Kopenhagen (KNA) Auch die katholische Kirche in Dänemark muss sich mit Vorwürfen sexuellen Missbrauchs in ihren Einrichtungen auseinandersetzen. Wie die Tageszeitung «Berlingske Tidende» (Freitag) berichtete, soll ein noch im Amt befindlicher katholischer Priester auf der Insel Seeland einen Messdiener mehrfach missbraucht haben. Der Pressesprecher des Bistums Kopenhagen, Niels Messerschmidt, bestätigte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), von den anonymen Anschuldigungen Kenntnis erhalten zu haben. Bischof Czeslaw Kozon stehe mit dem betreffenden Priester im Gespräch.
Wie Messerschmidt weiter mitteilte, habe Kozon nach Beginn des europaweiten Missbrauchsskandals die Gläubigen aufgerufen, sich bei ihm zu melden, falls sie Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche gemacht hätten. Daraufhin seien bislang zwölf Hinweise beim Bistum Kopenhagen eingegangen. Alle Informationen wurden der Polizei weitergeleitet. Außerdem überprüfe das dänische Sozial- und Justizministerium gegenwärtig die kirchlichen Richtlinien zum Umgang mit sexuellem Missbrauch.
Das Ministerium habe auch eine eigene Telefonhotline für Missbrauchsopfer geschaltet, «falls es Menschen gibt, die sich mit ihren Missbrauchserfahrungen nicht an die Kirche wenden möchten», so Messerschmidt. Darüber hinaus beauftragte das Bistum seinen Angaben zufolge einen unabhängigen Juristen mit der Prüfung der vorliegenden Hinweise.
Insgesamt wurden in den Jahrzehnten seit 1898 laut Messerschmidt fünf Missbrauchsfälle bekannt. Die katholische Kirche in Dänemark zählt etwa 37.000 Mitglieder; das Bistum Kopenhagen umfasst das gesamte dänische Staatsgebiet.