Warschau (KNA) Die polnische Gewerkschaft Solidarnosc will den im Juni seliggesprochenen Priester Jerzy Popieluszko (1947-1984) zu ihrem Schutzpatron machen. Die katholischen Bischöfe Polens wollen Ende September über einen solchen Antrag der Gewerkschaft beraten, erklärte der Pressesprecher der Bischofskonferenz Jozef Kloch am Mittwoch auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Die endgültige Entscheidung treffe der Heilige Stuhl.
Die Landesversammlung der Solidarnosc hatte am Montag in Gdynia(Gdingen) eine entsprechende Initiative beim Heiligen Stuhl beschlossen; die Bischofskonferenz solle den Antrag an den Vatikan weiterleiten. In dem Beschluss danken die Delegierten Papst Benedikt XVI. für die Seligsprechung Popieluszkos und bekennen sich zur christlichen Ethik und katholischen Soziallehre.
Popieluszko unterstützte in seinen Predigten die lange Zeit verbotene Solidarnosc im Kampf gegen das kommunistische Regime. 1984 wurde er von Agenten des polnischen Geheimdienstes entführt und ermordet. Sein Tod verstärkte den Widerstand der Bevölkerung gegen das Regime und trug mit zum Fall des Kommunismus fünf Jahre später bei.
Der Solidarnosc trug in den 80er Jahren entscheidend zur politischen Wende in Osteuropa bei. Zu ihrer Hoch-Zeit hatte sie sie rund zehn Millionen Mitglieder; derzeit sind es noch etwa 700.000. Die Gewerkschaft steht der konservativen Opposition nahe. Polens früherer Staatspräsident Lech Walesa, der die Solidarnosc vor 30 Jahren gründete, trat wegen politischer Differenzen aus.