schon längst auch im Leben eines Christen geschehen ist, darin auch dieser vor dem (eigenen) Kreuze flieht und nach seiner eigenen Gerechtigkeit sucht?.......
Ich bezweifle Stark, dass uns das Kreuz dazu auffordern soll zu Märtyrern zu werden. Den "Weg des Kreuzes gehen" halte ich nicht nur in diesem Zusammenhang für einen völlig unpassenden Gedankenanstoß. Das Kreuz ist nicht aus den Klassenzimmern verbannt worden, weil der Sinn des Kreuzes ist, Jesus alles nachzumachen. Das ist auch denke ich grade nicht im Sinne von Jesus, denn das Kreuz hat er für uns getragen.
So jetzt meine Meinung:
Dass sich viele Menschen, aus welchen Gründen auch immer, heute mit dem Kreuz nicht (mehr) identifizieren können, muss man akzeptieren. Was ich nicht verstehe ist, warum sich diejenigen, die es nicht können daran stören, dass es da hängt. Das ist so ähnlich als ob man fordern würde Kirchen abzureißen, weil die Mehrheit der Bevölkerung nicht mehr glaubt. Ein Symbol sollte nur verbannt werden wenn es beleidigt oder verletzt. Beim Kreuz kann man dass nicht nachvollziehen. Auch als nicht-Gläubiger würde ich in irgendeinem Amtszimmer aus ästhetischen Gründen eher über kitschige Fensterbilder und verstaubte Gummibäume und anderen Nippes aufregen als über das Kreuz. Kommt irgendwann eine Regel, die sagt dass auf Amtsschreibtischen keine Diddelmauslandschaften entstehen dürfen? Die nerven mich nämlich, wenn ich zum Beispiel meinen Perso verlängern muss.
Autor: rose
Erstellt: 5. April 2010 - 19:14
Betreff: re: Kruzifix-Urteil
Autor: Rosi N.
Erstellt: 3. Mai 2010 - 10:19
Betreff: re: re: Kruzifix-Urteil
@Luna: Genau dieses Verständnis des Kreuzes - als etwas Beängistendes - ist ja falsch. Die Überbetonung des Leides hat zwar im Christentum in der Vergangenheit leider eine Rolle gespielt. Aber sie ist nicht das, worum es wirklich geht: Es geht ja gerade um die Überwindung davon. Es geht um Liebe, um Hingabe. Das sagt das Kreuz.
Autor: FranzvPaul
Erstellt: 10. Mai 2010 - 15:21
Betreff: re: Kruzifix-Urteil
> @Luna: Genau dieses Verständnis des Kreuzes - als etwas Beängistendes - ist ja falsch.
Ich plädiere zwar inständig dafür, die Kinder in der Schule zu so viel Toleranz zu erziehen, daß sie die religiösen Symbole anderer Religionen nicht als feindselig betrachten - aber solange es fanatische Menschen in Deutschland gibt, die unter dem "christlichen Vorwand" die Muslime hinausjagen möchten, weil sie Angst vor ihnen und ihrer Überzahl haben, ist dieses Ansinnen (auf Toleranz der Muslime) undenkbar.
PRO-NRW ist ein trauriges Beispiel dafür.
Das Kreuz an der Wand in der Schule ist für die "Türkenkinder" beängstigend.
Ich plädiere zwar inständig dafür, die Kinder in der Schule zu so viel Toleranz zu erziehen, daß sie die religiösen Symbole anderer Religionen nicht als feindselig betrachten - aber solange es fanatische Menschen in Deutschland gibt, die unter dem "christlichen Vorwand" die Muslime hinausjagen möchten, weil sie Angst vor ihnen und ihrer Überzahl haben, ist dieses Ansinnen (auf Toleranz der Muslime) undenkbar.
PRO-NRW ist ein trauriges Beispiel dafür.
Das Kreuz an der Wand in der Schule ist für die "Türkenkinder" beängstigend.










































