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04.03.10 17:25

Weitere Missbrauchsfälle in katholischer Kirche

 

Bonn (KNA) Im Missbrauchsskandal der katholischen Kirche sind weitere Fälle bekannt geworden. Die bayerischen Kapuziner machten am Donnerstag in München sexuelle Übergriffe eines Mitbruders öffentlich. Wie Provinzial Pater Josef Mittermaier mitteilte, wurden 1984/85 im damaligen Studienseminar der Kapuziner im oberbayerischen Burghausen bei Altötting Jugendliche durch den Seminardirektor missbraucht. Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst berichtete über aktuell bekannt gewordene Vorwürfe gegen fünf Priester. Von ihnen seien drei verstorben.

Im Falle des Kapuzinerpaters gab es laut Mittermaier eine «interne Klärung» mit Betroffenen, Eltern und der Provinzleitung, wobei sich die Beschuldigungen erhärtet hätten. Der Pater sei 1985 als Krankenhausseelsorger nach München versetzt worden. Von 1989 bis 2009 sei er Wallfahrtsseelsorger in Würzburg gewesen. Der Missbrauchsfall sei 1991 juristisch verfolgt worden. Zu diesem Zeitpunkt seien die Taten schon verjährt gewesen. Nach dem Ermittlungsverfahren habe der Orden die Bistümer München, Passau und Würzburg informiert. Zudem habe er sich mit der vatikanischen Glaubenskongregation in Verbindung gesetzt. Von dort sei verfügt worden, dass der Kapuziner nicht in der Kinder- und Jugendarbeit eingesetzt werde und keine Beichtgespräche führen dürfe. Zudem seien ihm therapeutische Maßnahmen auferlegt worden.

Der Würzburger Generalvikar Karl Hillenbrand erklärte, der Kapuziner sei auch für den Malteser Hilfsdienst tätig gewesen. Nachdem mehrfache Versetzungsversuche des Ordens gescheitert seien, habe der Pater für das Bistum Würzburg tätig sein wollen. Dies sei «entschieden abgelehnt» worden. Daraufhin habe die Provinzleitung den Kapuziner im März 2009 suspendiert.

Die Limburger Fälle, in denen sich die Vorwürfe gegen die verstorbenen Priester richten, datieren laut Tebartz-van Elst aus den 1940er und 1960er Jahren. Die beiden anderen beschuldigten Priester seien suspendiert worden. Auf einen Verdachtsfall, in dem ein Geistlicher einen Minderjährigen vor 10 bis 15 Jahren missbraucht haben soll, sei das Bistum Mitte Februar aufmerksam gemacht worden. Der Beschuldigte habe die Vorwürfe zugegeben und sei vom Dienst suspendiert worden. Ein weiterer Fall liege einige Jahre zurück und falle in die Zeit seines Amtsvorgängers Franz Kamphaus. Damals habe das Bistum entgegen dem Willen des Opfers eine Anzeige gestellt. Zudem sei der Priester bereits damals suspendiert worden. Er befinde sich nicht mehr im kirchlichen Dienst. Beide Beschuldigten seien stark suizidgefährdet.

Tebartz-van Elst wies darauf hin, dass alle betreffenden Unterlagen der Limburger Staatsanwaltschaft übergeben worden seien. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, sie wolle in den Fällen der verstorbenen Priester keine Ermittlungen aufnehmen. Der Bischof bekundete Entsetzen und Abscheu über die Missbrauchsfälle und sprach von einem schweren Verbrechen. Er bat alle Opfer um Vergebung und Entschuldigung.


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