Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Das Kindergeschrei in der Kirche stört mich!

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Das Kindergeschrei in der Kirche stört mich!

Letzten Sonntag habe ich mich während des Gottesdienstes ziemlich geärgert: Eine Mutter hatte ihr kleines Kind dabei, das ständig in der Kirche herumgelaufen ist und dabei ganz laut vor sich hingeplappert hat. Dadurch war ich so abgelenkt, dass ich mich beim besten Willen nicht mehr auf die Predigt konzentrieren konnte. Das schien auch anderen so zu gehen, manche haben sich genervt umgedreht und die Mutter böse angeschaut. Darf ich mich über Kindergeschrei in der Kirche empören? Wie soll ich mich in so einer Situation verhalten?
Jutta M. (63), Merzig

Auf der einen Seite sollten wir uns freuen, wenn Mütter mit kleinen Kindern den Gottesdienst besuchen. Und es braucht sicher auch eine gute Toleranz, um das Verhalten der Kinder zu ertragen. Denn Kinder können kaum den ganzen Gottesdienst über ganz still sitzen bleiben. Aber es gibt auch Grenzen.

Wenn ein Kind laut schreit, dann signalisiert es, dass es sich hier im Gottesdienst nicht wohlfühlt. Dann soll man das Kind auch nicht mit Gewalt im Gottesdienst halten. Sonst ist es für das Kind und für die Mutter eine Zumutung. Wenn Kinder in der Kirche herumlaufen, ohne Lärm zu machen, dann soll man das dulden. Ich muss ja nicht hinschauen und brauche mich nicht davon ablenken zu lassen. Wenn das Kind während der Predigt aber laut spricht, dann kommt es in der Kirche in eine Machtposition. Und dann tut es weder dem Kind gut, das mit dieser Macht noch nicht angemessen umgehen kann, noch den Teilnehmern, die sich dann davon gestört fühlen.

Es hat wenig Sinn, während des Gottesdienstes laut gegen das Verhalten eines Kindes zu protestieren. Denn sonst trauen sich Mütter gar nicht mehr in die Kirche mit ihren Kindern. Aber es ist durchaus angebracht, nach dem Gottesdienst in aller Ruhe mit der Mutter zu sprechen, ob es während der Predigt nicht andere Möglichkeiten gibt für das Kind. Es wäre sicher auch eine Frage an die Gemeinde, ob sie eben für die Kinder während des Gottesdienstes Kindergottesdienste anbietet. Einige Mütter halten für die Kinder extra Gottesdienste und kommen dann zum Vaterunser wieder in die Gemeinde. Hier ist die Phantasie der Gemeinde gefragt.

Ihr Pater Anselm Grün

 

Die Kommentare der Liborius-User:


von GS

am Donnerstag, 27. Mai 2010

Mütter mit kleinen Kindern sind gleichberechtigt mit allen anderen Gemeindemitglieder und Kinder haben keinen Schalter und keinen Laut-/Leise-Knopf. So sind wir als Menschen einfach geschaffen. Kinder sind bei Jesus geradezu erwünscht. Nun würde ich mein Kind auch nicht quer durch die Kirche laufen lassen, aber in unserer kinderreichen Gemeinde passiert das durchaus auch immer wieder. Und gerade junge Eltern stehen in einer besonderen Belastung, sie haben die Erleichterung durch den Gottesdienst besonders verdient. Es gibt auch Kinderbetreuung dort, aber nicht immer. Kinder können uns auch einfach immer wieder daran erinnern, dass das Leben im Außen nicht kontrollierbar ist, und an unsere eigene Lebendigkeit.

Doch am einfachsten kann man bei sich selbst anfangen: Mir macht das nichts aus, ich kann davon abschalten, es ist einfach eine geistige Übung - wie beim Beten oder Meditieren alles andere einfach auszublenden. Ich habe gelernt, dieses Geschehen einfach als den "Atem der Erde" hinzunehmen, wie auch andere Geräusche - Autolärm, Husten etc. -, auf die ich keinen Einfluss habe. Je weniger Widerstand Sie den Geräuschen oder dem Geschehen entgegen bringen, umso schneller ist es möglich, sich konkret der Predigt zu widmen, sich in einen Kanal hinein zu begeben, der nur Sie und das Wort umfasst.

Früher habe ich auch in einem Großraumbüro gearbeitet, da hatte ich auch kaum Einfluss auf den Geräuschpegel und hatte trotzdem konzentriert zu arbeiten. Stille, innere Ruhe und Gelassenheit fängt in Ihrem eigenen Kopf und Herzen an und können dort - vielleicht mit etwas Übung - jederzeit hergestellt werden.

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