München (KNA) Der Fall des einschlägig vorbestraften und inzwischen suspendierten Bad Tölzer Kurseelsorgers H. weitet sich aus. Am Mittwoch meldete das Münchner Ordinariat einen neuen Missbrauchsvorwurf an die Staatsanwaltschaft, der noch nicht verjährt sein soll. Der mutmaßliche Übergriff auf einen Minderjährigen sei 1998 erfolgt, als der Priester Pfarrer in Garching/Alz war. Am gleichen Tag bestellte der Pfarrverband Bad Tölz einen Rechtsanwalt als Ansprechpartner für mögliche Missbrauchsfälle in der Region.
Der Münchner Weihbischof Wolfgang Bischof und Generalvikar Peter Beer trafen am selben Tag mit Seelsorgern und Pfarrgemeinderäten in Bad Tölz zusammen. Es müsse unbedingt in Erfahrung gebracht werden, was vor Ort im Zusammenhang mit dem suspendierten Geistlichen geschehen sei, betonten sie.
Am Dienstag hatte der ehemalige Münchner Erzbischof Kardinal Friedrich Wetter eingeräumt, es sei ein Fehler gewesen, H. wieder in der Pfarrseelsorge einzusetzen. Der Priester hatte bereits in seinem Heimatbistum Essen Kinder missbraucht und war 1980 vom Münchner Erzbistum unter Auflage einer Therapie aufgenommen worden. Der Fall sorgt weltweit für Aufsehen, weil damals Joseph Ratzinger, der heutige Papst Benedikt XVI., Erzbischof von München-Freising war.
Der Geistliche wurde trotz seiner Vorbelastung in mehreren Gemeinden als Seelsorger eingesetzt. Dafür übernahm der damalige Generalvikar Gerhard Gruber die alleinige Verantwortung. H. war zunächst in München, später in Grafing tätig, wo der Priester rückfällig wurde. Dafür wurde er 1986 verurteilt, aber noch während der Bewährungsfrist in eine andere Gemeinde als Pfarrseelsorger geschickt, diesmal nach Garching/Alz.
2008 versetzte ihn der neu nach München gekommene Erzbischof Reinhard Marx in die Tourismusseelsorge. Der langjährige Therapeut von H. machte vergangene Woche publik, er habe das Ordinariat von Anfang an gewarnt, dem Priester nochmals Kontakt zu Kindern und Jugendlichen zu ermöglichen. Dies war ihm erstmals in Bad Tölz ausdrücklich verboten, woran sich H. aber nicht hielt. Deswegen trat zwischenzeitlich auch der direkte Vorgesetzte des Seelsorgers, Prälat Josef Obermaier, zurück.