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06.03.10 15:50

Weitere Berichte über Missbrauch bei Domspatzen

 

Berlin (KNA) Der Missbrauch von Minderjährigen bei den Regensburger Domspatzen in den 50er und Anfang der 60er Jahre war laut Presseberichten weiter verbreitet als bislang bekannt. Wie das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» berichtete, behandelten mehrere Therapeuten im Münchner Raum ehemalige Chormitglieder, die durch sexuellen Missbrauch oder körperliche Misshandlungen traumatisiert wurden. Der Jahrzehnte alte Skandal bei dem weltberühmten Knabenchor war am Freitag publik geworden.

Ein Betroffener aus dem Allgäu berichtete dem «Spiegel» von grausamen Ritualen im Internat Etterzhausen, einer Vorschule, aus der sich die Domspatzen in Regensburg rekrutierten. Dort habe Ende der 50er Jahre der Direktor M., ein katholischer Priester, härteste Bestrafungen exerziert, darunter auch «Nacktprügeln» betrieben. In einigen Fällen, so das anonyme Opfer, sei es zu Penetrationen gekommen.

Der Regisseur und Komponist Franz Wittenbrink, der bis 1967 im Regensburger Internat der Domspatzen lebte, sprach gegenüber dem «Spiegel» von einem «ausgeklügelten System sadistischer Strafen verbunden mit sexueller Lust», das dort bestanden habe. Internatsdirektor Z. habe sich abends im Schlafsaal einige Jungs ausgesucht, die er in seine Wohnung mitnahm. Dort habe es Rotwein gegeben und der Priester habe mit den Minderjährigen masturbiert. «Jeder wusste es», sagt Wittenbrink, ein Neffe des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Alfons Goppel.

«Warum der Papstbruder Georg Ratzinger, der seit 1964 Domkapellmeister war, davon nichts mitbekommen haben soll, ist mir unerklärlich», fügte der Regisseur hinzu. In seinem Jahrgang habe ein Mitschüler kurz vor dem Abitur Selbstmord begangen.

Auch nach Angaben des Chefdirigenten und stellvertretenden Intendanten des Konzerthausorchester Berlin, Lothar Zagrosek, hat es in den 1950er Jahren zahlreiche Missbrauchsfälle gegeben. Zagrosek sagte am Freitagabend dem RBB, in dieser Zeit seien 16 Jungen vom Internatsleiter, einem Priester, sexuell missbraucht worden. Er selbst sei aber nicht betroffen gewesen, so Zagrosek. Als der Skandal aufgedeckt worden sei, hätten innerhalb kurzer Zeit 16 Knaben das Internat verlassen müssen. Der Leiter sei zu einer mehrjährigen Zuchthausstrafe verurteilt worden.

Die Zustände heute seien völlig anders, betonte Zagrosek. Er könne dies aufgrund zahlreicher Kontakte beurteilen. Weiter sagte der Musiker, er könne sich nicht erklären, warum Georg Ratzinger von den Fällen nichts gewusst haben will.

Das Ordinariat des Bistums Regensburg hat inzwischen eine rigorose Aufklärung zugesagt und will Ende März einen Zwischenbericht vorlegen.


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