München (KNA) Zehn Jahre nach Vereinbarung der Millenniums-Entwicklungsziele (Termin: 6. September) zieht Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga eine ernüchterte Bilanz. «Anstatt dass die Armut vermindert worden wäre, ist sie in den vergangenen zwei Jahren im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise noch größer geworden», kritisierte der Präsident von Caritas Internationalis im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Den Industrieländern warf der Kardinal vor, falsche Prioritäten zu setzen.
«Mit sehr viel Geld werden die Banken saniert, aber für die Bekämpfung des Welthungers fehlen die Mittel», erläuterte der Kardinal. Das seien die Widersprüche der Welt von heute. «Und es macht mich wirklich traurig, dass in dieser wirtschaftlich schwierigen Situation wieder vor allem auf Kosten der Armen gespart wird.»
Umgekehrt nahm Rodriguez auch die Entwicklungsländer in die Verantwortung; dort sei Korruption eines der größten Probleme. «Wir haben mit den Geberländern gesprochen, warum die Hilfe immer von Regierung zu Regierung fließen muss. Manche sind einfach nicht in der Lage, damit transparent umzugehen. Eine Million Euro, die der Caritas gegeben wird, erreicht viel mehr als 100 Millionen Euro, die über die Regierung vermittelt werden.»
Mit Blick auf die UN-Bilanzkonferenz vom 20. bis 22. September in New York äußerte Rodriguez geringe Erwartungen. Es werde «bestimmt viel darüber gesprochen werden, wer schuld an der Krise ist. Aber ich rechne nicht damit, dass es zu sichtbaren Fortschritten kommt.»
Im Jahr 2000 hatten 189 Staaten die sogenannte UN-Millenniumserklärung unterzeichnet. Oberstes Ziel der daraus abgeleiteten Millenniumsziele ist die Halbierung der weltweiten Armut bis 2015. Insgesamt haben sich die Vereinten Nationen auf acht Ziele verpflichtet. Hierzu zählen unter anderem die Halbierung von Armut und Hunger, Bildung für alle und die Senkung der Kinder- und Müttersterblichkeit.