Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Stationen seines Lebens

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Samstag, 11. Februar 2012 Anselm
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Stationen seines Lebens

 

„Ich will Kardinal werden!“

Diesen bemerkenswerten Satz sagte Joseph Ratzinger, als er fünf Jahre alt war. Damals konnte noch niemand ahnen, dass sein Weg noch weiter nach oben führen sollte. Die Stationen im Leben des Polizistensohns, der Papst werden sollte – von Marktl bis ins Konklave

Die ersten Jahre (1927 bis 1932)
Gesegnet durch das Osterwasser

Es ist Karsamstag, 16. April 1927, um 8.30 Uhr, als Joseph Alois Ratzinger im beschaulichen Marktl am Inn geboren wird. Er ist das jüngste von drei Kindern, Schwester Maria und Bruder Georg sind einige Jahre älter. Wenige Stunden nach seiner Geburt wird der kleine Joseph getauft. Die Osternacht steht an – für Ratzinger besitzt die Nähe seiner Geburt zum Osterereignis und die Taufe mit dem Osterwasser eine ganz besondere Bedeutung. Marktl dagegen prägt den Heranwachsenden weniger, 1929 zieht die Familie nach Tittmoning um. Der Vater ist Gendarmeriemeister und wird ständig versetzt. So bleiben die Ratzingers auch in Tittmoning nicht lange, 1932 siedelt die Familie nach Aschau am Inn über.

 

Kindheit (1932 bis 1939)
Immer auf Achse

Die Kindheit ist für Joseph Ratzinger ein einziger großer Umzug. In Aschau bleibt die Familie immerhin fünf Jahre, doch 1937 lassen sich die Ratzingers in Hufschlag bei Traunstein nieder. Die Eltern haben hier einen alten Bauernhof gekauft, für Joseph ein „Paradies“ voller Abenteuer. Viel Zeit zum Austoben bleibt allerdings nicht, im gleichen Jahr noch wird Joseph Gymnasiast. Nach eigenen Aussagen soll er ein frecher Schüler gewesen sein, ein hochbegabter ist er in jedem Fall. Übrigens: Fast hätte niemand diese außerordentlichen Fähigkeiten entdeckt, Joseph wäre nämlich beinahe in einem Karpfenteich ertrunken.

 

Studienseminar (1939 bis 1945)
Mit tiefem Glauben durch die Schrecken des Krieges

Nicht nur seine Begabung, auch Josephs Ehrgeiz ist unglaublich groß. Deshalb entschließen sich seine Eltern, ihm trotz finanzieller Schwierigkeiten eine hervorragende Ausbildung zu bieten. 1939 darf der Zwölfjährige auf das angesehene Studienseminar St. Michael in Traunstein wechseln – ein Wechsel, der ihm zunächst schwer fällt. 1933 übernehmen die Nazis die Macht, und 1941 bekommt Ratzinger die Gewaltherrschaft erstmals direkt am eigenen Leibe zu spüren: Er muss gegen seinen Willen der Hitlerjugend beitreten. Zwei Jahre später wird der 16-Jährige als Flak-Helfer eingesetzt, 1944 muss Ratzinger gar an die Front nach Ungarn. Wieder daheim, gerät er in amerikanische Kriegsgefangenschaft, kommt aber 1945 frei und besteht das Abitur am Chiemgau-Gymnasium in Traunstein.

 

Nach den Schrecken des Zweiten Weltkriegs beginnt Joseph Ratzinger seine Priesterausbildung und wird 1951 gemeinsam mit seinem Bruder Georg geweiht. Der Ernennung zum Erzbischof von München und Freising 1977 folgt bald der Ruf nach Rom – als Präfekt der Glaubenskongregation an die Seite von Papst Johannes Paul II. (Fotos: dpa)

