glaubenslust.de: Herr Abraham, elf Oscars brachte vor genau 50 Jahren die berühmte Ben-Hur-Verfilmung des Bestsellers von Lew Wallace: Die Freundschaft zwischen Judah Ben Hur und dem gleichaltrigen Römer Messala schlägt in puren Hass um, der in einem brutalen Wagenrennen zwischen den beiden gipfelt. Und Sie sprechen von einer "christlichen Botschaft" in dieser Geschichte?
Franz Abraham: Lew Wallace hat in seinem Buch ca. 70 Mal das Wort "Rache" verwendet. Dieses Rachemotiv überwindet Judah Ben Hur aber am Ende durch die Begegnung mit Jesus. Es geht also letztendlich um die Überwindung des Hasses, es geht um die Erlösung und wie Peter Sloterdijk so treffend erkannte, ist die Abkettung von Judah Ben Hur auf der Galleere eine Erlösung von der Sklavenbank. Für mich ein sehr schönes Bild zum Verständnis des für mich immer sehr schwer greifbaren Begriffes Erlösung.
Aber wird "Ben Hur Live" - das Spektakel in der Arena, mit 400 Darstellern, aufwändigen Kostümen und 100 echten Tieren – nicht vor allem eine gewaltige Bühnenshow?
Natürlich. Glauben Sie denn dass man mit irgendeinem esoterischen oder begotten Gesäusel auf Weihnachtsgrippen-Theater-Niveau oder ohne großes Spektakel irgendjemanden hinter dem Ofen hervorlocken kann, geschweige denn einen einzigen Materialisten auch nur irgendwie auf etwas höher stehende Fragen stoßen kann. Nein! Genau dafür ist das Spektakel wichtig und sie werden sehen welches Spektakel es sein wird. Es wird ein qualitativ hochwertiges Spektakel sein, geschaffen von einigen der größten Künstlern die derzeit leben. Alleine die Musik in Verbindung der Szenerie schafft bereits ohne Licht und Kostüme regelmäßig Gänsehaut.
Mir war es aber wichtig, nicht nur etwas völlig Neuartiges auf die Beine zu stellen, sondern auch etwas, mit dem ich mich identifizieren kann. In unserer Gesellschaft können wir aktuell ein so immenses Wertedefizit beobachten – Menschen bringen sich aus Langeweile um, Gelder werden verheizt, neue gesellschaftliche Perspektiven komplett ignoriert -, so dass es mir nicht nur logisch erscheint, sondern sogar dringend notwendig, ein Stück zu machen über eine Verwandlung. Ein Stück, das viele Menschen aus völlig unterschiedlichen kulturellen Zusammenhängen gleichermaßen anspricht. Denn die Werte, um die es in Ben Hur geht, nämlich Versöhnung und Treue, die sind ewig und überall aktuell.
Die zentrale Figur ist dabei Jesus Christus. Der Film zeigt ihn immer nur von hinten, sehr dezent also. Wie wird er bei Ihnen dargestellt?
Als normaler Mensch. Natürlich hatten wir auch den Gedanken, ihn als Lichtgestalt oder ähnliches zu inszenieren. Aber er war nun mal ein Mensch aus Fleisch und Blut.
Es heißt, dass das Casting für die Jesus-Rolle sich schwierig gestaltete...