Berlin/Baden-Baden (KNA) Die neuen Leitlinien der katholischen Kirche zum Vorgehen gegen Missbrauch finden in der Politik Zustimmung. Die jeweiligen Kirchenbeauftragten appellierten am Mittwoch zugleich an die Bischöfe, die Richtlinien auch konsequent umzusetzen. Die Unionsfraktion im Bundestag sprach von einer überzeugenden Überarbeitung. Fraktions-Vize Ingrid Fischbach (CDU) verwies besonders auf die Verbindlichkeit der Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft und den erweiterten Geltungsbereich der Regelungen. Nun gelte es, die Leitlinien «entschieden und konsequent anzuwenden».
Auch die FDP-Fraktion begrüßte eine «Verschärfung» der Leitlinien. Ihr Kirchenbeauftragter Stefan Ruppert betonte, sie seien auch beim Thema Anzeigepflicht und der Frage der Zusammenarbeit mit der Justiz annehmbar. «Dem geschriebenen Wort müssen auch Taten folgen», meinte Ruppert weiter. Er forderte die Bischöfe zudem zur Klärung der Frage von finanzieller Entschädigung bis Ende September auf. Nur so könne die Kirche Glaubwürdigkeit und Verantwortungsbewusstsein beweisen.
Die Grünen nannten die Neufassung überfällig. «Nach Jahrzehnten der Abschottung und Vertuschung» trage die Bischofskonferenz endlich zu einer Stärkung des Kinderschutzes bei, erklärte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Ekin Deligöz. Sie sieht in einem Detail Nachbesserungsbedarf: Falls die Kirche auf den Wunsch des Opfers hin von der generellen Anzeigenpflicht absehe, müsse zumindest eine externe anerkannte Kinderschutzstelle einbezogen werden. Deligöz ist Mitglied des Runden Tischs zum sexuellem Missbrauch.
Die Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Christine Bergmann (SPD), sprach von einem «Schritt nach vorn». Die Leitlinien müssten aber «wirklich ganz konsequent umgesetzt» werden, sagte Bergmann im Südwestrundfunk. Zugleich plädierte sie mit Blick auf die Missbrauchsbeauftragten in den Diözesen dafür, eine «Person von außen» als Anlaufstelle zu beauftragen, die nicht der Kirche als Dienstgeber unterstehe. Zur Frage der materiellen Entschädigung betonte Bergmann, die katholische Kirche könne für sich selbst Regelungen treffen. Auf den eingerichteten Runden Tisch «muss niemand warten».
Am Dienstag hatte der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Stephan Ackermann, betont, die Kirche wolle im Rahmen des Runden Tisches mit anderen Organisationen eine gemeinsame Lösung finden. Die Entschädigung solle befrieden und nicht weiteren Unfrieden schaffen.