Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: ohannes Paul II. - Der politische Papst

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Samstag, 11. Februar 2012 Anselm
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Johannes Paul II. - Der politische Papst

Friede auf Erden

Er hat zum Fall des Kommunismus beigetragen. Er hat sich im Nahen Osten engagiert. Er wurde zum heftigsten Gegner des Irak-Krieges. Kein Papst war politischer als Johannes Paul II.

Am Ende seines Pontifikats geißelte Johannes Paul II. den Irak-Krieg. Sein Gegner: US-Präsident George Bush (Foto: Sipa Press)

„Mit Ihrer Mission haben Sie Millionen Menschen Hoffnung gegeben und die Botschaft des Friedens in die Welt getragen.“ Mit diesen Worten überreichte Michail Gorbatschow Johannes Paul II. den „World Tolerance Award 2002“. Es war ein Zeichen der Anerkennung der Bemühungen des Papstes für den Weltfrieden, die das gesamte 27-jährige Pontifikat des Heiligen Vaters prägte.
Mit seiner ganzen Kraft setzte sich Papst Johannes Paul II. gegen Kriege, Menschenrechtsverletzungen und Ungerechtigkeiten, für die Freiheit der Religionen und Frieden ein. Dafür reiste der Papst über 100-mal in alle Welt, dafür empfing er während seiner Amtszeit über 700-mal Staats- und Regierungschefs im Vatikan. Johannes Paul II. machte deutlicher als jedes andere Oberhaupt der katholischen Kirche, dass sein Auftrag, die Botschaft Jesu Christi in die Welt zu tragen, ein höchst aktueller und auch politischer ist. Und er stellte klar, dass der Vatikan nicht nur die Zentrale einer bedeutenden Glaubensgemeinschaft ist, sondern eine ernst zu nehmende politische Instanz.
Zuletzt setzte der Papst seine politische Macht in den ersten Monaten des Jahres 2003 ein – kurz vor Ausbruch des Irak-Krieges. Scharf geißelte er die Angriffspläne der Amerikaner, unermüdlich warb er für den Frieden, in seinem Amtssitz traf er sich mit den Mächtigen der Welt – Anhängern wie Gegnern des Krieges. Den Krieg konnte er nicht verhindern, aber sein berühmtes Zitat aus dieser Zeit ist Mahnung für die Zukunft: „Krieg ist niemals ein unabwendbares Schicksal. Krieg ist immer eine Niederlage für die Menschheit“.
Mit seinem Einsatz gegen den Irak-Krieg stand Johannes Paul II. an der Spitze einer weltweiten Friedensbewegung, aber der Papst erhob seine Stimme auch immer für die, die selbst keine Stimme haben: In Südafrika wetterte er gegen die Rassentrennung, im Sudan warnte er vor weiteren Christenverfolgungen, in den Slums von Manila erinnerte er an die menschliche Würde.
Ein besonderes Anliegen war dem Papst von Anfang an die Entwicklung im Nahen Osten: Bei seiner ersten Rede vor den Vereinten Nationen beschwor er damals die Welt, Israel genauso als eigenen Staat zu akzeptieren, wie es notwendig sei, ein Land für die Palästinenser zu schaffen. PLO-Führer Jassir Arafat gehörte daraufhin zu den häufigsten Gästen im Vatikan, auch mit den israelischen Ministerpräsidenten traf sich Johannes Paul II. oft.
Höhepunkt für den Papst: seine Reise ins Heilige Land im Jahr 2000. Wie eng Religion und Politik miteinander verknüpft sind, demonstrierte er bei seiner eindrucksvollen Ansprache in der jüdischen Gedenkstätte Yad Vashem, wo er unter anderem sagte: „Lasst uns eine neue Zukunft bauen, in der es nie mehr anti-jüdische Gefühle unter Christen oder antichristliche Gefühle unter Juden gibt, sondern vielmehr gegenseitigen Respekt.“

„Im Sommer 1979 verminte der Papst das Sowjetreich, 1989 flog es in die Luft“

Unbestritten ist die Rolle von Karol Wojtyla und seine Geheimdiplomatie beim Zusammenbruch des Kommunismus: Auf seiner ersten Polenreise 1979 gab er Millionen Landsleuten Hoffnung und unterstützte die Solidarnosc-Bewegung von Gewerkschaftsführer Lech Walesa. Nach dem triumphalen Besuch schrieb DDR-Staatschef Erich Honecker nach Moskau: „Ich fürchte, das sozialistische Polen geht uns verloren.“ Als ein Jahr später der sowjetische Einmarsch in Polen drohte, sandte Johannes Paul II. eine deutliche Warnung an KPdSU-Chef Leonid Breschnew. Der militärische Konflikt blieb aus. Wo er konnte, hat sich der Papst mit Kommunisten getroffen, um für die unterdrückte Bevölkerung Freiräume im täglichen Leben auszu-handeln. Und genauso traf er Vertreter der Opposition, ermutigte sie und mahnte den waffenlosen Kampf an. Der polnische Diktator Wojciech Jaruzelski sagte später: „Im Sommer 1979 verminte der Papst das Sowjetreich, 1989 flog es in die Luft.“ Johannes Paul II., der als Student das Nazi-Regime in seinem Heimatland und in den drei Jahrzehnten danach die Unterdrückung von Christen durch die sozialistischen Machthaber erlebt hatte, drückte es so aus: „Der Baum war schon in seinem Inneren verfault. Ich habe ihn nur noch ordentlich geschüttelt, und dabei sind die verfaulten Äpfel heruntergefallen.“
1989 traf Johannes Paul II. den sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow, aus dessen Händen er 13 Jahre später den „World Tolerance Award“ entgegennahm. So schließt sich der Kreis eines Pontifikats, das die Weltpolitik des letzten Vierteljahrhunderts entscheidend mitbestimmte.

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