Vatikanstadt (KNA) Papst Benedikt XVI. hat vor einem akademischen Spezialistentum in der Theologie gewarnt. Die wahren Theologen, seien jene, die das Mysterium Christi aus innerem Antrieb überzeugend verkündeten und nicht die «großen Spezialisten», die sagen könnten, wo der Messias in Bethlehem geboren sei, hob der Papst am Dienstag während einer Frühmesse für die Mitglieder der Internationalen Theologenkommission hervor. Für die bloßen Wissenschaftler bleibe das christliche Mysterium nur eine akademische Erkenntnis, die nichts mit ihrem Leben zu tun habe, kritisierte das Kirchenoberhaupt bei dem Gottesdienst in der frischrestaurierten Cappella Paolina des Apostolischen Palastes.
In den vergangenen zweihundert Jahren habe es große theologische Gelehrte gegeben, die die Details der Heiligen Schrift ergründet hätten, aber das christliche Mysterium selbst, die Gottessohnschaft Jesu, aus den Augen verloren hätten, führte der Papst aus. Viele weniger Gebildete hingegen hätten ein beeindruckendes Zeugnis für Gott abgelegt. Als Beispiele nannte das Kirchenoberhaupt die Seherin von Lourdes, Bernadette Soubirous, die französische Mystikerin Therese von Lisieux, die sudanesische Sklavin und spätere Ordensschwester Schwester Bakhita sowie die Ordensgründerin und Nobelpreisträgerin Mutter Teresa von Kalkutta.
Benedikt XVI. rief die Theologen zur Demut gegenüber ihrem Forschungsgegenstand auf. Auch in der Theologie komme es oft vor, dass die autonome Vernunft über Gott gestellt werde. Bestimmte Methoden würden verabsolutiert, die nicht der ganzen Wirklichkeit gerecht würden, führte der Papst aus. Von Theologen sei hingegen «wahre Demut» gefordert, die die eigenen Grenzen anerkenne und so zur Wahrheit gelange.