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17.01.10 19:35

Papst in Synagoge: Aufruf zur Versöhnung und gegen Judenhass

 

Vatikanstadt/Rom (KNA) Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen hat Papst Benedikt XVI. am Sonntag erstmals die Synagoge in Rom besucht. In seiner mit Spannung erwarteten Rede rief er Juden und Christen auf, den Weg der Aussöhnung und des Dialogs fortzusetzen. Mit aller Entschiedenheit verurteilte das Kirchenoberhaupt jegliche Form der Judenfeindlichkeit und entschuldigte sich für das Fehlverhalten von Christen gegenüber jüdischen Mitbürgern. «Mögen die Wunden des Antisemitismus für immer heilen», sagte der Papst unter großem Applaus vieler sichtlich bewegter Teilnehmer der Feierstunde.

Konkret ging Benedikt XVI. auf die jüdische Gemeinde Roms und die Verfolgung während der deutschen Besatzung ein: «Leider blieben viele gleichgültig, aber viele, darunter auch italienische Katholiken», hätten mutig reagiert und unter Einsatz des eigenen Lebens Juden versteckt und gerettet. «Auch der Heilige Stuhl entfaltete eine Hilfsaktion, oft im Verborgenen und diskret», erinnerte der Papst. Seinen Vorgänger Pius XII. (1939-58), dessen Seligsprechungsprozess im Vorfeld für vatikanisch-jüdische Spannungen gesorgt hatte, nannte er namentlich nicht.

Der Präsident der jüdischen Gemeinde Roms, Riccardo Pacifici, dankte christlichen Konventen, die Juden versteckt hielten, ging aber auch kritisch auf Papst Pius XII. ein: «Das Schweigen von Pius XII. zur Schoah schmerzt auch heute als versäumte Tat. Vielleicht hätte er nicht die Todeszüge stoppen können, aber er hätte diesen unseren Brüdern ein Signal, ein Wort der Bestärkung, der menschlichen Solidarität sagen sollen, die zu den Schornsteinen von Auschwitz transportiert wurden.» Ausdrücklich sprach sich Pacifici in diesem Zusammenhang für eine Öffnung der vatikanischen Archive aus.

Noch vor Betreten der Synagoge hatte der Papst einen Kranz niedergelegt am Gedenkstein für die 1.021 Bewohner der jüdischen Ghettos, die am 16. Oktober 1943 von den Nazis deportiert worden waren. Nur 17 von ihnen waren später lebend zurückgekehrt.

Außerdem kam es vor der Feier, die mit einer Schweigeminute für die Erdbebenopfer von Haiti begann, zu einer sehr herzlichen Begegnung des Papstes mit dem inzwischen 95-jährigen früheren römischen Oberrabbiner Elio Toaff, der 1986 Gastgeber von Johannes Paul II. war.

Der Besuch des Papstes im zwei Kilometer vom Vatikan entfernten jüdischen Gebetshaus auf der anderen Seite des Tibers wurde von strengen Sicherheitsvorkehrungen begleitet. Der Sitz der jüdischen Gemeinde Roms war weiträumig abgesperrt. Hubschrauber kreisten über der Fahrtroute, die bis zum letzten Moment geheimgehalten worden war.

In seiner programmatischen Rede nannte Benedikt XVI. die Neuorientierung der katholischen Kirche im Konzil «unwiderruflich». Mit Nachdruck beschwor er die Gemeinsamkeiten der beiden Religionen und forderte ihre Angehörigen auf, trotz bestehender Differenzen zusammen für eine bessere Welt zu arbeiten.

«Christen und Juden haben einen großen Teil ihres geistigen Erbes gemeinsam, sie beten zum gleichen Gott, haben die selben Wurzeln und bleiben sich trotzdem gegenseitig fremd», sagte der Papst. Mit seinem Besuch in der römischen Synagoge wolle er den bisherigen Dialog- und Versöhnungsprozess fortsetzen, bestätigen und vertiefen, stellte Benedikt XVI. klar.

Gemeinsam hätten Juden und Christen das ethische Grundgesetz der Zehn Gebote. Gemeinsam müssten sie für den Schutz des Lebens, für Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden eintreten. Die Zehn Gebote verpflichteten Juden und Christen weiterhin zum Schutz der Familie und zur tatkräftigen Solidarität mit Armen, Kranken, Fremden, Kindern, Schwachen und Bedürftigen.

Nach der Feier in der Synagoge zogen sich der Papst und der römische Oberrabbiner Riccardo Di Segni zu einem Vier-Augen-Gespräch in einem Nebenraum des Gebetshauses zurück. Außerdem wurde im Garten der Synagoge ein Baum zur Erinnerung an den Besuch gepflanzt.


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