Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Dan Browns "verlogenes" Symbol

Liborius Verlagsgruppe Bayerisches Sonntagsblatt Liborius Magazin Liboriusblatt
Freitag, 10. Februar 2012 Wilhelm, Bruno
Aktuell|Nachrichten|Wissen|Unser Glaube|Specials|Forum|E-Cards|Spiele

Etappen Ihres Lebens: Taufe | Kommunion | Firmung | Ehe | Trauer

Drucken | Versenden | Mail an die Redaktion

Freimaurer

Foto: Wikipedia

Dan Browns Freimaurer-Thriller | Fehler im Buch | Bildergalerie: Berühmte Freimaurer | Geschichte der Freimaurer | Prinzipien der Freimaurer

 

Das verlogene Symbol

Freimaurer sind Dan Browns neuestes Thema. Wieder spielt der Bestseller-Autor mit religiösen Symbolen, und wieder führt das zu Verwirrungen. Was Katholiken über das neue Buch wissen sollten

Der Totenkopf war hohl wie eine Schale und gefüllt mit blutrotem Wein. Wie die Tradition es verlangte, hatte der Anwärter seine Reise im rituellen Gewand eines mittelalterlichen Ketzers angetreten, der zum Galgen geführt wird, mit weit aufklaffendem Hemd, sodass die blasse Brust zu sehen war; das linke Hosenbein bis zum Knie aufgerollt, den rechten Ärmel bis zum Ellbogen. Mit ruhigen Händen hob der Anwärter den Schädel an den Mund und spürte, wie seine Lippen das trockene Gebein berührte. Er schloss die Augen, hob den Schädel an und trank in langen, tiefen Schlucken...

Dan Brown, "Das verlorene Symbol"

 

Mit einem Unbekannten im Büßergewand beginnt der neue Bestseller von Kult-Autor Dan Brown. „Das verlorene Symbol“ heißt das Buch, es startet in einem dunklen Raum, in einer finsteren Atmosphäre. Die Szenerie ist nicht erfunden, sondern spielt sich regelmäßig in vielen Ländern der Welt ab. In Amerika, Frankreich, Italien und auch in Deutschland. Und zwar immer dann, wenn ein ganz besonderer Bund ein neues Mitglied aufnimmt: der Bund der Freimaurer. Sie spielen die zentrale Rolle in Dan Browns neuem Thriller und werden als Drahtzieher mit immensem Einfluss, Hüter uralter Geheimnisse und am Ende sogar als Retter der Welt dargestellt.

Dan Brown tut das brillant, das Buch ist von Beginn an packend und am Ende sogar verstörend. Das liegt daran, dass Brown ohne Rücksicht mit Mythen und Riten, Symbolen und Religionen spielt. Fakten und Fiktion werden vermischt und so mit einander kombiniert, dass sich Browns Darstellungen sehr plausibel lesen. Gerne möchte man sie glauben. Doch das ist falsch. Brown verzerrt auf diese Weise ganz bewusst das Bild von Religionen und Denkrichtungen. Das Bild der Freimaurer gestaltet er überaus positiv, während das Christentum eher negativ dargestellt wird. Aber das hat ja bei Brown Tradition. „Das verlorene Symbol“ führt den Kampf weiter, den der US-Amerikaner im Sakrileg begonnen hatte. Dort hatte er offen und offensichtlich die katholische Kirche diskreditiert. In seinem neuen Werk geht Brown viel subtiler vor. Er deutet wesentliche Symbole und Aussagen des Christentums, gibt ihnen andere Nuancen und bietet neue Erklärungen. Erklärungen, die oft falsch sind.

Browns Buch wimmelt von falschen Aussagen. Klicken Sie auf das Bild!

Freimaurer wollen die Welt besser machen und schaffen Gott dafür ab

Die Freimaurer haben sich offiziell dem Ziel verschrieben, die Welt und vor allem sich selbst besser zu machen. Sie sollen an sich arbeiten wie an einem unbehauenen Stein. Der Mensch ist wie ein Tempel, an dem gebaut werden soll. Er soll als Heiligtum begriffen werden. Das ist gefährlich. Nietzsche sagte schon, dass wenn ein Heiligtum errichtet werden soll, ein anderes gestürzt werden muss. Dieses Heiligtum ist bei Nietzsche wie bei den Freimaurern Gott. Gott soll gestürzt werden, damit der Mensch aufsteigt. Er soll an die Stelle des Schöpfers treten. Dieser Wunsch ist für Christen eine unerträgliche Blasphemie.

