Vatikanstadt (KNA) Der Ausschluss von Frauen aus kirchlichen Leitungsämtern ist nach einem Leitartikel der Vatikanzeitung «Osservatore Romano» mitverantwortlich für die Missbrauchsskandale. Eine größere weibliche Präsenz in den Entscheidungsebenen der Kirche hätte möglicherweise «den Vorhang männlicher Verschwiegenheit» angesichts derartiger Verbrechen zerrissen, schreibt die Historikerin Lucetta Scaraffia in einem Beitrag für die Donnerstagsausgabe.
Frauen seien eher bereit, Kinder und Jugendliche vor sexuellem Missbrauch zu verteidigen, begründet die Wissenschaftlerin ihre These. In entsprechenden Positionen hätten sie schweren Schaden von der Kirche abwenden können.
Trotz einer gestiegenen theoretischen Wertschätzung kämen Frauen im Leben der Kirche noch immer nicht angemessen vor. Auch wenn ihre Beteiligung größer geworden sei, habe man ihr Engagement «praktisch immer aus den Entscheidungsbereichen herausgehalten», so Scaraffia, die an der römischen Sapienza-Universität lehrt.