Auf der einen Seite sollten wir uns freuen, wenn Mütter mit kleinen Kindern den Gottesdienst besuchen. Und es braucht sicher auch eine gute Toleranz, um das Verhalten der Kinder zu ertragen. Denn Kinder können kaum den ganzen Gottesdienst über ganz still sitzen bleiben. Aber es gibt auch Grenzen.
Wenn ein Kind laut schreit, dann signalisiert es, dass es sich hier im Gottesdienst nicht wohlfühlt. Dann soll man das Kind auch nicht mit Gewalt im Gottesdienst halten. Sonst ist es für das Kind und für die Mutter eine Zumutung. Wenn Kinder in der Kirche herumlaufen, ohne Lärm zu machen, dann soll man das dulden. Ich muss ja nicht hinschauen und brauche mich nicht davon ablenken zu lassen. Wenn das Kind während der Predigt aber laut spricht, dann kommt es in der Kirche in eine Machtposition. Und dann tut es weder dem Kind gut, das mit dieser Macht noch nicht angemessen umgehen kann, noch den Teilnehmern, die sich dann davon gestört fühlen.
Es hat wenig Sinn, während des Gottesdienstes laut gegen das Verhalten eines Kindes zu protestieren. Denn sonst trauen sich Mütter gar nicht mehr in die Kirche mit ihren Kindern. Aber es ist durchaus angebracht, nach dem Gottesdienst in aller Ruhe mit der Mutter zu sprechen, ob es während der Predigt nicht andere Möglichkeiten gibt für das Kind. Es wäre sicher auch eine Frage an die Gemeinde, ob sie eben für die Kinder während des Gottesdienstes Kindergottesdienste anbietet. Einige Mütter halten für die Kinder extra Gottesdienste und kommen dann zum Vaterunser wieder in die Gemeinde. Hier ist die Phantasie der Gemeinde gefragt.
Ihr Pater Anselm Grün