Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Ben Hur

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Samstag, 4. Februar 2012 Veronika
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Ben Hur Live

Foto: Ben Hur Live

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Ben Hur – eine Geschichte der Versöhnung?

Haben Sie schon eines der "Ben Hur Live"-Plakate auf der Straße gesehen? Gehört, dass das spektakuläre Remake des Films als gewaltige Bühnenshow ab 17. September durch die Welt tourt? Und dabei an waghalsige Wagenrennen gedacht, an Piratenangriffe auf hoher See und Rachegelüste? All das soll "Ben Hur Live" auch sein, mit Effekten für alle Sinne. Doch eines ahnen die Wenigsten: Produzent Franz Abraham, Inhaber des  Veranstaltungsunternehmens Art Concerts, will die Geschichte der Versöhnung erzählen, die "Ben Hur" eigentlich ist. Im Gespräch mit glaubenslust.de schildert er die zutiefst christliche Botschaft des weltberühmten Klassikers.

Foto: Ben Hur Live
Franz Abraham: "Das Rachemotiv überwindet Ben Hur am Ende durch die Begegnung mit Jesus" (Foto: Ben Hur Live)

glaubenslust.de: Herr Abraham, elf Oscars brachte vor genau 50 Jahren die berühmte Ben-Hur-Verfilmung des Bestsellers von Lew Wallace: Die Freundschaft zwischen Judah Ben Hur und dem gleichaltrigen Römer Messala schlägt in puren Hass um, der in einem brutalen Wagenrennen zwischen den beiden gipfelt. Und Sie sprechen von einer "christlichen Botschaft" in dieser Geschichte?

Franz Abraham: Lew Wallace hat in seinem Buch ca. 70 Mal das Wort "Rache" verwendet. Dieses  Rachemotiv überwindet Judah Ben Hur aber am Ende durch die Begegnung mit Jesus. Es geht also letztendlich um die Überwindung des Hasses, es geht um die Erlösung und wie Peter Sloterdijk so treffend erkannte, ist die Abkettung von Judah Ben Hur auf der Galleere eine Erlösung von der Sklavenbank. Für mich ein sehr schönes Bild zum Verständnis des für mich immer sehr schwer greifbaren Begriffes Erlösung.

Aber wird "Ben Hur Live" - das Spektakel in der Arena, mit 400 Darstellern, aufwändigen Kostümen und 100 echten Tieren – nicht vor allem eine gewaltige Bühnenshow?

Natürlich. Glauben Sie denn dass man mit irgendeinem esoterischen oder begotten Gesäusel auf Weihnachtsgrippen-Theater-Niveau oder ohne großes Spektakel irgendjemanden hinter dem Ofen hervorlocken kann, geschweige denn einen einzigen Materialisten auch nur irgendwie auf etwas höher stehende Fragen stoßen kann. Nein! Genau dafür ist das Spektakel wichtig und sie werden sehen welches Spektakel es sein wird. Es wird ein qualitativ hochwertiges Spektakel sein, geschaffen von einigen der größten Künstlern die derzeit leben. Alleine die Musik in Verbindung der Szenerie schafft bereits ohne Licht und Kostüme regelmäßig Gänsehaut.

Mir war es aber wichtig, nicht nur etwas völlig Neuartiges auf die Beine zu stellen, sondern auch etwas, mit dem ich mich identifizieren kann. In unserer Gesellschaft können wir aktuell ein so immenses Wertedefizit  beobachten – Menschen bringen sich aus Langeweile um, Gelder werden verheizt, neue gesellschaftliche Perspektiven komplett ignoriert -, so dass es mir nicht nur logisch erscheint, sondern sogar dringend notwendig, ein Stück zu machen über eine Verwandlung. Ein Stück, das viele Menschen aus völlig  unterschiedlichen kulturellen Zusammenhängen gleichermaßen anspricht. Denn die Werte, um die es in Ben Hur geht, nämlich Versöhnung und Treue, die sind ewig und überall aktuell.

Die zentrale Figur ist dabei Jesus Christus. Der Film zeigt ihn immer nur von hinten, sehr dezent also. Wie wird er bei Ihnen dargestellt?

Als normaler Mensch. Natürlich hatten wir auch den Gedanken, ihn als Lichtgestalt oder ähnliches zu inszenieren. Aber er war nun mal ein Mensch aus Fleisch und Blut.

Es heißt, dass das Casting für die Jesus-Rolle sich schwierig gestaltete...

Foto: Ben Hur Live
Der Trailer zum Video: Klicken Sie auf das Bild (Foto: Ben Hur Live)

Ja, weil niemand Jesus spielen soll, der keinen Bezug zum Glauben hat. Das gilt übrigens auch für die Rolle der Esther, die zu den Frühchristen gehörte. Also haben wir bei den Castings die Schauspieler gefragt, ob sie irgendeinen Bezug zu der jeweiligen Figur haben. In London gab es deshalb richtig Probleme, weil dort die Idee herrscht, religiöse Aspekte und künstlerische Abstraktion sollten nicht in eine Waagschale geworfen werden. Dabei konnte sich jeder für jede Rolle bewerben. Nur wer Esther oder Jesus spielt, muss verdammt noch mal an Gott glauben. Das ist doch völlig natürlich.

Gauben Sie an Gott?

Ja, sonst würde ich das so ja nicht machen. Aber ich kam erst durch Vorfälle im persönlichen Umfeld zurück zur Religion. Durch mein Philosophie-Studium hatte ich mich vollkommen davon entfernt, ich war zum kompletten Agnostiker geworden. Irgendwann fing ich dann wieder an zu beten.

Philosophiestudium, große Begeisterung für Musik - Art Concerts hat ja auch legendäre Ereignisse wie die "3 Tenöre" produziert - aber auch für den Sport: Sie haben früher Ihr Geld als Rennfahrer verdient?

Die drei Tenöre haben wir mit veranstaltet in Sao Paulo, die Rolling Stones veranstaltet, die Carmina Burana Monumental Opera produziert unter anderem, und Geld habe ich in der Formel 3 natürlich nicht verdient, sondern nur eins mitgebracht, und als das ausgegangen ist, nicht zuletzt durch den schweren Unfall, musste ich aufhören. Mein Hauptreitz beim Rennfahren liegt in der ständigen Grenzerfahrung und insofern ist die Brücke zur Philosophie nicht sehr lang.

Was bedeutet das für die Show?

Mit BEN HUR LIVE soll die Bierernste, fast schon angstmachende Ernsthaftigkeit auch durchbrochen werden, mit der Religionsvermittlung auch im Film oft daherkam und kommt, ohne den tiefen Grund zu verlassen oder zu karikieren. Lew Wallace war auch ein Agnostiker: Er wollte ein Buch mit Beweisen schreiben, dass Jesus Christus nie gelebt hat. Im Zuge der Recherche kam er zur gegenteiligen Überzeugung und wurde vom Agnostiker dann wieder zum Gläubigen. Als er Ben Hur schrieb und damit zum ersten Millionär der Literaturgeschichte wurde. 

 

Foto: Ben Hur Live

Ben Hur is back!

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