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Kiew (KNA) Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. hat für die Wiedervereinigung der in drei Kirchen geteilten ukrainischen Orthodoxie geworben. Zum Abschluss seiner neuntägigen Ukrainereise rief er am Mittwoch bei einem Gottesdienst in Kiew die Gläubigen der beiden von Moskau unabhängigen orthodoxen Kirchen des Landes zur Rückkehr in die kanonische Kirche des Moskauer Patriarchats auf, deren Oberhaupt er ist. Es gebe bereits eine Reihe solcher Übertritte, sagte Kyrill I. in einem TV-Interview von Dienstagabend.
Von der ukrainisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats hatte sich 1992 nach der Unabhängigkeit des Landes von der Sowjetunion ein «Kiewer Patriarchat» abgespaltet. Gleichzeitig gewann die bereits in den 1920er Jahren in Konkurrenz zu Moskau entstandene «autokephale ukrainisch-orthodoxe Kirche» an Gewicht. Die Weltorthodoxie erkennt lediglich die ukrainisch-orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats an.
Der Kiewer Patriarch Filaret nannte Kyrills Appell «nicht konstruktiv». Filaret sprach sich jedoch für eine Fortsetzung der im vergangenen Herbst begonnenen Vorgespräche über eine Wiedervereinigung beider Kirchen aus. In der Ukraine bekennen sich ungefähr so viele Gläubige zum Kiewer wie zum Moskauer Patriarchat.
Nach Angaben seines Sprechers will Kyrill I. die Ukraine künftig mindestens einmal im Jahr besuchen. Höhepunkt der Reise des Patriarchen waren die kirchlichen Feiern zum Jahrestag der Christianisierung der Kiewer Rus und die Auszeichnung des ukrainischen Staatspräsidenten Viktor Janukowitsch mit dem höchsten Kirchenorden, dem Heiligen-Wladimir-Orden.
Rund 100 Menschen hatten am Dienstag in Kiew gegen Kyrill I. demonstriert. Sie warfen ihm vor, die Unabhängigkeit der Ukraine zu missachten. Tags zuvor waren acht Teilnehmer einer verbotenen Protestkundgebung vorübergehend festgenommen worden. Gegen den Moskauer Patriarchen protestierten insgesamt deutlich weniger Menschen als bei seinem ersten Besuch vor einem Jahr.