Dan Brown schließt sich diesem Gedanken an. In seinem Buch lässt er den Hauptprotagonisten Robert Landon mit Warren Bellamy diskutieren. Der ist der Architekt des Kapitols in Washington und ranghoher Freimaurer. Bellamy sagt: „Und wenn wir akzeptieren, wie es in der Genesis steht, dass Gott den Menschen nach seinem Ebenbild erschaffen hat, müssen wir ebenso akzeptieren, dass die Menschheit nicht minderwertiger ist als Gott selbst.“ Als Beleg führt der Freimaurer das Lukasevangelium an und zitiert es so: „Das Reich Gottes ist inwendig in euch.“

An dieser Stelle zeigt sich die ganze Raffinesse Browns. Er beruft sich auf die Bibel und gibt einen scheinbar genauen Hinweis: das Evangelium des Lukas, Kapitel 17, Vers 20. Nur gibt es ein Problem: Dieser Hinweis ist formal und inhaltlich falsch. Die Stelle steht im Vers 21, das ist das eine. Vor allem aber lautet die Übersetzung ganz anders. In der Elbfelder Bibel, die wohl originaltreueste Übersetzung, heißt es: „Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.“

Sind Menschen Götter?

Das ist ein bedeutender Unterschied. Jesus meint, dass das Reich Gottes schon da ist, also unter den Menschen. Es ist mit Jesu Geburt angebrochen, und in der Welt, weil Jesus in der Welt ist. Der Mensch soll an diesem Reich mitarbeiten. Er ist Mitarbeiter Gottes, nicht Gott selbst – das nämlich steht in der Bibel: „Jahwe ist der Gott, kein anderer ist außer ihm.“

Noch klarer wird Dan Browns Strategie an einer anderen Stelle. Wieder geht es um das zentrale Anliegen der Freimaurer, zumindest so wie es Brown versteht, und zwar um angebliche die Göttlichkeit des Menschen. Browns Behauptung diesmal: Die Bibel würde schreiben, dass Menschen Götter sind. Beweisen soll das der Psalm 82,6. Schlägt man dann diesen Psalm auf, steht dort tatsächlich: „Ihr seid Götter.“ Aber eben auch direkt im Anschluss: „Ihr alle seid Söhne des Höchsten.“ Keine Spur davon, dass die Bibel die Menschen auf einer Stufe mit Gott stehen sieht. Sie sagt ganz klar: Gott ist der Höchste, und wir sind seine Söhne.

Fotos: Wikipedia und Bundesbildarchiv
Sie kennen niemanden, der bei den Freimaurern war? Klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie und begegnen Sie prominenten Freimaurern!

Dan Brown verkürzt, verschweigt und verfälscht

Aber so funktioniert Browns System: Er kritisiert das Christentum nicht direkt, sondern unterstellt ihm Aussagen und Überzeugungen, um es indirekt zu widerlegen oder umzudeuten. Dass der Autor dabei oft Passagen verkürzt oder falsch zitiert, grenzt an Böswilligkeit. In jedem Fall entstellt er die Inhalte des christlichen Glaubens.

Dabei war natürlich von vorneherein klar, dass „Das verlorene Symbol“ kein Bibelfachbuch, sondern ein Thriller ist. Und zwar ein hervorragender Thriller. Brown gelingt es nämlich von Beginn an, Spannung und Nervenkitzel zu erzeugen. Aber leider auch Unbehagen und Beklommenheit. Christen könnten sich durchaus fragen: Stimmt es wirklich, dass unsere Bräuche im Prinzip heidnisch sind und wir ihre Bedeutung gar nicht kennen? Dass die Bibel Symbole verwendet, die identisch mit den Zeichen der Freimaurern sind? Dass, so eine der zentralen Thesen, die Bibel nichts anderes ist als die alten Schriften der Freimaurer?

Diese Angst wäre unbegründet. Dan Brown analysiert nicht, sondern interpretiert und spekuliert. Ein schönes Beispiel: Die Zahl 33 ist die vielleicht wichtigste Zahl der Freimaurer. Der höchste Rang, den man im so genannten Schottischen Ritus – der Königritus der Freimaurer – erreichen kann, ist der 33. Die Zahl kehrt immer wieder, laut Brown auch in der Bibel. Er lässt seinen Helden Robert Langdon darüber ausführlich sinnieren: „Es war kein Zufall, dass man Christen lehrte, Jesus sei mit 33 Jahren gekreuzigt worden, obwohl es keinen dahingehenden historischen Beweis gab. Ebenso wenig war es ein Zufall, dass es hieß, Josef sei 33 Jahre alt gewesen, als er die Jungfrau Maria geheiratet habe, oder dass Jesus 33 Wunder gewirkt habe, dass Gottes Name 33 Mal in der Genesis erwähnt wurde.“ Das klingt wirklich beunruhigend. Aber abgesehen davon, dass längst alle seriöse Theologen im Bezug auf Jesus eine strikte Altersangabe ablehnen und selbst der Evangelist Lukas nur eine „In-etwa-Angabe“ gemacht hat, sind die anderen Zahlen erfunden. Je nach Zählweise wirkt Jesus zum Beispiel 32 oder 35 Wunder, aber eben nicht 33. Und die Behauptung, dass Gott 33 Mal in der Genesis erwähnt wird, ist  lächerlich. Allein im 1. Kapitel taucht der Name 32 Mal auf. Die heilige Zahl der Freimaurer kommt in der Bibel genauso privilegiert vor, wie viele andere auch.

