Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Johannes Paul II. in Deutschland

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Samstag, 11. Februar 2012 Anselm
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Johannes Paul II. in Deutschland

Herzlich willkommen, Heiliger Vater!

1980, 1987 und 1996: Dreimal kam Papst Johannes Paul II. nach Deutschland und begeisterte Millionen von Pilgern

Ein historischer Moment: Johannes Paul II. schreitet 1996 mit Bundeskanzler Helmut Kohl durch das Brandenburger Tor (Foto: Sipa Press)

Es ist der 15. November 1980: Erstmals seit fast 200 Jahren wird ein Papst wieder deutschen Boden küssen! 500.000 Deutsche warten trotz unfreundlichen Novemberwetters am Flughafen Köln-Bonn auf den Neuen: Karol Wojtyla, seit zwei Jahren Papst Johannes Paul II. Sie warten auf den Mann, der der katholischen Kirche in seiner noch kurzen Amtszeit ein menschliches, warmes und offenes Gesicht gegeben hat. Als er aus dem Flugzeug tritt, jubelt die Menge: Der Papst ist da! Er erobert die Herzen der Deutschen im Sturm. 1,5 Millionen Menschen werden in den fünf Tagen seines Besuchs zu den Gottesdiensten mit ihm strömen. Zwei Drittel der Deutschen sind vom katholischen Oberhirten begeistert, findet ein renommiertes Institut heraus.
Und das im Land des Reformators Martin Luthers! Jenes Mannes, der die christliche Kirche einst in katholisch und evangelisch entzweite. In jenem Land, in dem jeder Papst von der Hälfte der Bevölkerung ganz automatisch mit äußerst gemischten Gefühlen betrachtet wird – war und ist doch das Papsttum seit Luther für die evangelischen Christen ein Dorn im Auge.
Doch Papst Johannes Paul II. nutzt diese Situation: Gerade in Deutschland gibt er die Signale der Annährung zwischen den beiden großen christlichen Kirchen. Gerade hier betont er die Gemeinsamkeiten. Während seiner ersten Deutschlandreise nennt er sich bei einem Treffen mit Vertretern des Rates der Evangelischen Kirche „Pilger“ und ruft zu Verbundenheit und Umkehr auf.
Auch bei seiner 2. Reise nach Deutschland vom 30. April bis 4. Mai 1987 steht die Ökumene im Mittelpunkt. In Augsburg und Speyer bekräftigt der Papst seinen Willen zur gemeinsamen Annäherung. Seine Botschaft: „Die Geschichte des Christentums soll jetzt neu beginnen, und zwar durch Euch!“ Als er 16 Jahre nach seinem ersten Besuch bei seiner dritten Reise in Deutschland erneut Vertreter der evangelischen Kirche trifft, ist das längst selbstverständlich. Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche, Landesbischof Klaus Engelhardt, nennt ihn „lieben Bruder in Christus“, der Papst wiederum betont die gemeinsame Pflicht, Barrieren abzubauen und die Gemeinsamkeiten zu stärken.

„Wir Deutsche haben dem Heiligen Vater viel zu verdanken“, sagt Karl Kardinal Lehmann

Es ist das wiedervereinigte Deutschland, das er vom 21. bis 23. Juni 1996 besucht. Seine Rolle beim der Fall der Mauer ist unbestritten: Papst Johannes Paul II. hat Wesentliches dazu beigetragen. „Wir Deutsche haben dem Heiligen Vater viel zu verdanken“, erklärt Kardinal Karl Lehmann, der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz. Auch Bundespräsident Roman Herzog dankt dem Papst für seine aktive Rolle beim Fall des Eisernen Vorhangs und der Wiedervereinigung Deutschlands.
Und wieder ist der Papst einen Schritt weiter: Bei aller Freude über den Zusammenbruch des marxistischen Ostblocks, so seine Botschaft vor Hunderttausenden Besuchern, die erneut zu seinen Gottesdiensten strömen, darf nicht vergessen werden, dass auch blanker Kapitalismus und radikaler Individualismus die Gesellschaft schädigen und zerstören. Mahnende Worte eines gesundheitlich schwer angeschlagenen und vom Alter gezeichneten Papstes, der sich bei seinem dritten und letzten Besuch in Deutschland erneut Respekt verdient und die Herzen der Menschen erobert.  
Auch in den Folgejahren bleibt Papst Johannes Paul II. für die Deutschen eine wichtige Stimme in bedeutenden Fragen. Ob Krieg im Irak, Schwangerschaftskonfliktberatung, Homo-Ehe, Zölibat, Zulassung von Frauen zum Priesteramt, gemeinsames Abendmahl – auch wenn die Meinungen auseinander gehen und in der Öffentlichkeit zuweilen heiß diskutiert werden: Kein Kritiker kommt umhin, die Friedensappelle des polnischen Papstes zu würdigen, seine Kritik an Neokapitalismus und Globalisierung, sein klares Nein zu Manipulationen am menschlichen Erbgut.
Es gab keinen anderen Mann, dessen Redlichkeit und guter Wille immer völlig außer Frage standen. Im Herzen wussten die Deutschen immer: Die Würde und die menschliche Größe des kranken, pflichtbewussten Mannes konnte man nur bewundern.

Seine Reise um die Welt

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JP II. privat

Die Seligsprechung

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