Bamberg (KNA) Der Bamberger katholische Erzbischof Ludwig Schick hat Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin aufgefordert, sich von seinen rassistischen Aussagen zu distanzieren. «Besonders in Deutschland dürfen wir solche Äußerungen nicht stehen lassen», erklärte Schick am Montag in Bamberg. Wahr bleibe aber, dass es einen «eklatanten Mangel» an Integration gebe und dieser Deutschland zu zerreißen drohe. Integration sei deshalb die wichtigste Aufgabe für die Zukunft.
Sich über Sarrazin zu entrüsten, ihn rauszuschmeißen und dann zur Tagesordnung überzugehen wäre fatal, sagte Schick. Der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz für die Weltkirche forderte stattdessen ein Nachdenken und Handeln im Sinn einer gemeinwohlorientierten Integration.
Der Erzbischof warnte vor einer wachsenden Spaltung der Gesellschaft. Arm und Reich drifteten auseinander, auch Behinderte, Langzeitkranke und kinderreiche Familien seien zu wenig integriert. Zugleich gebe es eine nicht zu unterschätzende Zahl von Menschen, die allein eigenen Interessen folgten. Jede Gesellschaft lebe aber davon, dass den Bürgern das Gemeinwohl mehr gelte als das Eigenwohl, so der Erzbischof. In einem Sozialstaat müssten die Starken die Schwächeren stützen. Die Politik habe Solidarität einzufordern und diese sei gesellschaftlich auch einzuüben. Für den Integrationsprozess sei dabei die deutsche Sprache, eine gute Schulbildung und ein entsprechendes Wertebewusstsein notwendig.