Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Johannes Paul II. – Der private Papst

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Samstag, 11. Februar 2012 Anselm
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Johannes Paul II. – Der private Papst

Mensch, Papst!

Früher ließen sich Päpste nur in würdevollen Posen ablichten. Bis Johannes Paul II. kam. Seitdem gibt es Fotos von einem Papst im Skianzug, einem Pontifex mit einem Koala im Arm und einem Heiligen Vater, der Grimassen schneidet

Ein Papst beim Skifahren oder mit Koala auf dem Arm: Bei Johannes Paul II. mussten die Menschen immer auf Überraschungen gefasst sein (Fotos: dpa)

An jenem 16. Oktober 1978 waren die weißen Schwaden über der Sixtinischen Kapelle kaum verraucht, da bekam die Welt eine Ahnung davon, dass im Vatikan eine neue Zeit angebrochen war. Papst Johannes Paul II., der noch einige Stunden zuvor Kardinal Karol Wojtyla gewesen war, trat zum Petersplatz hinaus und rief einer ebenso erstaunten wie begeisterten Menge zu: „Ich weiß nicht, ob ich mich in eurer … äh, unserer Sprache gut ausdrücken kann. Wenn ich Fehler mache, korrigiert mich!“, sagte jener Papst, der dann während seines Pontifikats den Ostersegen „Urbi et Orbi“ in mehr als 60 Sprachen spendete.
Neu war im Vatikan: ein Papst mit der Fähigkeit zur Selbstkritik und Ironie. Ein Papst mit Hobbys. Ein Papst als Sportfanatiker, der es nicht leiden konnte, wenn seine Bischöfe und Kardinäle an Gewicht zulegten. „Treibt ihr denn keinen Sport? Wie seht ihr eigentlich aus?“ soll er bestimmte Kandidaten schon mal angeherrscht haben. Immerhin ging der polnische Papst mit gutem Beispiel voran: Er war begeisterter Bergwanderer, Ski- und Kajakfahrer. Als Jugendlicher stand er im Tor seiner Fußballmannschaft und feuerte bis zuletzt Polen bei jedem Länderspiel an. In der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo spielte er Tennis und ließ einen Pool bauen. Er war aber auch der erste Heilige Vater, der außerhalb des Sommersitzes Urlaub machte. Ein „Skandal“ ersten Ranges: Seit seinem Winterurlaub 1984 in Adamello gibt es Fotos von einem Papst im Skianzug.

"Hallo, ich bin der Papst, wie geht es Ihnen?

Spontanität war eines der Markenzeichen von Johannes Paul II. Auf Auslandsreisen konnte es vorkommen, dass er der Bitte eines Gläubigen folgte und spontan dessen Cousine zwei Blocks weiter aufsuchte: „Hallo, ich bin der Papst, wie geht es Ihnen?“ Ins Schwitzen kamen auch Redakteure des italienischen TV-Senders RAI 1, weil ein Mann in der Leitung war, der sich penetrant als „il papa“ ausgab und die jüngste Berichterstattung über den Vatikan kritisierte. Es mussten viele offizielle Nummern gewählt werden, bis die Fernsehleute überzeugt waren, dass es der Papst persönlich war, der da bei ihnen anrief.
Johannes Paul II. wird als erster Medienpapst in die Geschichte eingehen: Er nutzte die Macht der Medien bei offiziellen Auftritten, und er nutzte die neuesten Medien privat. Sein Sekretär Stanislaw Dziwisz brachte ihm den Umgang mit dem Computer bei, die erste E-Mail aus dem Vatikan schickte der Papst.
Dass er auch weltlichen Dingen gegenüber aufgeschlossen ist, bewies die Natürlichkeit, mit der er sich in der Öffentlichkeit bewegte, ohne seine Würde zu verlieren – ob er mit einem Koalabären posierte oder für die Fotografen Grimassen schnitt. Gerne kokettierte er auch mit seinem Amt. Als er zu Beginn seines Pontifikats bei einem offiziellen Auftritt darauf hingewiesen wurde, dass er die Gläubigen noch segnen solle, sagte er: „Verzeiht mir, ich muss den Job noch lernen.“

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