Berlin (KNA) In der aktuellen Integrationsdebatte nimmt CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe die muslimischen Verbände in die Pflicht. In einem am Freitag veröffentlichten Gastbeitrag für «FOCUS Online» forderte er sie auf, bestimmten Traditionen «erkennbar gegenzusteuern». Das gelte etwa, wenn «religiöse Traditionen zu Männlichkeitsvorstellungen führen, die mit dem Gleichberechtigungsgebot des Grundgesetzes unvereinbar sind, oder wenn religiös oder nationalistisch gestützte Vorstellungen von Ehre die Gewaltbereitschaft männlicher Jugendlicher fördern».
Es dürfe die muslimischen Verbände nicht gleichgültig lassen, «dass gläubige muslimische Jugendliche in Deutschland deutlich gewaltbereiter sind als andere Migranten», fügt Gröhe unter Berufung auf wissenschaftliche Studien hinzu. Es führe dann auch nicht weiter, wenn Repräsentanten der Muslime solche Erkenntnisse mit der Klage über eine anwachsende Islamophobie im Westen beantworteten. «Denn die berechtigte Ablehnung fragwürdiger Verallgemeinerungen darf nicht zum Verschweigen unangenehmer Fakten führen.»
Der CDU-Generalsekretär räumte ein, dass bei der Integration «bei Weitem» nicht alles in Ordnung sei. «Nachholende Integration ist ein mühsames Geschäft, das Zeit braucht.» Allerdings dürfe man Erfolge auch nicht kleinreden.
Der Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln, Heinz Buschkowsky (SPD), sprach sich unterdessen für finanzielle Sanktionen für integrationsunwillige Zuwanderer aus. Die Gesellschaft dürfe auch ungewöhnliche Schritte gehen, wenn es den Kindern der Migranten helfe, sagte er dem Berliner «Tagesspiegel». Buschkowsky bezog sich auf ein von der Zeitung in Auftrag gegebenes Gutachten. Danach kann der Staat den Kindern statt finanzieller Förderung auch Sachleistungen gewähren. Auch eine Umwidmung von Kindergeld sei möglich.
Buschkowsky plädierte dafür, das Kindergeld nur zur Hälfte auszuzahlen. Die andere Hälfte könne direkt in die Bildungseinrichtungen gehen. Zudem müsse es eine Kindergartenpflicht und flächendeckend Ganztagsschulen geben. Der Bezirksbürgermeister verwies auf eine Studie, nach der die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Gymnasiumbesuchs steigt, wenn Kinder bildungsferner Familien zuvor in einer Krippe waren.
Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) sprach sich in einem Interview in derselben Zeitung jedoch gegen eine Krippenpflicht aus. Kinder unter drei Jahren zwangsweise in staatliche Betreuung zu geben, wäre ein krasser Eingriff in die elterliche Erziehungsverantwortung. Mit ihrem Demokratieverständnis sei ein solcher Schritt nicht vereinbar.