München (KNA) Zum ersten Todestag von Dominik Brunner wollen die christlichen Kirchen am 12. September auf dem Münchner S-Bahnhof Solln ein Erinnerungskreuz errichten. Mit einer ökumenischen Andacht wollten sich die örtlichen Kirchenvertreter der Herausforderung stellen, Andachts- und Tatort miteinander zu verbinden, teilte der evangelische Pfarrer Andreas Rickerl am Donnerstag mit. Das Kreuz solle am Bahnsteig solange stehen bleiben, bis über anderweitige Formen einer Gedenkstätte entschieden sei, erklärte Rickerl auf Nachfrage.
Brunner war am 12. September 2009 nach einer gewaltsamen Auseinandersetzung mit zwei Jugendlichen ums Leben gekommen. Der 50-jährige Geschäftsmann hatte mehrere Minderjährige vor einem Erpressungsversuch durch die Täter in Schutz genommen. Das Urteil gegen die damals 17- und 18-jährigen Haupttäter soll am 6. September gesprochen werden. Vier Tage nach der Bluttat versammelten sich mehr als 1.000 Christen bei einer Andacht neben dem S-Bahnhof. Der öffentliche Nahverkehr in München ruhte für eine Minute.
Das Verbrechen löste eine bundesweite Debatte über die Bedeutung von Zivilcourage und das Problem von Jugendgewalt aus. Brunner erhielt posthum das Bundesverdienstkreuz. Eine nach ihm benannte Stiftung engagiert sich seither mit verschiedenen Projekten für die Stärkung von Werten wie Bürgersinn, Nächstenliebe und Zivilcourage.
Im Zuge des Prozesses stellte sich heraus, dass Brunner im Streit mit den Jugendlichen zuerst zugeschlagen hatte und überdies an einem nicht erkannten Herzfehler litt. Die Staatsanwaltschaft erhält den Mordvorwurf nur noch gegen einen der geständigen Täter aufrecht. Deren Verteidiger drängen angesichts dieser Umstände auf mildere Strafen.