Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Einzelansicht
Frankfurt (KNA) Eine «Zweitwährung» für den kirchlichen Raum fordert eine Gruppe von Dortmunder Theologen und Wirtschaftswissenschaftlern. Es sei an der Zeit, «dass Christen Alternativen zum gegenwärtigen zinsgestützten Geldsystem entwickeln», heißt es in einem Aufruf, der an diesem Freitag in Frankfurt vorgestellt werden soll.
Die Begründer des «Initiativkreises 9,5» wollen sich dabei an zinsfreien Geldsystemen orientieren, wie sie bereits in einigen Gegenden Deutschlands existieren. Beispiele für derartige «Regiogelder» sind etwa der «Chiemgauer» in der gleichnamigen bayerischen Region oder die «Eifel-Mark» in Gerolstein. Das «Regiogeld» dient als ergänzendes Zahlungsmittel zum Euro, soll die Kaufkraft in den Regionen fördern und wirtschaftlich verantwortungsbewusstes Handeln fördern.
Seinen Vorstoß begründet der «Inititativkreis 9,5» mit einer «inzwischen offenbar gewordenen Krise unseres globalen Finanz- und Wirtschaftssystems». Zins und Zinseszins setzten die Wirtschaft unter einen permanenten Zugzwang, der zudem die Schere zwischen Arm und Reich beständig vergrößere. Mit einer eigenen Zweitwährung könnten die Kirchen ein wirksames Zeichen gegen die bestehenden Ungleichheiten setzen. Zur Zusammenarbeit aufgerufen seien auch Vertreter anderer Religionen sowie kritische Wirtschaftswissenschaftler.
In Erinnerung an den Martin Luther zugeschriebenen Anschlag seiner 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg am 31. Oktober 1517 plant die Gruppe am Freitag eine ähnliche Aktion. Die «9,5 Thesen gegen Wirtschaftswachstum und für ein christliches Finanzsystem» sollen dann an der Frankfurter Paulskirche angebracht werden. Eigenen Angaben zufolge hat der Initiativkreis bereits versucht, «Bischöfe, Kirchen- und Ordensleitungen» für seine Idee zu gewinnen. Deren Reaktionen seien aber abwartend bis ablehnend gewesen, weshalb man nun an die Öffentlichkeit gehe.