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31.08.10 16:40

Lob und Skepsis nach neuen Leitlinien gegen Missbrauch

 

Bonn/Berlin (KNA) Die neuen Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz zum Umgang mit sexuellem Missbrauch stoßen auf Zustimmung, aber auch auf Skepsis. Die Richtlinien machten deutlich, dass «die Opfer an erster Stelle stehen und es keinen falsch verstandenen Schutz der Institution Kirche gibt», lobte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, am Dienstag in Bonn. Er sprach von einem «klaren Signal gegen Vertuschung und Verschleierung».

Für Opfer und Öffentlichkeit gebe es jetzt ein transparentes Verfahren im Umgang mit Missbrauch, so Glück. Damit könne verlorenes Vertrauen zurückgewonnen werden. «Gerade die Regelungen zu den Beauftragten und fachkundigen Beratern sowie zum Umgang mit den staatlichen Strafverfolgungsbehörden schaffen einen Raum, der den Opfern den Weg zu kirchlichen Stellen neu öffnet», betonte der ZdK-Präsident. Auch die Regelungen zur Hilfe für die Opfer setzten ein klares Signal dafür, dass sich die Kirche ihrer Verantwortung stellen wolle. Nach Glücks Worten zeigen die Richtlinien «in aller Klarheit», dass es für Täter keinen Platz in der kirchlichen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gebe.

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) sprach von einer notwendigen Verschärfung. Die Regelungen böten «einen besseren Schutz für junge Menschen und stellen die Perspektive der Opfer in den Vordergrund», sagte der Bundesvorsitzende Dirk Tänzler in Düsseldorf. «Wir dürfen aber jetzt nicht zur Tagesordnung übergehen», meinte er. Die Bischöfe müssten eine lückenlose Aufklärung sicherstellen und sich einem offenen und angstfreien Dialog über die Zukunft der Kirche stellen.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) verteilte Lob, sieht aber weiterhin Unklarheiten. Einerseits habe die Kirche das klare Bemühen gezeigt, «aus den Schwächen der alten Richtlinien die richtigen Lehren» zu ziehen, erklärte sie in Berlin. Die Klarstellung der Bischofskonferenz zeige auch, dass die katholische Kirche unabhängig vom Ansehen der Institution eine engere Zusammenarbeit mit den Strafverfolgungsbehörden anstrebe.

Nicht ganz deutlich wird aber andererseits nach Meinung der FDP-Politikerin, wie innerhalb der Kirche künftig mit den Fällen umgegangen werden soll, in denen das Opfer der Einschaltung der Staatsanwaltschaft ausdrücklich widerspricht. Außerdem bleibe unklar, ob innerkirchliche Voruntersuchungen künftig ausgesetzt werden sollten, um staatsanwaltschaftliche Ermittlungen nicht zu behindern.

Die Kirchenvolksbewegung «Wir sind Kirche» sprach von Fortschritten, die aber noch nicht ausreichten. Ihr Sprecher Christian Weisner lobte die präzisere Anzeigenpflicht, kritisierte aber, dass die Ansprechpartner für Missbrauchsopfer nach wie vor aus dem inneren Bereich der Kirche kommen könnten. Sie seien damit im Zweifelsfall nicht unabhängig genug; Interessenkonflikte seien nicht ausgeschlossen. Weisner kritisierte auch, dass es keine konkreten Zusagen zur Entschädigung gebe. Die katholische Kirche in Österreich habe sich da deutlicher festgelegt.

Die Opfergruppe «Eckiger Tisch» bezeichnete die neuen Leitlinien als «längst überfällig». Zugleich kritisierte deren Sprecher Matthias Katsch, dass es keine konkrete Aussage der Bischöfe darüber gebe, wie mit der Vergangenheit umgegangen werden solle. Mehrere Hundert Opfer von Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen sowie deren Angehörige warteten weiterhin auf ein Angebot, damit ihnen Genugtuung verschafft werde.

Die Deutsche Kinderhilfe erklärte, die Leitlinien seien eine deutliche Verbesserung. Sie sollten auch Signalwirkung für andere Gruppen wie etwa Sportvereine haben.


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