Hat die Seele ein Gewicht? Bei Dan Brown schon.

Es gibt zahlreiche Stellen, die ebenfalls falsch sind. Eine Passage allerdings wirft so viele Fragen auf, dass sie hier nicht übergangen werden kann. Als Katherine, die Schwester des obersten Freimaurers Peter Solomon, in einer schier aussichtslosen Situation steckt, erinnert sie sich an Szenen, die sie gemeinsam mit ihrem Bruder erlebt hat. Sie ist Wissenschaftlerin und hat sich dem Gebiet der Noetik verschrieben. Diese Lehre behauptet, dass mentale Vorgänge direkte materielle Folgen hätten. Gefesselt auf einen Altar und völlig verzweifelt denkt Katherine daran, wie sie Peter ein ganz besonderes Experiment zeigte: das Wiegen der Seele. Dabei wurde ein Sterbender in einen völlig dichten Glaskasten gelegt und dann gewogen. Nach seinem Tod wurde erneut das Gewicht kontrolliert, die Überraschung: Der Tote war leichter. Und da aus dem Kasten nichts sichtbar ausgetreten war, folgerte Katherine daraus, dass die Seele ein Gewicht haben müsse, aus dem Körper ausgetreten und daher der Tote leichter sei.

Das ist eine sehr alte Vorstellung. Sie stammt aus dem ägyptischen Totenkult, der es Brown insgesamt sehr angetan hat. Die so genannte „Psychostasie“ hat auch den christlichen Volksglauben stark beeinflusst. Vor allem im Mittelalter glaubte man daran, und selbst noch im 20. Jahrhundert versuchten Wissenschaftler die Seele zu finden und zu berechnen. Der amerikanische Arzt Duncan MacDougall führte deshalb obszöne Experimente, um zu der „Erkenntnis“ zu gelangen: Die Seele wiegt 21 Gramm. Dieses Ergebnis wurde schnell widerlegt, die Kirche lehnte diese Vorstellung ohnehin ab. Und auch bei Brown findet sich ein einfacher, aber entscheidender Denkfehler: Wenn aus diesem Glaskasten nichts Materielles heraus kann, die Seele aber Gewicht hat und daher materiell ist, kann auch sie nicht aus dem Glaskasten entweichen. Wenn sie doch heraus kann, ist sie wiederum nicht materiell und hat kein Gewicht. Entweder oder.

Es gäbe natürlich eine Denkalternative: Die Seele könnte ja im Körper materiell sein und Gewicht haben, im Zustand des Sterbens aber immateriell werden und so den Glaskasten verlassen, und dann außerhalb des Kastens wieder einen materiellen Zustand annehmen. Doch so eine Behauptung wäre absurd. So absurd, dass sie nicht einmal Dan Brown andeutet. Er belässt es lieber bei Andeutungen und reiner Fiktion. Denn genau so funktioniert „Das verlorene Symbol“. Man kann das neue Werk von Dan Brown deshalb wirklich gefahrlos lesen – nur ernstnehmen kann man es nicht.

Simon Biallowons




Übermittlung Ihrer Stimme...
3.6 (36 x bewertet)


Die Kommentare der Liborius-User:


von Michael_

am Dienstag, 29. November 2011

Sind Menschen Götter?

Das ist ein bedeutender Unterschied. Jesus meint, dass das Reich Gottes schon da ist, also unter den Menschen. Es ist mit Jesu Geburt angebrochen, und in der Welt, weil Jesus in der Welt ist. Der Mensch soll an diesem Reich mitarbeiten. Er ist Mitarbeiter Gottes, nicht Gott selbst – das nämlich steht in der Bibel: „Jahwe ist der Gott, kein anderer ist außer ihm.“

1. Johannes 3,1:
Meine Lieben, wir sind nun Gottes Kinder; und es ist noch nicht erschienen, was wir sein werden. Wir wissen aber, wenn es erscheinen wird, daß wir ihm gleich sein werden; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.

