Meine 17-jährige Tochter hat seit einem halben Jahr einen Freund. Es ist ein netter Junge, und ich freue mich sehr, dass sie die erste Liebe so harmonisch erleben darf. Jetzt hat mir meine Tochter gesagt, dass sie die Pille nehmen möchte. Und als gläubige Katholikin bin ich hin- und hergerissen. Einerseits ist die Pille mit meiner Einstellung nicht vereinbar, andererseits möchte ich aber auch nicht, dass meine Tochter schwanger wird. Ich fürchte, es wird nicht viel bringen, ihr zu raten, mit der körperlichen Liebe noch zu warten, und andere Verhütungsmethoden halte ich selbst für eher unsicher. Darf ich mir sagen, dass es ihre Entscheidung ist, oder ziehe ich mich damit nur feige aus der Affäre?
Marlies G., Vilsbiburg
Sie sollen Ihrer Tochter sagen, wie Sie selbst mit der Situation umgehen würden und warum Sie die Pille ablehnen. Es geht dabei nicht nur um moralische Fragen, sondern um die Frage, ob die Pille einem wirklich gut tut. Man weiß heute, dass sie auch Nebenwirkungen hat und dass sie nicht unbedingt das Gespür für das Geheimnis der Sexualität fördert.
Aber es ist die Entscheidung Ihrer Tochter. Und diese Entscheidung sollten Sie ihr lassen. Sie ziehen sich nicht feige aus der Affäre. Sie können es ihr ja sowieso nicht verbieten. Wenn Sie es verbieten, gibt es genügend Möglichkeiten, sich die Pille selbst zu beschaffen. Vertrauen Sie darauf, dass Ihre Tochter verantwortlich damit umgeht.
Ihr Pater Anselm Grün