Nun ja, gerade am Geburtsort des Papstes, in Marktl am Inn, lässt sich an diesem Tag wie auch an allen anderen Tagen seit der Papstwahl besichtigen, dass es nicht nur Stolz ist, der die Menschen hier antreibt, sondern auch ein ausgeprägter Sinn fürs Geschäft: Zur bayerischen Tradition neueren Datums zählen nun auch Papstbier, Vatikanbrot, Benedikt-Torten, Süße Mitras und allerlei Versuchungen mehr. Ohne Zweifel: Marktl am Inn floriert, und der Papst wird ins Goldene Buch diesen bemerkenswerten Satz schreiben: „Der Herr segne diesen mir so teuren Ort.“
Weiter geht es nach Regensburg, und auch hier ist der Papst natürlich zu Hause, vielleicht mehr noch als an jedem anderen Ort: Als Joseph Ratzinger im Jahr 1969 als Professor nach Regensburg berufen wurde und dachte, hier würde nun seine neue Heimat werden, ließ er sich im nahen Pentling ein Haus bauen. Die Karriere verlief aber bekanntermaßen anders, und so war das Haus in Pentling zumindest als Alterssitz geplant. Nun reicht es hier während dieses Besuches zu einigen wenigen privaten Stunden.
Immer öfter schüttelt der Papst das Protokoll ab
Wie sehr diese Reise, diese Rückkehr zu seinen Wurzeln, Benedikt XVI. gut tut, lässt sich jeden Tag besser beobachten. Es ist dieses intensive Strahlen in seinem Blick, dieses kleine Lächeln in seinen Mundwinkeln, das man so nicht oft gesehen hat beim Heiligen Vater. Immer öfter schüttelt er das Protokoll ab, genießt den Kontakt zu seinen Landsleuten, und es ist immer wieder überraschend zu sehen, wie viele dieser ungezählten Menschen er tatsächlich zu kennen scheint. Die Veränderung, die in diesen Tagen bei Papst Benedikt XVI. passiert, wird am deutlichsten am Schlusstag im Freisinger Dom, als er den denkwürdigen Satz sagt: „Ich habe auch heute wieder eine große Predigt mitgebracht, aber ich möchte sie nicht vorlesen. Man kann sie ja, wenn man möchte, auch gedruckt sehen.“
Der Abschied von Papst Benedikt XVI. auf dem Münchner Flughafen gerät am sechsten Tag schließlich zu einem letzten, wehmütigen Einblick ins bayerische Gefühlsleben. Ein sichtlich stolzer Ministerpräsident Stoiber findet herzliche Worte, es verabschiedet sich neben vielen anderen auch Otto Dufter, der Vorsitzende des Bayerischen Trachtenverbandes, es singt der Tölzer Knabenchor, und zuletzt ist es der Heilige Vater selbst, der unter erneut weiß-blauem Himmel seine Heimat segnet und dabei nur die Bayernhymne zitieren muss: Gott mit dir, du Land der Bayern …
Am Tag nach der Rückkehr von Papst Benedikt XVI. nach Rom hat in Bayern zum ersten Mal seit einer Woche die Sonne aufgehört zu scheinen.
André Lorenz