München (KNA) Der Münchner missio-Präsident Eric Englert hat dazu aufgefordert, die Hintermänner der jüngsten Gewalttaten gegen Christen in Nigeria zur Verantwortung zu ziehen. Bei den Angriffen auf Dörfer nahe der Stadt Jos starben in der Nacht zum Sonntag rund 120 Christen.
Seit 2001 seien in Jos und der Region bei Unruhen mehr als 2.000 Menschen ermordet worden, erinnerte Englert am Mittwoch in München. Die dafür Verantwortlichen müssten identifiziert und juristisch zur Rechenschaft gezogen werden. Kein Täter dürfe sich sicher sein, dass er weiter ungestraft Gewalt für politische und wirtschaftliche Interessen einsetzen könne.
Nach Angaben des internationalen katholischen Missionswerks konkurrieren in der Region um Jos muslimische Nomaden mit christlichen Ackerbauern um Land und Zugang zu Wasser. Ein Konflikt um die immer knapper werdenden Ressourcen werde so schnell zu einem muslimisch-christlichen Religionskrieg hochstilisiert. In der Stadt Jos wetteiferten die Bewohner um die Macht und Privilegien, die laut Verfassung nur einheimischen Volksgruppen zustehen. Sie seien in der Mehrheit Christen. Den zugezogenen Hausa und Fulani, fast alle Muslime, bleibe der Zugang zu wichtigen Ämtern und Bildung verwehrt. Sie fühlten sich dadurch diskriminiert.
Dieser Konflikt sei kein Religionskrieg, sondern Ausdruck der politischen und moralischen Unfähigkeit der Machthabenden, betonte der missio-Präsident. Diese hätten aber bisher kein Interesse daran, die soziale Ungerechtigkeit in Nigeria zu beheben. Der katholische Erzbischof von Jos, Ignatius Kaigama, habe schon vor Jahren gewarnt, solange dieses Problem nicht gelöst sei, könnten sich Unruhen jederzweit wiederholen.