Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Einzelansicht
Freiburg (KNA) Erzbischof Robert Zollitsch ist nach Überzeugung des Freiburger Kirchenrechtlers Georg Bier für die Seelsorge in der Kloster- und Wallfahrtskirche Birnau «niemals zuständig gewesen, weder als Personalreferent noch als Erzbischof». Mit Blick auf den Vorwurf der Beihilfe zum sexuellen Missbrauch gegen Zollitsch sagte Bier am Donnerstag auf Anfrage, die österreichische Zisterzienserabtei Wettingen-Mehrerau samt dem Priorat Birnau und den dazugehörigen Pfarreien sei rechtlich völlig selbstständig. Der Einsatz von Personal in diesen Pfarrgemeinden sei Sache des Abts.
Die Organisationsform der sogenannten Territorialabtei, die für Wettingen-Mehrerau gilt, stellt laut Bier kirchenrechtlich eine Ausnahmestruktur dar. Weltweit gebe es nur ein gutes Dutzend solcher Exklaven innerhalb eines Bistums. Die Entstehungsgeschichte solcher Territorialabteien reiche meist bis ins Mittelalter zurück.
Das Verhalten der Freiburger Staatsanwaltschaft, die die Anzeigenerstattung gegen Zollitsch öffentlich bestätigt hatte, nannte Bier «irritierend». In einem solch frühen Stadium solle eine Staatsanwaltschaft nicht an die Öffentlichkeit gehen. Allerdings habe in der derzeitigen Situation «jeder Angst, bei einem Missbrauchsvorwurf zu spät zu handeln», weil etwas «an einem selbst hängen bleiben könnte». Ungeprüfte Missbrauchsvorwürfe seien problematisch, weil ein Betroffener auch dann beschädigt werde, wenn sich später herausstelle, dass alles frei erfunden sei.