Karl Mays "Winnetou" und der "Knigge" entkamen gerade noch. Victor Hugos Glöckner von Notre Dame aber gehörte dazu. Werke von Kopernikus, Luther, Kant, Sartre und Zola. Schriften von Kirchenvätern wie Thomas von Aquin und antike "Klassiker" von Aristoteles, Platon, Hippokrates und Ovid. Der "Index verbotener Bücher" (Index librorum prohibitorum) listet insgesamt 6000 Bücher auf. Bis zum Jahr 1966 galt: Wer eines dieser Werke las, konnte von der Kirche exkommuniziert werden. Papst Benedikt XVI. stimmte einer ZDF-Dokumentation zu, die Licht in das dunkle Kirchenkapitel bringen soll und in der Karwoche ausgestrahlt wird.
Seit 1998 haben Wissenschaftler Zugang zu den ehemals gesperrten Archiven des Vatikans. Zu verdanken ist dies wesentlich Papst Benedikt XVI., damals noch Kardinal Joseph Ratzinger, der auch den Dreharbeiten des ZDF zustimmte. An der Dokumentation arbeitete der Münsteraner Kirchenhistoriker Hubert Wolf mit, der als einer der wenigen Wissenschaftler bereits seit 1992 an Ort und Stelle forschen darf.
Die zweiteilige Dokumentation "Index - Die schwarze Liste des Vatikan" des ZDF (7. und 8. April) will Antworten auf große Fragen finden: etwa, warum die katholische Kirche seit dem Zeitalter der Reformation bestimmte Bücher verbot, welche aufsehenerregende Fälle es im Laufe der Geschichte gab und wie es heute um die Zensur in der katholischen Kirche und der Gesellschaft bestellt ist.
Wolf von Lojewski, lange Jahre Chef des "Heute-Journals", führt als Moderator durch den Film. Lojewski bezeichnete es "die Erfüllung eines großen Traums", einen Einblick in die kilometerlangen Akten der Index-Kongregation und damit auch in 400 Jahre europäischer Geistesgeschichte bekommen zu haben.
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