Heute ist Etappe 15 dran, wobei ich weitergehen möchte als angegeben, da ich dann vielleicht einen Platz in einem kleinen Refugio bekommen kann. Geplant ist bis Granon. Die großen Säle gehen mir ziemlich auf die Nerven. Ich beginne mich einzugewöhnen auf dem Camino und meinen eigenen Stil und Weg zu finden.
Was ist passiert? In Logrono war ich in zwei Kirchen und machte eine schöne Entdeckung: Die Kirche war beheizt! Draußen ist es nämlich im Moment ziemlich erfrischend, und es war eine wahre Wohltat, in eine warme Kirche zu kommen. Und das ging nicht nur mir so. Es waren Leute in der Kirche, die sich unterhielten. Männer standen zusammen, Frauen und Kinder. Ein Baby schrie. Hier war Leben. Und doch boten sich Rückzugsmöglichkeiten. Räume der Stille. Das hat mich berührt. Bei uns hat man manchmal das Gefühl, man sollte sich in der Kirche besser nicht bemerkbar machen.
Gestern haben Michi und ich uns einen Buen Camino gewünscht und beschlossen, den Weg alleine fortzusetzen. Er braucht dringend eine Pause und ist nach zwei Stunden im ersten Refugio geblieben. Vielleicht sehen wir uns nach einiger Zeit wieder, vielleicht erst am 17. April am Flughafen oder, falls er eher abreist, dann eben zu Hause. Ich war nach dem Abschied doch ziemlich traurig, aber ich denke, dass es gut so ist. Erfahrene Pilger sagen in so einem Fall: Wer weiß wozu es gut ist. Ja, so sehe ich das auch ...