Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Einzelansicht
München (KNA) Im Kloster Ettal sollen nach Informationen des «Focus» etwa 15 Patres, darunter ein früherer Abt, weit mehr als 100 ihrer Schutzbefohlenen systematisch gequält und sexuell missbraucht haben. Das gehe aus dem Abschlussbericht hervor, den der Sonderermittler der katholischen Kirche in den kommenden Tagen vorstellen wird, berichtete das Nachrichtenmagazin am Samstag in München.
Rechtsanwalt Thomas Pfister, der am 25. Februar im Auftrag des Erzbistums München und Freising in das oberbayerische Kloster gefahren war, um die Einzelheiten der Missbrauchsvorwürfe aufzuklären, sagte dem «Focus": «Es waren Berichte über so abartige Gräueltaten, dass ich nachts nicht einschlafen konnte.» Die mutmaßlichen Opfer seien heute zwischen 30 und 60 Jahre alt. Sie berichteten von Prügeln mit Skistöcken, von durch Schläge geplatzten Trommelfellen und von lebendigen Molchen, die sie essen mussten.
Pfister, der nach eigenen Angaben mit Patres sprach, mit Ex-Schülern telefonierte und 75 schriftliche Anklagen ehemaliger Internatskinder auswertete, glaubt nicht, dass niemand im Kloster von den Misshandlungen wusste. Ein heute 74-jähriger Geistlicher, der von 1973 bis 2005 Abt des Klosters war und vorher als Lehrer und Erzieher arbeitete, habe als «unbeherrschter Schläger» gegolten. Er soll laut Pfister die Köpfe seiner Schüler immer wieder auf das Pult geschlagen haben.