Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Einzelansicht
Hamburg (KNA) Einen «Weckruf» an die derzeit zu ihrer Frühjahrsvollversammlung zusammengekommene Deutsche Bischofskonferenz haben drei Theologen in der Wochenzeitung «Die Zeit» (Donnerstag) formuliert. Die Kirche müsse sich als eine «wechselseitig wahrnehmende» und hörende Kirche verstehen, schreiben die Kasseler Theologen Johanna Rahner und Erik Müller-Zähringer sowie der Hannoversche Theologe Jürgen Manemann in der Zeitung. Wo das christliche Zeugnis «durch eigene Schuld verdunkelt» werde, da gerate «mehr als das Projekt 'Kirche' in Gefahr». Die Verfasser wenden sich gegen eine «Ideologie des Sakralen», die meine, man solle «am besten gegen den Zeitgeist segeln» und zum «Rückzug aus der Welt» aufrufen. Eine «wahrhaft katholische Theologie» suche nicht den Rückzug, sondern stelle sich der «Verantwortung vor einer säkularen Vernunft». Die aktuelle Kirchenkrise sei in hohem Maße eine «Gotteskrise», die durch rasche Kursänderungen nicht zu beheben sei. Zugleich kritisieren die Autoren das Memorandum «Kirche 2011: Ein notwendiger Aufbruch». Gerade vor dem Hintergrund der Missbrauchskrise, in der auch die Theologen nicht angemessen reagiert hätten, sei «eine neue Rechtskultur» notwendig; stattdessen bewege das Memorandum vornehmlich «die Sorge, nicht gehört zu werden», so Rahner, Müller-Zähringer und Manemann. Die drei gehören nicht zu den Unterzeichnern des Memorandums. Die Bischöfe sollten dennoch die Sorge des Memorandums ernst nehmen, dass das «Band zwischen Teilen der wissenschaftlichen Theologie und dem kirchlichen Lehramt» reißen könnte. Durch «Schreien und gegenseitige Vorwürfe» sei der Sturm nicht zu beschwichtigen, in dem sich die Kirche befinde. «Wir Jüngerinnen und Jünger sitzen im selben Boot, ob mittschiffs, backbord oder steuerbord, ob als Papst oder Bischof, Kleriker oder Laie.»