Priesterausbildung und Studium (1946 bis 1957)
Mit dem Bruder ein Leben für Gott

Schon als kleines Kind soll Joseph die Kardinalswürde als Lebenstraum ausgegeben haben. Die Schrecken des Nationalsozialismus haben diesen Wunsch weiter vertieft. Direkt nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft in Neu-Ulm tritt Ratzinger deshalb in das Freisinger Priesterseminar ein. An der örtlichen Philosophisch-Theologischen Hochschule beginnt der 18-Jährige erst Philosophie zu studieren, danach schreibt er sich an der Universität in München für Theologie ein. Am 29. Juni 1951 wird Joseph Ratzinger im Dom zu Freising zum Priester geweiht, die Primiz feiert er zusammen mit seinem Bruder Georg am 8. Juli in Traunstein. Die Jahre danach widmet der junge Theologe ganz dem Studium, auch hier sind seine Ergebnisse exzellent. 1953 promoviert Ratzinger über den Kirchenlehrer Augustinus.

 

Dozent und Professor (1957 bis 1977)
Ein Popstar unter den Theologen

Ratzingers theologische Fähigkeiten sind unbestritten, seine Interpretationen werden dagegen wegen ihrer revolutionären Ansätze bisweilen harsch kritisiert. Seine Habilitationsschrift lehnt man gar ab. Doch schlussendlich müssen die Prüfer Ratzingers Klasse anerkennen, 1957 wird seine Habilitation über „Die Geschichtstheologie des Heiligen Bonaventura“ abgesegnet. Ein Jahr später tritt der erst 31-Jährige seine erste Stelle als Professor in Freising an. In kürzester Zeit wird Ratzinger über die Landesgrenzen hinaus bekannt, 1962 nimmt ihn der Kölner Kardinal Josef Frings als Berater zum II. Vatikanischen Konzil mit. In den Jahren danach sorgt Ratzinger immer wieder für Furore, beispielsweise mit seiner „Einführung in das Christentum“. Er gilt als geradezu unerhört progressiv, bei den Studenten in Münster, Bonn, Tübingen und Regesburg genießt er „Starstatus“.

 

Erzbischof von München und Freising (1977 bis 1981)
Der Erbe des Heiligen Korbinian

Die Universität ist Joseph Ratzingers Heimat, hier fühlt sich der wissbegierige Theologe wohl. Umso schwer wiegt für ihn das Jahr 1977. Im März widerfährt ihm eigentlich eine große Ehre, Papst Paul VI. ernennt ihn zum Erzbischof von München und Freising. Für Ratzinger jedoch bedeutet dies das Ende seiner wissenschaftlichen Karriere. Trotz aller schwerwiegenden Vorbehalte und erst nach einem Gespräch mit dem Beichtvater: Am 28. Mai 1977 wird aus dem Regensburger Professor Ratzinger der Erzbischof einer der einflussreichsten Diözesen in Deutschland. Nur einen Monat später erfüllt sich der kindliche Wunsch des kleinen Joseph: Ratzinger wird Kardinal, seine kirchliche Karriere hat rasant an Fahrt aufgenommen.

 

Präfekt der Glaubenskongregation (1981 bis 2005)
Der Hüter des Glaubens

„Mitarbeiter der Wahrheit“ lautet das Ratzingers Bischofsmotto. Kardinal Joachim Meisner nennt den Münchner Erzbischof „Mozart der Theologie“ – alles beste Voraussetzungen für Ratzingers nächste Aufgabe. Der Deutsche hat sich inzwischen in der ganzen Welt als „Bewahrer des Glaubens“ einen Namen gemacht, ab 1981 übernimmt er diese Funktion ganz offiziell. Papst Johannes Paul II. möchte den 64-Jährigen nach Rom holen, er soll dort der neue Präfekt der Glaubenskongregation werden. Wieder gehorcht Ratzinger, am 25. November 1981 verlässt er sein geliebtes Bayern Richtung Italien. Hier wacht er mit Argusaugen über die „Reinheit der katholischen Lehre“, Konflikte bleiben nicht aus. Fast ein Vierteljahrhundert später wartet schließlich die größte Aufgabe auf den Polizistensohn aus Marktl: Am 19. April 2005 wird Joseph Kardinal Ratzinger zum Papst Benedikt XVI. gewählt.

Simon Biallowons

Das Beste aus der katholischen Erlebniswelt