Übermittlung Ihrer Stimme...
3.0 (1 x bewertet)
 

von Ein Freidenker

am Montag, 10. Januar 2011

Ihr Zitat: „Das verlorene Symbol“ führt den Kampf weiter, den der US-Amerikaner im Sakrileg begonnen hatte. Dort hatte er offen und offensichtlich die katholische Kirche diskreditiert."

Das sich die Kirche als Institution schon lange selber diskreditiert scheint Ihnen entgegangen zu sein. Warum hat die Kirche eine solche Angst, mit anderen Meinungen konfrontiert zu werden? Welche geschichtlichen Fehltritte der Kirche müssen wir denn aufzählen, um einwandfrei die Unfehlbarkeit der Kirche zu beweisen?

1) Kindesmissbrauch?
2) Inquisition & Massenmord?
3) Intrigen & Zensur?
4) ....

Es gibt viele Fehltritte, Fehltritte deshalb, weil die Botschaft des neuen Testaments offensichtlich nicht verstanden wurde oder wissentlich und aus niederen Motiven (>Macht) ganz einfach vergessen wurden.

Hat Jesus nicht die Geldwechsler aus dem Tempel vertrieben? Warum besitzt die Kirche eine Bank?

Wurden nicht in der Vergangenheit die Nicht-Gläubigen verfolgt und während der Inquisition getötet? War das Gottes Wille?

Zitat: Der Mensch soll an diesem Reich mitarbeiten. Er ist Mitarbeiter Gottes, nicht Gott selbst – das nämlich steht in der Bibel: „Jahwe ist der Gott, kein anderer ist außer ihm.“

Auf Ihrer Webseite publizieren Sie die Pflicht eines Christen ist die Anerkennung der Unfehlbarkeit des Papstes. Ist er denn Jesu Christi gleichwertig obwohl er ein Mensch ist?

Es gbt soviele Besipiele für die Probleme der Kirche. Wenn Sie schon vor einem Thriller Autor Angst hat, dann zeigt sie die genau die Zeichen, die sie gerade Schönreden wollen.

Übermittlung Ihrer Stimme...
5.0 (4 x bewertet)
 

von FAH

am Sonntag, 11. April 2010

den kommentar von Faceless steht für mich in bester brown tradition - einfach mal behaupten.^^

was in der "gewicht der seele disku" viel spannender finde: wieviel wiegt die energie eines gedankens? wenn sämtliche leistungen des gehirns im system als neuronale muster abgespeichert bzw verarbeitet werden geht das doch letztlich nicht ohne elektrische impulse. und die masse eines elektrons ist bekannt: 9,109 382 15(45) · 10−31 kilogramm.

ich weis nicht ob diese elektronen mit dem tod den körper verlassen, aber man darf deren gesamtmase wohl getrost als unbedeutend im vergleich zur gesamtkörpermasse ansehen. und auch im vergleich zu 21 gramm!

wie dan es immer macht: einfach mal behaupten (das kann er aj auch so schön plausibel) und die disku darüber mysterös kommentieren ("bloss nicht festlegen lassen"). das ist hardcorebelletristik - eine solche informationsunschärfe würde man einem autor eines mittelalterromans nie durchgehen lassen.

ich habe hier im netz keine quelle gefunden die die aussage stützt noetik mentale vorgänge direkte materielle folgen haben müssen. das scheint ein winziger randaspekt der "erkenntnistheorie noetik" zu sein, die im allg. als die lehre vom geistigen erkennen der dinge" beschrieben wird.
und das sich dan brown bei seiner schon systematisch eingesetzten informationsunschärfe damit beschäftigt, da habe ich überhaupt nichts dagegen. ;)

ps: schon "Die Prophezeiungen von Celestine" von James Redfield sind dagegen hoch seriös. da weis man wo man dran ist.^^

pps: wenn sich gefährliches halbwissen mit wilden behauptungen zu einer geschichte verbinden verwirrt das die menschen mehr als das es aufklärt. und nochviel schlimmer: es verfehlt seinen hauptzweck - ich will GUT unterhalten werden!

Übermittlung Ihrer Stimme...
3.0 (3 x bewertet)
 

von Faceless

am Donnerstag, 4. März 2010

Simon Biallowons - Wohl eindeutig Christ!

Übermittlung Ihrer Stimme...
4.0 (8 x bewertet)
 
 

Ihre Meinung zu diesem Thema (Sie müssen nicht angemeldet sein):

Ins Gästebuch eintragen
  (wird nicht angezeigt)
(* Pflichtfeld)

Das Beste aus der katholischen Erlebniswelt