Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Andrea del Sartos Heilige Familie

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Samstag, 11. Februar 2012 Anselm
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Ausstellung

Ring frei für die „Heiligen Familien“

Zum ersten und vermutlich einzigen Mal treffen zwei Schwergewichte aufeinander. Schauplatz ist die Alte Pinakothek, die Kontrahenten sind zwei mächtige Ölschinken und – es gibt noch Karten. 

Bis Januar 2010 läuft in der Alten Pinakothek eine Ausstellung, wie es sie wohl selten gegeben hat. Ausgestellt werden hauptsächlich zwei Werke, die beide die Heilige Familie sehr ähnlich darstellen. Dazu noch ein paar Vorstudien einzelner Figuren des Künstlers. Göttlich Gemalt – Andrea del Sarto, Die Heilige Familie in München und Paris. Der Titel lässt dabei nicht vermuten, dass die Vorgeschichte der Ausstellung einem Krimi ähnelt – oder vielleicht auch einem Boxkampf. 
In der späten Renaissance sind die beiden Gemälde entstanden, im Jahr 1514. Die beiden Darstellungen der „Heiligen Familie“ gelten als Meisterwerke ihrer Zeit und waren über die Jahrhunderte heiß begehrt. Das steht schon mal fest. Urheber ist einer der bedeutendsten Künstler der italienischen Spätrenaissance, Andrea del Sarto. 
Damals ist noch nicht klar, ob del Sarto beide Bilder gemalt hat und auch nicht welches der Prototyp und somit als erstes entstanden ist. Beides ist in der Forschung heftig umstritten.  

Foto: Concorde Film

Andrea del Sarto
"das Original":Heilige Familie mit Johannes dem Täufer, Elisabeth und zwei Engeln,
um 1514/15 Pappelholz, 137,2 x 104,3 cm
München, Alte Pinakothek

Runde 1: Röntgenbilder, Rekonstruktion und Restauration – welchesBild gab es zu erst?  

Zwanzig Jahre konnte die Münchner „Heilige Familie“ nicht im Italiener-Saal der Alten Pinakothek ausgestellt werden. Aufwendigst musste das wertvolle und empfindliche Gemälde in diesem Zeitraum restauriert werden. Dass das Gemälde in der Werkstatt quasi auf einem Operations- oder Seziertisch lag, freute die Forscher. Mit Hilfe der Infrarot-Spektroskopie und Röntgenaufnahmen konnten jetzt Angaben über das Alter des Gemäldes gemacht werden. Ebenso gelang dies mit der Pariser Version der „Heiligen Familie“.  Durch die Kooperation des Louvre und des Centre de Recherche des Musée de France konnten dieselben bildgebenden und materialanalytischen Methoden angewandt werden. Die Ergebnisse der Forschungsarbeit, Infrarot- und Röntgenaufnahmen der Gemälde, werden ebenfalls ausgestellt. Die erst vor Kurzem veröffentlichten vergleichenden Forschungsarbeiten beweisen nun zweifelsfrei: Die Münchener „Heilige Familie“ ist älter und somit die Vorlage für die Pariser Version.  

Runde 2: Vom Kaufmann, zum König, zum Kurfürst – wer hat das zweite Bild gemalt?  

 Lange  konnte auf diese Frage keine zufrieden stellende Antwort gegeben werden. Dann ist eine zeitgenössische Notiz aufgetaucht, die die Odyssee von Bild Nummer eins und zwei plausibel beschreibt, an deren Anfang der Urheber steht: Andrea del Sarto bekam den Auftrag, ein Altarbild der „Heiligen Familie“ zu malen. Giovanni Battista Puccini, ein geschäftstüchtiger Florentiner Kaufmann mit erlesenem Kunstgeschmack, wollte die Arbeit dem französischen König verkaufen. Nach Übergabe der fertigen Arbeit brachte Puccini es nicht übers Herz das anrührend-anmutige Werk wegzugeben. Er ließ von del Sarto eine Kopie anfertigen, um diese dem französischen König unterzujubeln. Mit Erfolg. Franz I. von Frankreich war ein großer Förderer der Kunst. Seine Privatsammlung bildet bis heute den Grundstock des Louvre in Paris – dort wo Gemälde Nummer zwei für gewöhnlich hängt. Damit wäre die Urheberschaft del Sartos’ von Bild eins und zwei bereits geklärt, was in der neueren Forschung so auch hinlänglich angenommen wird.

Wie gelangte aber das Original nach München?

Zunächst fand das Gemälde (hier kann man fast schon „natürlich“ sagen) in den Besitz der Medici. Seinem Schwiegersohn Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz schenkte Großherzog Cosimo III. de Medici dann zusammen mit anderen berühmten Gemälden der Renaissance die „Heilige Familie“. Im Zuge der Erbfolge kam es dann mit der Sammlung des Kurfürsten 1806 nach München.  

Zum ersten Mal werden die beiden Kunstwerke nun im Original nebeneinander zu sehen sein. Es kommt einer Sensation gleich, dass der Louvre diese großzügige Leihgabe möglich macht. Die Ausstellung dauert noch bis zum 06.01.2010.    

Julius Thiemann

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