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09.08.10 18:05

Kolping International: Vorwürfe aus Paraguay sind haltlos

 

Köln (KNA) Im Streit um eine Veruntreuung von Fördermitteln bei Hilfsprojekten in Paraguay hat Kolping International alle Vorwürfe zurückgewiesen. Der in Köln ansässige Trägerverein für internationale Projekte, die «Sozial- und Entwicklungshilfe des Kolpingwerkes» (SEK), habe den Bau eines Berufsbildungszentrums in der Stadt Fernando de la Mora mit seinen Außenstationen ordnungsgemäß abgerechnet und habe dafür auch Testate unabhängiger und vereidigter Wirtschaftsprüfer erhalten, teilte der katholische Verband am Montag auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Köln mit. Die Aufklärung etwaiger Vorwürfe sei nicht behindert worden.

Kolping begrüßte zugleich die vom Entwicklungshilfeministerium (BMZ) in Berlin für Mitte August angesetzte Sonderprüfung in Köln und Paraguay. «Der SEK ist überzeugt, dass sich die Vorwürfe als haltlos erweisen werden», erklärte der Verband.

Hintergrund des Konflikts sind Vorwürfe, die sich auf Projekte in Paraguay beziehen. Dort sollen deutsche staatliche Fördergelder und Spenden zweckentfremdet beziehungsweise unterschlagen worden sein. Die Geschäftsführerin der Kolping-Stiftung in Paraguay, die Deutsche Brigitte Fuzellier, hatte schwere Vorwürfe gegen Kolping International erhoben und dem Hilfswerk in Deutschland Vertuschungsversuche vorgehalten. Unter anderem unterhält Kolping in Paraguay nach eigenen Angaben neun Berufsschulen mit 3.000 Schülern und 200 Mitarbeitern.

SEK-Geschäftsführer Hans Drolshagen sagte zu den Vorwürfen Fuzelliers, die Geschäftsführerin sei 2007 eigens dafür eingestellt worden, um Hinweisen auf Unregelmäßigkeiten nachzugehen. Fuzellier selber aber habe seit 2008 keine Abrechnungen mehr in Köln vorgelegt. Bereits im Juli hatte die Kolpingzentrale gegen die Geschäftsführerin Strafanzeige wegen Verdächtigung, Beleidigung, Verleumdung und übler Nachrede erstattet.

Drolshagen äußerte sich auch zu Vorwürfen, über die das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» in seiner neuesten Ausgabe berichtet. Danach soll in einem als Berufsbildungszentrum von Kolping Paraguay errichteten Gebäude in der Stadt Coronel Oviedo zwischenzeitlich ein Bordell betrieben worden sein. Berufsbildungskurse hätten dort nicht stattgefunden. Drolshagen sagte dazu, es handele sich um abenteuerliche Vorwürfe, die in Deutschland nicht bekannt gewesen seien. Bei mehreren Besuchen deutscher Kolpingvertreter in dem Haus seien keine Unregelmäßigkeiten aufgefallen. Zudem stelle sich die Frage, warum Fuzellier diese Vorwürfe erst so spät erhebe.

Der Generalsekretär von Kolping International, Hubert Tintelot, hatte vor zwei Wochen gegenüber KNA erklärt: «Die Aufklärung der Vorgänge ist uns wichtig und wir unterstützen das BMZ bei seiner Arbeit.» Die Vorwürfe und öffentlichen Anschuldigungen seien die Folge eines internen Streits zwischen der neuen Geschäftsführung in Paraguay und der Kölner Zentrale.

Bereits vor mehr als zwei Jahren habe es Berichte über Unregelmäßigkeiten gegeben. Daraufhin habe man die alte Geschäftsführung abgesetzt und die neue Geschäftsführerin 2008 eingestellt. Die Ordnung des Betriebs und die Untersuchung der Vorgänge seien schon damals ihre Aufgabe gewesen. Inzwischen sei das Vertrauensverhältnis zwischen der Geschäftsführerin Fuzellier und Kolping International zerrüttet. Durch von ihr betriebene Änderungen der Stiftungssatzung in Paraguay habe man nicht die Möglichkeit sie abzusetzen. Es sei nun ein gerichtlich bestellter «Interventor» beauftragt, die Geschäfte zu kontrollieren und illegale Handlungen zu verhindern, bis die Sache juristisch geklärt sei. Dieser Streit sei, so die Auffassung von Tintelot, die Ursache dafür, dass die Geschäftsführung in Paraguay nun Vorwürfe in die Welt setze.


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