München (KNA) Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller hat das katholische Amtsverständnis verteidigt. Er wies am Samstag auf dem Ökumenischen Kirchentag in München den Vorwurf zurück, wonach Laien in der katholischen Kirche keine Mitsprache hätten. «Auch im katholischen Sinne gibt es das Verständnis vom allgemeinen Priestertum», so Müller, der in der Bischofskonferenz für Ökumenefragen zuständig ist. Zudem könnten unterschiedliche Laiengremien bei der Gestaltung der Kirche mitwirken. Zugleich verwies der Bischof auf die besondere Bedeutung des mit der Weihe verbundenen Amtes.
Der Braunschweiger Landesbischof Friedrich Weber zeigte sich enttäuscht, dass aus den Debatten um das Amtsverständnis so große Probleme für die gesamte Annäherung der Kirchen erwüchsen. «Es ka nn doch eigentlich nicht sein, dass ein theologisch so nachrangiges Thema so zentrale Bedeutung erhält und wichtige Verständigung verhindert.» Selbst auf katholischer Seite habe das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) festgehalten, dass die Ausgestaltung der Ämter nur eine nachgeordnete organisatorische Frage sei.
Der evangelische Theologe Gunther Wenz bezeichnete die Unterschiede im Amtsverständnis als größtes Hindernis im ökumenischen Prozess. Deshalb müssten die Kirchen alles daran setzen, hier eine verbindliche und belastbare Einigung herbeizuführen. Dagegen halte er eine gemeinsame katholisch-evangelische Erklärung zum Abendmahl schon bald für möglich.