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07.01.10 16:05

Papst fordert von der Türkei Anerkennung der Kirche

 

Vatikanstadt (KNA) Papst Benedikt XVI. hat beim Antrittsbesuch des türkischen Botschafters eine zivilrechtliche Anerkennung der katholischen Kirche in der Türkei gefordert. Dies fehle zu einer «vollen Religionsfreiheit», wie sie von der Verfassung vorgesehen sei, erklärte der Papst beim Empfang des diplomatischen Vertreters Kenan Gürsoy am Donnerstag im Vatikan. Zugleich äußerte er die Hoffnung auf eine Vertiefung der «herzlichen Beziehungen» und auf eine wachsende Zusammenarbeit.

Die Christen als alteingesessene Gemeinschaft in der Türkei seien stolz auf ihre Rolle in der säkularen Republik, sagte der Papst. Die Katholiken schätzten auch die verfassungsrechtlich verbriefte Kultfreiheit. Eine formelle Anerkennung würde der Kirche jedoch helfen, «sich voller Religionsfreiheit zu erfreuen und einen noch größeren Beitrag für die Gesellschaft zu leisten».

Im Blick auf das zurückliegende Paulus-Gedenkjahr dankte der Papst der Türkei für ihre Schritte, um Pilgerbesuche und Gottesdienste an historischen Stätten des Apostels zu erleichtern. Auf Konflikte wie jenen um die Pauluskirche in Tarsus ging er nicht ein.

Benedikt XVI. bot zugleich die Vermittlung des Heiligen Stuhls bei innenpolitischen Konflikten der Türkei an. Ohne den Völkermord an den Armeniern beim Namen zu nennen, betonte er, Gebietsstreitigkeiten und ethnische Rivalitäten könnten nur dann eine Lösung finden, wenn die legitimen Ansprüche jeder Partei berücksichtigt sowie «vergangene Ungerechtigkeiten anerkannt und, wenn möglich, wieder gutgemacht» würden.

Botschafter Gürsoy erinnerte bei der Überreichung seines Akkreditierungsschreibens an die seit 50 Jahren bestehenden «exzellenten» diplomatischen Beziehungen zwischen der Türkei und dem Heiligen Stuhl. Beide Seiten könnten auf wissenschaftlichem und kulturellem Gebiet kooperieren. Erwartungen setze die Türkei auch auf vatikanische Unterstützung bei ihren Bestrebungen, der Europäischen Union beizutreten. «Wir glauben, dass der Heilige Stuhl die wichtige Rolle schätzt, die die Türkei für die Zukunft des Kontinents spielen kann», so der Botschafter.

Gürsoy war bis 2009 Philosophieprofessor an der Galatasaray-Universität in Istanbul. Unter anderem arbeitete der heute 59-Jährige, der im französischen Rennes und an der Pariser Sorbonne studierte, auf dem Gebiet des interreligiösen und interkulturellen Dialogs.


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