Autor: Julia Walker
Erstellt: 27. November 2009 - 16:32
Betreff: Hat Sarrazin Recht?
Eine echte Diskussionskultur braucht nicht einen wie Sarrazin. Seine Polemik behindert den eher schon zögerlichen Integrationsprozess und würdigt die Leistung der gut integrierten Bürger herab. In der echten Integrationsdebatte muss ihr Anspruch über seine Vorurteile und Klischees hinausgehen. Die Probleme sind ernst und gehen alle an, die Deutschen ebenso wie die Ausländer. Die Einwanderung ist nicht automatisch eine Bereicherung und die Multikulti-Gesellschaft kein Selbstläufer.
Autor: ice99
Erstellt: 28. November 2009 - 20:59
Betreff: re: Hat Sarrazin Recht?
@Julia Walker: "Eine echte Diskussionskultur ..."
Was ist eine "echte" Diskussionskultur?
Wir haben in Deutschland eine Pseudo-Diskussionskultur. Diskussionen werden um das Thema herum geführt. In einem Schüleraufsatz wären die meisten solcher Diskussionen mit "Themaverfehlung" und einem "ungenügend" zu benoten.
Ob Sarrazins Aussagen als Polemik einzustufen sind, hängt wieder einmal davon ab, ob man seine Aussagen aus dem Kontext reißt. Die "Vorurteile und Klischees" sind leider durch Zahlen und Fakten gestützt.
Das ist eben die Pseudo-Diskussionskultur in Deutschland. Man diskutiert nicht über die Fakten, die Sarrazin anspricht, sondern ob man die Fakten in dieser Form ansprechen darf - und diskutiert nur noch darüber. Die Fakten werden nicht diskutiert. :-(
Was ist eine "echte" Diskussionskultur?
Wir haben in Deutschland eine Pseudo-Diskussionskultur. Diskussionen werden um das Thema herum geführt. In einem Schüleraufsatz wären die meisten solcher Diskussionen mit "Themaverfehlung" und einem "ungenügend" zu benoten.
Ob Sarrazins Aussagen als Polemik einzustufen sind, hängt wieder einmal davon ab, ob man seine Aussagen aus dem Kontext reißt. Die "Vorurteile und Klischees" sind leider durch Zahlen und Fakten gestützt.
Das ist eben die Pseudo-Diskussionskultur in Deutschland. Man diskutiert nicht über die Fakten, die Sarrazin anspricht, sondern ob man die Fakten in dieser Form ansprechen darf - und diskutiert nur noch darüber. Die Fakten werden nicht diskutiert. :-(
Autor: Tigerfisch
Erstellt: 26. Januar 2010 - 9:45
Betreff: re: Hat Sarrazin Recht?
@ice99: "Die Fakten werden nicht diskutiert."
Fast 20 Prozent der in Deutschland lebenden Menschen haben einen Migrationshintergrund; Tendenz steigend, da diese Bevölkerungsgruppe ein Drittel aller hierzulande geborenen Kinder bekommt.
Die schlechteste Integration laut Zuwanderungsstudie des Berlin-Institus haben Menschen mit türkischem Migrationshintergrund. Früher hatte man gehofft, dass sich der Integrationsgrad von Generation zu Generation erhöht. Aber durch den häufigen Fall, dass ein hier lebender Türke eine Frau aus der Türkei heiratet, fällt man immer wieder auf den Integrationsgrad der ersten Generation zurück.
Es gibt viele Menschen, die ganz selbstverständlich in unsere Gesellschaft integriert sind.
Aber leider gibt es auch viele Menschen, die gar keine Integration wollen und sich in einer Parallelgesellschaft ganz gut einrichten.
Das darf nicht nur diskutiert werden, das muss diskutiert werden.
Fast 20 Prozent der in Deutschland lebenden Menschen haben einen Migrationshintergrund; Tendenz steigend, da diese Bevölkerungsgruppe ein Drittel aller hierzulande geborenen Kinder bekommt.
Die schlechteste Integration laut Zuwanderungsstudie des Berlin-Institus haben Menschen mit türkischem Migrationshintergrund. Früher hatte man gehofft, dass sich der Integrationsgrad von Generation zu Generation erhöht. Aber durch den häufigen Fall, dass ein hier lebender Türke eine Frau aus der Türkei heiratet, fällt man immer wieder auf den Integrationsgrad der ersten Generation zurück.
Es gibt viele Menschen, die ganz selbstverständlich in unsere Gesellschaft integriert sind.
Aber leider gibt es auch viele Menschen, die gar keine Integration wollen und sich in einer Parallelgesellschaft ganz gut einrichten.
Das darf nicht nur diskutiert werden, das muss diskutiert werden.
Autor: Hans Werth
Erstellt: 28. Januar 2010 - 2:21
Betreff: re: Hat Sarrazin Recht?
Sarrazin hat keinesfalls recht, weder ist die Tonart akzeptabel, eben so wenig stimmen seine Vergleiche und die meisten "Fakten" auch nicht. Das gilt auch für die Verzerrungen des Berliner Instituts vor Jahresfrist. Primär entscheidend ist die Frage, wie gehen wir miteinander um. "Nicht anerkennen" das war schon mal ein Programm im unseligen Deutschland und deshalb haben solche Bemerkungen ihre "Unschuld" verloren. Sarrazin sagt selbst am Ende des Interviews "die Medien lieben Krach". Wer also nur mit Krach Auflage und Aufmerksamkeit anstrebt, was sowohl für Interviewer wie Interviewten zutrifft, verlässt den demokratischen Diskurs, wenn er dabei ethnische Gruppen gegeneinander setzt. Gesellschaftliche Integrationsmängel gibt es sowohl bei Inländern und bei Migranten. Integration ist keine Bringschuld wie S. meint, sondern ein Prozess mit allen Beteiligten, die im Aufnahmeland leben. Die Weltpresse reagierte mit der Wiederbelebung des Deutschen unseliger Zeit, obwohl fast alle Länder erhebliche Defizite in Sachen Migration haben. Die Mängel vorurteilsfrei und verbindlich in der Wortwahl zu benennen, entzieht gleichzeitig der Ausrede "weil die uns nicht wollen, wollen wir auch nicht" den Boden. Was ist das für eine Gastfreundschaft, die mit Beschimpfung und schäbigen Worten beginnt und das gegenüber Menschen, von denen die meisten viel für Deutschland gearbeitet haben. Im Übrigen zeigen neuere Zahlen langsame aber stetige verbesserte Integration in den jüngsten Generationen. Wer weder das vollständige Interview noch die "Studie" im Original kennt, kann beides im Internet finden, ebenso die Kritik dazu unter meinem o.g. Namen. Miteinander und nicht übereinander reden fördert die Integration.
Autor: Tigerfisch
Erstellt: 28. Januar 2010 - 23:11
Betreff: re: Hat Sarrazin Recht?
@Hans Werth: "Miteinander und nicht übereinander reden fördert die Integration."
Ein sehr wahrer Satz.
Trotzdem muss es erlaubt sein, über die Faktenlage zu diskutieren, ohne dass man sofort in eine rechte Ecke gestellt wird. Dass wie immer der Ton die Musik macht, ist die andere Seite.
Ein sehr wahrer Satz.
Trotzdem muss es erlaubt sein, über die Faktenlage zu diskutieren, ohne dass man sofort in eine rechte Ecke gestellt wird. Dass wie immer der Ton die Musik macht, ist die andere Seite.










































