Muss ich tatenlos zusehen? Mein Mann und ich haben uns immer Kinder gewünscht. Allerdings haben wir uns nach mehreren Fehlgeburten und der traurigen Diagnose, dass wir aufgrund einer unglücklichen Genkombination vermutlich keinen gesunden Nachwuchs bekommen können, schweren Herzens von diesem Wunsch verabschiedet. Meine Patentochter ist nun in einer ähnlichen Situation wie ich damals vor 30 Jahren. Die umstrittene Präimplantationsdiagnostik (PID) könnte ihr jedoch weiterhelfen. Darf ich ihr als Christin dazu überhaupt raten?
Hannelore z., Oldenburg
Zur Präimplantationsdiagnostik würde ich nicht raten. Sie ist ein Eingriff, der uns nicht zusteht. Sie können die Ärzte konsultieren, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass Ihre Patentochter ein Kind mit Behinderung bekommen wird. Nachdem Sie sich informiert haben, würde ich aber beten und vertrauen, dass Gott die Familie und ihr Kind schützen wird. Und selbst wenn das Neugeborene behindert sein wird, kann es zum Segen für die Familie werden. Ich habe schon zweimal erlebt, dass Ärzte Frauen geraten haben, ihr Kind nicht auf die Welt zu bringen, sondern abzutreiben, weil es behindert sein könnte. Doch beide Frauen haben sich für das Kind entschieden und ihm das Leben geschenkt. Und es war jeweils ganz gesund. Wir haben nie absolute Gewissheit, ob unser Kind gesund zur Welt kommt. Wir sollen das tun, was in unserer Hand liegt. Und im Übrigen sollen und dürfen wir auf Gottes Segen vertrauen.
Ihr Pater Anselm Grün
Link: „Zulassung der Präimplantationsdiagnostik wäre ein Dammbruch“