Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Das Tagebuch vom Jakobsweg

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Samstag, 11. Februar 2012 Anselm
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Logrono, am 20. März

"Ich beginne meinen eigenen Stil und Weg zu finden"

E-Mail von Claudia: Sie erzählt von einer Kirche in Logrono, der erneuten
Trennung von Michi und Erinnerungen an ihre Kindheit

 

Heute ist Etappe 15 dran, wobei ich weitergehen möchte als angegeben, da ich dann vielleicht einen Platz in einem kleinen Refugio bekommen kann. Geplant ist bis Granon. Die großen Säle gehen mir ziemlich auf die Nerven. Ich beginne mich einzugewöhnen auf dem Camino und meinen eigenen Stil und Weg zu finden.

Was ist passiert? In Logrono war ich in zwei Kirchen und machte eine schöne Entdeckung: Die Kirche war beheizt! Draußen ist es nämlich im Moment ziemlich erfrischend, und es war eine wahre Wohltat, in eine warme Kirche zu kommen. Und das ging nicht nur mir so. Es waren Leute in der Kirche, die sich unterhielten. Männer standen zusammen, Frauen und Kinder. Ein Baby schrie. Hier war Leben. Und doch boten sich Rückzugsmöglichkeiten. Räume der Stille. Das hat mich berührt. Bei uns hat man manchmal das Gefühl, man sollte sich in der Kirche besser nicht bemerkbar machen.

Gestern haben Michi und ich uns einen Buen Camino gewünscht und beschlossen, den Weg alleine fortzusetzen. Er braucht dringend eine Pause und ist nach zwei Stunden im ersten Refugio geblieben. Vielleicht sehen wir uns nach einiger Zeit wieder, vielleicht erst am 17. April am Flughafen oder, falls er eher abreist, dann eben zu Hause. Ich war nach dem Abschied doch ziemlich traurig, aber ich denke,  dass es gut so ist. Erfahrene Pilger sagen in so einem Fall: Wer weiß wozu es gut ist. Ja, so sehe ich das auch ...

Wellness für die Pilger

Beim Laufen denke ich im Moment oft an meine Kindheit zurück. Ich bin als kleines Mädchen schon gerne gelaufen. Wir haben am Stadtrand in einer ländlichen Gegend gewohnt, und da bin ich oft mit unserem Hund spazieren gegangen. Oder ich habe meine Gummistiefel angezogen und bin stundenlang in einem Bach herumspaziert. Eine Zeitlang hatte das für mich etwas Trauriges in der Erinnerung. Ich war ja in solchen Momenten alleine unterwegs. Aber inzwischen weiß ich, dass ich es gemocht habe und es auch wollte. Ich hätte ja auch zu Hause bleiben können! Das Alleinsein mag ich. Menschen um mich herum aber auch.

Jetzt ist es etwa 6.30 Uhr, und ich gehe los. Kann seit fünf Uhr nicht mehr schlafen, es sind zu viele Geräusche im Schlafsaal und zu wenig Sauerstoff!

Ich bin sehr gespannt auf die nächsten Tage - Ostern. In den Kirchen werden die Prozessionen vorbereitet. Da werden Blumen gebracht,  Ölzweige, Kreuze und Figuren werden bereitgestellt.

Sicherlich ist es gerade wegen dem Osterfest auch etwas voll auf dem Camino und in den Refugios. Viele Spanier sind für eine Woche über Ostern hier unterwegs.

Ganz liebe Grüße nach Deutschland!

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