"Zunächst einmal muss man die Diskussion um die Misbrauchsvorfälle differenziert betrachten.
(1) Wäre ich ein Opfer, könnte ich mir vorstellen, dass die Diskussion zu Beginn etwas Befreiendes hatte. Da kommt verdecktes und oftmals verschleiertes Unrecht aus der Vergangenheit nun offen zur Sprache.
(2) Schnell hat sich aber das Blatt gewendet. Anstatt einem Dialog zwischen Opfern und Tätern zu ermöglichen, werden die Opfer aus der Vergangenheit aus der öffentlichen Diskussion herausgehalten und die Täter in den Mittelpunkt gestellt.
(3) Die Verdächtigungen werden pauschalisiert und der Zölibat zur Ursache der Mißbrauchsfälle erklärt. Das Eine hat mit dem Anderen aber nichts zu tun!
(4) Über aktuelle, heutige Vorfälle und Maßnahmen zur Hilfe für die Opfer, vielleicht auch für die Täter, spricht niemand.
(5) Gleichzeitig mit dem sexuellen Mißbrauch kommt das Thema Gewalt gegen Schutzbedürftige in der Diskussion auf und wird die selbe Stufe gestellt.
(6) Die öffentliche Diskussion gerät zu einem Angriff auf die katholische Kirche und das, obwohl es Vertreter der Kirche waren, welche den Mißbrauch in der Öffentlichkeit zur Sprache gebracht haben.
Was hat das aber mit meinem eigenen Glauben und mit meinem Bild von Gott und Kirche zu tun? Ich bin Teil dieser Kirche. Und diese Kirche ist nicht nur eine Behörde, über die ich mich oft genug ärgere. Es ist nicht nur die Institution, die viel mehr Gutes bewirkt, als oftmals wahrgenommen wird. Es ist von unschätzbarem Vorteil für die Schwachen und Armen in der Welt, dass der Papst die weltweite, moralische Stimme des Christentums und der Vatikan völkerrechtlich unabhängig ist. Die Kirche ist aber viel mehr: sie ist das Erbe und Vermächtnis Jesu Christi. In dieser Gemeinschaft bin ich Teil, weil ich getauft bin. Auch wenn Vertreter der Kirche sündigen, bleibt doch die Kirche in ihrem Wesen auf Jesus Christus begründet. Vielmehr als die Tatsache, dass wie alle Sünder sind, zählt hier für mich, dass die Kirche schon viele Zeiten der Sünde überstanden, ja sogar reformiert und erneuert aus diesen Krisen hervorgegangen ist. Als Beispiel sei hier die Renaissance genannt. Eine Zeit, in der Papst Alexander VI. nicht nur Mätressen und Kinder hatte, sondern seinen Sohn auch noch zum Bischof von Valenzia ernannte und später zum Kardinal kreirte.
Ich glaube an Jesus Christus und ich weiss, dass seine Botschaft Wahrheit und Leben ist. Ich weiss mich in der Liebe Gottes getragen. Und Kirche sind nicht nur die Menschen, welche Skandale zu verantworten haben, sondern auch Menschen wie Papst Johannes Paul II., Mutter Theresa, Pater Werenfried van Straaten, Pater Damian de Veuster, Pater Alfred Delp, aber auch Zeitgenossen wie Lech Walesa und viele andere.
Die katholische Kirche ist eine Säule meines Lebens. Darum bleibe ich ihr treu!"
Klaus Debes
Dipl.-Ing. Nachrichtentechnik, Allershausen bei Freising