Freiburg (KNA) Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch hat in einem Schreiben an die Seelsorger des Erzbistums eine erste Bilanz über die Fälle sexuellen Missbrauchs in Baden gezogen. In dem zum Osterwochenende in Freiburg veröffentlichten Brief heißt es, in den vergangenen Wochen seien gegen 31 Personen Beschuldigungen eingegangen. In 16 Fällen gehe es um Diözesanpriester: 9 davon seien gestorben, 6 lebten im Ruhestand und einer sei im aktiven Dienst. In 4 Fällen seien Ordenspriester betroffen, von denen 2 gestorben und die anderen im Dienst seien. Weitere 2 Anzeigen bezögen sich auf Ordensbrüder. Die restlichen 9 Fälle würden noch geprüft. Alle neu gemeldeten Vorfälle bezögen sich auf die Zeit zwischen 1950 und 1980, so der Erzbischof.
Zollitsch, der auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist, zeigte sich erneut «beschämt und bestürzt» über die «abscheulichen Verbrechen». Er sei sprachlos über die schrecklichen Taten, die der Botschaft des Evangeliums völlig entgegenständen. Bei den Opfern seien Wunden entstanden, die kaum mehr zu heilen seien. Aus falsch verstandener Sorge um das Ansehen der Kirche sei «der hilfsbereite Blick für die Opfer verstellt» gewesen. Vordringlich sei, die Fälle lückenlos aufzuklären und «solche abscheulichen Verbrechen künftig zu verhindern».
Zollitsch unterstreicht in seinem Brief, Seelsorge lebe von Vertrauen und Nähe, damit sie nicht steril und kaltherzig werde. Das rechte Maß von Nähe und Distanz sei allerdings von Menschen zu Mensch verschieden und situationsabhängig. Wo Menschen sich öffneten, dürften sie nicht ausgenutzt werden. Zollitsch ruft die Seelsorger auf, eine Kultur des Vertrauens, des aufmerksamen Hinschauens und des sorgsamen Hinhörens zu stärken. Mutmaßliche Opfer sollten ermutigt werden, sich zu melden. Der Erzbischof unterstreicht zugleich, die überwältigende Mehrheit der Mitarbeiter in der Jugendarbeit leiste eine hervorragende Arbeit.