Rom (KNA) Bei dem Massaker nahe der nigerianischen Stadt Jos am Sonntag sind nach kirchlichen Angaben knapp 120 Menschen ums Leben gekommen. Der Erzbischof von Jos, Ignatius Ayau Kaigama, sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Mittwoch, es habe 64 Todesopfer in dem Ort Dogon Na-Hawa, 30 in Ratsat und 24 in Zot Foron gegeben. Er berief sich dabei auf Angaben eines Priesters, der die Gemeinden seelsorglich betreut und persönlich an den Massenbegräbnissen teilgenommen habe. Nigerianische Behörden beziffern die Zahl der Opfer inzwischen mit 109. Zuvor hatten Medien von über 500 Toten berichtet.
Kaigama berichtete zudem Einzelheiten des Überfalls. Demnach griffen muslimische Faluni-Nomaden die drei Dörfer gegen 2.30 Uhr in der Nacht auf Sonntag an. Das Massaker habe nach Aussagen von Einwohnern, mehrheitlich christlichen Berom, zwei Stunden gedauert. Die Opfer seien im Schlaf überrascht und mit Schusswaffen, Macheten und anderen Waffen niedergemacht worden, so der Erzbischof. Unter den Toten seien zahlreiche Frauen und Kinder.
Der Kirchenmann warnte erneut davor, die Gewalt als religiös motiviert zu betrachten. Vielmehr seien soziale, ethnische, wirtschaftliche und politische Gründe Auslöser für die blutigen Auseinandersetzungen. Kaigama kündigte einen Solidaritätsgottesdienst für die Opfer an. Die Messe solle am 19. März in Bukuru stattfinden, einer besonders von Kämpfen gezeichneten Region.
Zugleich sagte er materielle Hilfen für die Betroffenen zu. Das diözesane Referat für Entwicklung und Menschenrechte kümmere sich bereits um mehrere Tausend Vertriebene der Auseinandersetzungen von 2008. Die Unterstützung erstrecke sich unterschiedslos auf Muslime, Christen und andere Religionsangehörige, betonte der Erzbischof.